Bremen Bernd Hoffmann saß am Samstagabend in einer gemütlichen Loge des Bremer Weserstadions. Von dort aus hatte der gerade gewählte Präsident des Hamburger SV beste Sicht auf die schlimmen Szenen, die sich im Gästeblock abspielten – an denen er mit seinen unverantwortlichen Worten zuvor ein gehöriges Maß an Mitverantwortung trug.

Bei der Mitgliederversammlung des HSV am Sonntag vor einer Woche hatte Hoffmann in seiner Wahlkampfrede geeifert, mit 5000 Hamburgern nach Bremen zu fahren und dort „ordentlich aufzumischen“. Hoffmann ließ sich von den HSV-Mitgliedern für diese Aussage feiern – dass er damit den Krawallmachern im Hamburger Fanlager einen Freifahrtschein erteilte, nahm er billigend in Kauf.

Was sie unter „aufmischen“ verstehen, zeigten vermummte HSV-Chaoten dann beim Nordderby, zu dem sie massenhaft Pyrotechnik und Raketen ins Stadion schmuggelten, diese vollkommen enthemmt abfeuerten und so für mehrere Spielunterbrechungen sorgten. Angesichts dieser gemeingefährlichen und nicht zu kontrollierenden Lage erstaunten die anschließenden Aussagen von Schiedsrichter Felix Zwayer doch sehr.

Man sei weit entfernt von einem Spielabbruch gewesen sei, am Ende sei doch alles glimpflich abgegangen, sagte Zwayer. Wie bitte? Muss also erst jemand von einer Leuchtrakete getroffen werden, damit ein Spiel abgebrochen wird?

Zwayers Satz, dass es in erster Linie um die Sicherheit der Spieler gegangen sei, musste in den Ohren der Zuschauer auf dem unteren Teil der Westtribüne wie Hohn geklungen haben. Die konnten sich nämlich über 90 Minuten nicht mehr sicher in ihrer Haut fühlen, weil von oben aus dem HSV-Block permanent brennendes Material herunterfiel.

Gedanken machen sollten sich deshalb auch die Verantwortlichen von Werder: Dass die Gästefans unterhalb des Stadiondachs untergebracht sind, ist eine Zumutung für die darunter sitzenden Besucher.

Christopher Deeken Redakteur / Sportredaktion
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