Bremen Der Blick auf die Tabelle wurde für alle, die es mit Werder Bremen halten, am Sonntagabend noch unangenehmer. Mainz 05 hatte just 5:1 bei der TSG Hoffenheim gewonnen, wenige Stunden zuvor der FC Augsburg mit dem 4:0 gegen Hertha BSC ein deutliches Zeichen gesetzt – beide Sonntags-Sieger waren an den Bremern in der Tabelle der Fußball-Bundesliga vorbeigezogen. Elf Punkte haben die seit acht Partien sieglosen Grün-Weißen nur nach zwölf Spielen. Nur weil sie die um einen Treffer bessere Tordifferenz als der 15. aus Berlin und der 16. aus Düsseldorf haben, steht Werder nicht auf dem Relegationsplatz.

Die Ursachenforschung läuft auf Hochtouren. Die vielen Verletzten zu Saisonbeginn, das katastrophale Verteidigen gegnerischer Standards, die vielen leichten wie unnötigen Fehler, die zu den Gegentoren führen, werden dabei oft genannt. Zu den Kerngründen von Werders Talfahrt, das machte auch das 1:2 gegen Schalke 04 deutlich, zählt aber noch ein weiterer Faktor: Die Bremer Leistungsträger haben – aus unterschiedlichsten Gründen – eine Krise. Jene Akteure, die in der vergangenen Saison maßgeblich an vielen guten Auftritten beteiligt waren, rennen ihrer Form hinterher.

Jiri Pavlenka

Die Zeiten des Bremer Torwartproblems waren mit der Verpflichtung des Tschechen eigentlich beendet. Seit der 1,96 Meter Keeper im Sommer 2017 von Slavia Prag an die Weser wechselte, hatte Werder eine sichere Nummer eins. In dieser Saison aber strauchelt der 27-Jährige. Nach klaren Fehlern wie gegen Freiburg (2:2) und in Gladbach (1:3) scheint sich Verunsicherung in den Kopf von „Pavlas“ geschlichen zu haben. Gegen Schalke verschuldete er zwar keinen Gegentreffer, ließ den Ball aber mehrmals abprallen und musste nachfassen. So kann er derzeit nicht der Ruhepol sein, den Werder dringend bräuchte.

Der Dauerbrenner war einer der Aufsteiger der Vorsaison, stand dicht vor seinem Debüt in der A-Nationalmannschaft. Dann aber spielte Maximilian Eggestein in der Sommerpause die U-21-EM, spulte bis zum Finale gegen Spanien jedes Spiel ab und konnte sich so im Gegensatz zu seinen Kollegen nicht ausruhen. Nun zahlt Werder den Preis, denn von Eggesteins Effektivität der Vorsaison ist nichts mehr zu sehen. Kein Tor und nur eine Vorlage in elf Bundesligaeinsätzen sind für den Mittelfeldspieler deutlich zu wenig. Eggestein präsentiert sich zwar gewohnt laufstark und einsatzfreudig. Einer, der andere mitreißt, ist er aktuell aber nicht. Ohne den „wahren“ Eggestein fehlt Werder die Torgefahr aus dem Mittelfeld.

Gegen Schalke bekam der 41-Jährige mal wieder eine Chance, wurde bereits in der 56. Minute eingewechselt – seine längste Einsatzzeit in dieser Saison. Pizarro war auch durchaus ein neues Element im Bremer Spiel, schirmte die Bälle ab und verteilte sie. Gleichermaßen hatte der Peruaner auch zwei richtig gute Torgelegenheiten, ließ diese aber in für ihn ungewohnt hüftsteifer Manier liegen. Pizarro ist bisher nicht mehr dieser Impulsgeber von der Bank, von dem Trainer Florian Kohfeldt in der Vorsaison wieder und wieder schwärmen durfte. Kein Tor, keine Vorlage – so kann Pizarro Werder nicht mehr helfen.

Nur an den ersten drei Spieltagen war der Finne fit, seither plagt er sich mit einer Muskelverletzung herum. Immer wieder muss Moisander sein Comeback nach hinten verschieben, dabei fehlt der Kapitän an allen Ecken und Enden. Der Innenverteidiger lenkte in der Vorsaison das Bremer Spiel. Er ordnete die Defensive, war zweikampfstark, dirigierte lautstark und eröffnete mit seinem starken linken Fuß oftmals das Bremer Aufbauspiel. Diese Spielzeit zeigt: Moisander ist trotz seiner 34 Jahre bei Werder einfach nicht zu ersetzen.

Auch der Schwede war bisher einer der Leistungsträger außer Dienst – allerdings aus körperlichen Gründen. Nach seiner Knieoperation gab der Linksverteidiger gegen Schalke seine Saisonpremiere. Obwohl er nur wenige Trainingseinheiten gemeinsam mit der Mannschaft absolviert hatte, brachte ihn Kohfeldt gleich über 90 Minuten. Das zeigt zum einen, wie wichtig Augustinsson für Werders Stabilität ist. Das zeigt aber auch zum anderen, dass jüngere Spieler wie Marco Friedl noch nicht das Niveau haben, auf dem Werder spielen will. Augustinsson gab zu, dass er am Ende seiner Premiere schon ziemlich kaputt gewesen sei. Dass er und die anderen Eckpfeiler des Bremer Gerüsts nun schnell wieder zu alter Form finden, ist für Werder entscheidend, um nicht doch zeitnahe auf den Relegationsplatz abzurutschen.

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Lars Blancke Redakteur / Sportredaktion
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