Bremen /Frankfurt Ein halbes Jahr nach dem Polizeikosten-Urteil des Bundesverwaltungsgerichts beißt die Deutsche Fußball Liga (DFL) in den sauren Apfel und wird bis Ende September die Gebührenbescheide des Landes Bremen begleichen. Dieses hatte für vier Partien des Bundesligisten Werder Bremen 1,17 Millionen Euro in Rechnung gestellt.

Um welche Spiele geht es?

Konkret geht es bei den vier Bescheiden um Partien aus den Jahren 2015 und 2016. Die Einzelsummen belaufen sich auf 227 000, 246 000, 283 000 und 412 000 Euro. Werders Gegner waren dabei Borussia Mönchengladbach, der Hamburger SV, Hannover 96 und Eintracht Frankfurt. Bremen stellt dabei die zusätzlichen Polizeikosten in Rechnung, die bei diesen Spielen über den üblichen Aufwand hinaus angefallen waren.

Aus welchen Töpfen nimmt die DFL das Geld?

Der Ligaverband DFL teilt die Summe zunächst auf: Etwa die Hälfte soll Werder zahlen, die andere Hälfte wird die DFL GmbH an den DFL Deutsche Fußball Liga e.V. weiterreichen. Mitglied dort sind alle 36 Clubs der Bundesliga und 2. Bundesliga. Das DFL-Präsidium soll entscheiden, wie diese 584 000 Euro aufgeteilt werden. Dass die DFL einen Teil der Rechnung an Werder weiterleitet, könne das Land Bremen laut Innensenator Ulrich Mäurer nicht beeinflussen. „Indem sie die Hälfte der Summe auf Werder Bremen abwälzt, versucht sie Politik zu machen und den Druck aufs Land zu erhöhen“, sagte der SPD-Politiker. Man müsse aber nicht alles mitmachen, was die DFL vorgebe. Werder-Präsident Hubertus Hess-Grunewald kritisierte die Bremer Politik für die Gebührenbescheide: „Es wird einmal mehr deutlich, dass entgegen der Verlautbarungen der Initiatoren des Gesetzes der SV Werder Bremen großen finanziellen Schaden nimmt und einen nicht unerheblichen Wettbewerbsnachteil erfährt.“ Schon im April dieses Jahres hatte er gesagt, wenn die DFL eine Rechnung an Werder weiterreichen würde, könne das den Erstligisten in seinem Handlungsspielraum einschränken. Er erklärte, dass die zu jener Zeit diskutierte mögliche Vertragsverlängerung mit Max Kruse daran scheitern könne, dass die DFL von Werder Geld zurückhaben wolle. Für das Ziehen dieser Verbindung war Hess-Grunewald teils heftig kritisiert worden.

Ist der Streit
damit beigelegt
?

Keineswegs. Denn die DFL erhob gleichzeitig mit der Zahlungsankündigung Widerspruch gegen alle Gebührenbescheide und behielt sich vor, diese einzeln gerichtlich überprüfen zu lassen. Das soll vor allem mögliche Nachahmer abschrecken. Außerdem behält sich die DFL nach wie vor den Gang vor das Bundesverfassungsgericht vor. Im März dieses Jahres hatte das Bundesverwaltungsgericht entschieden, dass eine Beteiligung der Vereine an den Polizeikosten bei Hochrisikospielen grundsätzlich rechtens ist. Mit diesem Urteil im Rücken versucht Mäurer, auch Ressortchefs in anderen Bundesländern für die Idee zu gewinnen. Er werde sich mit „interessierten Kollegen“ in Kürze in Mainz treffen, um Modalitäten für einen Fußballsolidarfonds zu besprechen und dazu eine länderübergreifende Arbeitsgruppe ins Leben zu rufen, kündigte Mäurer an.

Wird es weitere Rechnungen geben?

Ja. Auch unter dem neuen rot-grün-roten Senat unter Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) strebt das pro Kopf am höchsten verschuldete Bundesland eine Übernahme der Polizeikosten bei Risikospielen durch den Profifußball an. Neben den vier genannten Partien steht für weitere drei Spiele eine Gebührensumme von etwa 1,1 Millionen Euro aus. Bei diesen Spielen ist entweder noch kein Bescheid versandt worden oder es steht noch eine Gerichtsentscheidung aus.

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