Bremen 124 Minuten benötigte Florian Kohfeldt, um seinen Job für mindestens drei weitere Wochen zu sichern. Die Spieler von Werder Bremen und ihr Trainer traten am Freitagabend im Halbfinale des DFB-Pokals derart leidenschaftlich auf, dass Sportchef Frank Baumann in Abstimmung mit dem Aufsichtsrat des Fußball-Bundesligisten kurz vor Mitternacht klarstellte: Der Trainer bleibt: „Wir haben ein großes Ziel, das ist der Klassenerhalt. Ich habe die feste Überzeugung, dass wir das mit Florian schaffen können.“

Was sagt Florian Kohfeldt?

Der stark angeschlagene und am Montag zuvor fast schon freigestellte Trainer war trotz der dramatischen 1:2-Niederlage nach Verlängerung gegen RB Leipzig ein Gewinner des Abends. „Das war ein Wahnsinnsspiel von uns. Eine Mannschaft, so wie sie heute gespielt hat, kann kein grundlegendes Problem mit dem Trainer haben“, sagte Kohfeldt, der sein Team noch ein Stück weit emotionaler als sonst von der Seitenlinie aus anheizte, die vielen gewonnenen Zweikämpfe lautstark feierte und mitreißende Ansprachen im Team-Kreis vor und in der Pause der Extrazeit hielt (Unter anderem schrie er: „Ihr seid voll da. Wir haben uns das verdient“). Werder trat als Einheit auf, war bissig, warf sich aufopferungsvoll in jedes Duell mit den individuell überlegenen Leipzigern. „Die Spieler haben nicht für mich gespielt, sondern für sich. Aber sowas kann man nicht abliefern, wenn es Probleme mit dem Trainer gibt“, meinte Kohfeldt. Er freue sich im Amt zu bleiben, „weil ich das zu Ende bringen will“.

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Werder Bremen - RB Leipzig 1:2 n.v.

Werder Bremen: Pavlenka - Gebre Selassie, Veljkovic, Moisander, Augustinsson - Groß (119. Bargfrede) - Mbom (73. Bittencourt), M. Eggestein - Sargent - Füllkrug (66. Osako), Selke (96. Möhwald). RB Leipzig: Gulacsi - Upamecano, Konaté, Orban - Mukiele, Haidara (46. Nkunku (114. Forsberg)), Kampl, Angelino (101. Henrichs) - Sabitzer (74. Poulsen), Olmo - Sörloth (90. Hwang).

Schiedsrichter: Manuel Gräfe (Berlin). Tore: 0:1 Hwang (93.), 1:1 Bittencourt (105.+1), 1:2 Forsberg (120.+1).

Was sagen die Spieler?

„Das war ein kleines Zeichen, dass die Mannschaft lebt. Alles andere können wir sowieso nicht entscheiden“, erklärte Leonardo Bittencourt, der mit seinem Tor zum zwischenzeitlichen 1:1 (105.+1; nach 0:1 von Hee-Chan Hwang/93.) die Hoffnungen auf den Finaltraum nährte. „An dieser Stelle ein Kompliment an Flo. Für ihn war das alles nicht einfach und wie er das umgesetzt hat, davor habe ich einen Riesenrespekt. Er hat uns die ganze Woche über betreut“, meinte Davie Selke. Beide Spieler waren unter ihrem Coach zuletzt außen vor, hätten also Grund, auch negative Töne zu finden.

Was veränderte Kohfeldt?

Auch wenn Emil Forsberg alle Bremer erst in der 121. Minute mit seinem Tor zum 1:2 schockierte, so war der neue Matchplan des Trainers gegen Leipzig voll aufgegangen. Schon vor dem Spiel veränderte Kohfeldt einiges. Laut eigener Aussage verzichtete er auf eine ausführliche Gegner-Analyse, zudem ging es nur ins Tageshotel. Köpfe frei bekommen, hieß das Motto. Auf dem Platz spielte Werder dann mit anderen, ganz einfachen Mitteln. Mit Davie Selke und Niclas Füllkrug gemeinsam auf dem Platz spielten die Verteidiger gezielt viele lange Pässe auf die Köpfe ihrer Stürmer – und Joshua Sargent rannte als dritter Angreifer jedem Ball hinterher. Werder verzichtete auf ein Kurzpass-Aufbauspiel. Das geplante Chaos auf dem Platz mit vielen Zweikämpfen und wenig Rhythmus für den Gegner war das Ziel – und die Idee ging auf: Selke und Füllkrug gewannen viele Duelle. Dadurch fand Werder immer besser in die Partie, legte mit die Verunsicherung nach sieben Pleiten in Serie immer mehr ab. Durch diese einfachen Mitteln gepaart mit der leidenschaftlichen Einstellung zeigten die Bremer ihre beste Leistung seit vielen Wochen. „Ich bin bitterlich enttäuscht, aber sehr stolz auf meine Mannschaft“, meinte Kohfeldt.

Was heißt das für die Liga?

Entscheidend wird es sein, dieses Engagement nach dem Pokal-Highlight nun auch in den Liga-Alltag zu transportieren. Der Auftritt gegen Leipzig soll als Blaupause für die Liga dienen, denn genau diese Körperlichkeit wird Werder im Abstiegskampf brauchen. In Bayer Leverkusen (8. Mai) und Borussia Mönchengladbach (22. Mai) kommen noch zwei Teams ins Weserstadion, die ebenfalls spielstärker und individuell besser besetzt sind. Auch gegen sie muss Werder mit diesen Emotionen und dieser Härte gegenhalten. Dazwischen liegt das Auswärtsspiel beim FC Augsburg (15. Mai), der für seine körperlich betonte Spielweise bekannt ist. Es wird buchstäblich ein Kampf um den Klassenerhalt. Am Freitagabend vermittelten Werder und Kohfeldt den Eindruck, dass sie diesen (endlich) auch so angenommen haben.

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Lars Blancke Redakteur / Sportredaktion
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