Bremen Von rumeiern hält Klaus Filbry offenbar nichts: Trotz zahlreicher Unklarheiten in der Krise hat Werder Bremens Geschäftsführer bemerkenswert offen über die finanziellen Konsequenzen der Coronavirus-Pandemie für den Traditionsclub von der Weser informiert. Der 53-Jährige machte in einem Vereins-Podcast klar: Ohne Kredite geht es in der aktuellen Situation nicht. Werder muss „Schulden aufnehmen“. Die Liquidität sei dafür bis zum Frühherbst abgesichert. Die aktuelle Situation wirkt sich in zahlreichen Bereichen auf die Einnahmen des Fußball-Bundesligisten aus – es drohen Verluste von mehr als 40 Millionen Euro.

Die Fortsetzung der aktuell unterbrochenen Saison ist –wenn überhaupt – nur mit Geisterspielen denkbar. Durch bereits verkaufte Tageskarten stehen Einnahmen von einer Million Euro auf der Kippe. „Da ist die Frage, verzichten diese Menschen oder müssen wir das Geld zurückerstatten“, sagte Filbry. Dies gilt auch in Bezug auf Dauerkarten, bei denen sich das Risiko auf etwa drei Millionen Euro beläuft, Business-Kunden hätten bei einem normalen Saisonverlauf etwa die gleiche Summe mehr eingebracht.

Sieben Millionen Euro sind für Werder eine Menge Geld, mit dem man beispielsweise Offensivspieler Leonardo Bittencourt finanzieren könnte. Denn: Bleibt Werder in der Liga, müssen die Bremer den derzeit aus Hoffenheim ausgeliehenen 26-Jährigen fest verpflichten. Eine ähnliche – wenn auch weniger kostspielige – Vereinbarung gibt es in Bezug auf den aus Dortmund ausgeliehenen Innenverteidiger Ömer Toprak.

Hohe Einnahmen hätte Werder unter normalen Umständen wohl mit Milot Rashica erzielen können. Der 23-jährige Nationalspieler des Kosovo kann Werder aufgrund einer Ausstiegsklausel in seinem bis zum 30. Juni 2022 gültigen Vertrag in diesem Sommer verlassen. Ob sich allerdings ein Verein findet, der den vollen Betrag von Medienberichten zufolge 38 Millionen Euro zahlt, ist in Krisen-Zeiten sehr fraglich – auch, weil der Stürmer in den bisherigen Rückrundenspielen nicht gerade groß auftrumpfte.

Wohl noch direkter als Spieler-Marktwerte hängen Sponsoreneinnahmen an der Antwort auf die Frage, wann es weitergeht. „Wenn nicht gespielt und abgebrochen wird, müssen Leistungen zurückerstattet werden, die ja verkauft wurden“, erklärte Filbry. Der Geschäftsführer weiß unter anderen bei einigen großen Sponsoren derzeit nicht, ob sie Werder in der kommenden Spielzeit unterstützen. „Volkswagen ist ein Thema, wo wir aktuell eher davon ausgehen, dass es nicht weitergeht“, sagte er: „Betway ist ein großes Thema, da sind wir zuversichtlich, dass es weitergeht.“

Werder plant mit mehreren Szenarien. „Im wirklich schlechtesten Fall, wenn alles schiefgeht, haben wir ein wirtschaftliches Risiko von ungefähr 45 Millionen Euro“, sagte Filbry. Das wäre, wenn die aktuelle Spielzeit abgebrochen und bis Ende des Jahres ohne Zuschauer gespielt werden müsste. Unrealistisch ist das nicht. „Wir wissen nicht, ob Geisterspiele nicht im Februar, März noch stattfinden“, hatte DFL-Geschäftsführer Christian Seifert am Donnerstag noch gesagt und die Clubs gebeten, den ersten Teil der nächsten Saison ohne Zuschauereinnahmen zu planen. Das betrifft alle Vereine. Bei Werder kommt hinzu, dass man bei vier Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz und einem zusätzlichen Nachholspiel an der Weser noch nicht einmal weiß, in welcher Liga man 2020/21 überhaupt spielt.

Für den Fall, dass die aktuelle Saison ohne Zuschauer zu Ende gespielt und die Hinrunde 2020/21 wieder mit Stadion-Publikum läuft, erwartet Filbry Mindereinnahmen von 20 Millionen Euro. Mit diesem „besten Fall“ rechnet er aber selbst nicht.

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