Bremen /Frankfurt Es gibt so Tage und Spiele, da läuft einfach nichts zusammen – das kennt jeder Fußballer oder Sportler. Es gibt aber auch ganze Jahre, da klappt einfach nichts – und dieses erlebt gerade Werder Bremen.

Da war die nicht enden wollende Verletzungsmisere am Anfang der Saison 2019/20. Da waren unglückliche Niederlagen in der Hinrunde, die das Team völlig außer Tritt brachten. Da war die Negativspirale, die Werders Leistungen immer schlechter werden ließ und den Absturz auf Platz 17 vor der Corona-Pause brachte.

Da war der ständige Streit mit der eigenen Landespolitik, etwa um die Polizeikosten, um den Einstieg ins Mannschaftstraining vor wenigen Tagen oder um die Austragung von Geisterspielen per se.

Und da waren diverse Dispute mit der Deutschen Fußball Liga (DFL) – erst um die umstrittene Absage des Heimspiels gegen Eintracht Frankfurt aufgrund der Terminnot der Gäste. Dann um den Zeitpunkt der Wiederaufnahme der Saison (Werder wollte aufgrund des späteren Einstiegs ins Teamtraining später loslegen und proklamierte Wettbewerbsverzerrung). Und nun um die Wertung der Saison, sollte sie aufgrund der Unsicherheiten in der Corona-Krise nicht beendet werden.

Denn der Plan der DFL, die Vereine erst davon zu überzeugen und dann darüber abstimmen zu lassen, dass bei einem Saisonabbruch aus rechtlichen Gründen der dann aktuelle Tabellenstand gewertet wird, es einen Meister sowie zwei Absteiger und keine Aufstockung der Ligen gibt, erhöht zweifellos erheblich den Druck auf Werder.

Zwei große Verlierer

Das würde nämlich auch bedeuten, dass die Bremer nicht nur bis zum 34. Spieltag einen der letzten beiden Plätze verlassen müssten, sondern so schnell wie möglich, um bei einem Abbruch nicht einer der beiden großen Verlierer zu sein. Wie schwierig ein zügiges Verlassen des 17. Platzes sein wird, macht schon ein Blick auf den Spieltag an diesem Wochenende deutlich: Fortuna Düsseldorf hat als 16. mit 22 Punkten an diesem Samstag die riesige Chance, gegen Schlusslicht SC Paderborn den Vorsprung auf Werder auf sieben Zähler zu erhöhen, während die Bremer erst am Montag (20.30 Uhr) gegen das starke Bayer Leverkusen eingreifen. Zudem hat Werder erst am 2./3. Juni sein Nachholspiel gegen Frankfurt – wie würde dieses Spiel bei einem vorherigen Abbruch gewertet?

„Dieses Szenario ist höchst unwahrscheinlich, sollte aber geregelt sein. Ich bin überzeugt, dass alle Clubs diesem Vorschlag zustimmen“, sagte der DFL-Aufsichtsratschef Peter Peters zunächst am Mittwoch. Die 18 Erstligisten aber sind sich nicht einig: In einer Videokonferenz wenige Stunden später stimmten laut „Kicker“ zehn Clubs dafür, acht dagegen – darunter Werder. Als Folge daraus wird nicht auf der Mitgliederversammlung der 36 Proficlubs an diesem Donnerstag offiziell abgestimmt, sondern die Entscheidung um eine Woche vertagt.

„Das ist eine Regelung, die unglaublich viel nach sich zieht. Da kann man nicht einfach en passant wenige Tage vor der Wiederaufnahme des Spielbetriebs eine Entscheidung solcher Tragweite treffen“, kritisierte Werders Aufsichtsratschef Marco Bode am Mittwochabend. „Es ging einer relativ großen Zahl so, dass die Kurzfristigkeit, die Art und Weise und die Sorgfalt des Antrages kritisiert wurden“, sagte Bode.

„Berg von Problemen“

Es sei „ein großer Unterschied, ob man freiwillig eine Saison abbricht oder dazu gezwungen wird“, warnte Peters indes vor den unabsehbaren juristischen Folgen im Fall eines freiwilligen vorzeitigen Saisonabbruches und äußerte die Überzeugung, dass die Saison beendet werden kann. Bei einem vorher nicht geregelten Abbruchszenario warte ein „Berg von Problemen“ auf die DFL. Peters fürchtet dann lange juristische Auseinandersetzungen, weil es in solch einem Fall immer „negativ Betroffene“ gebe – zum Beispiel eben Werder Bremen im Abstiegskampf oder die aktuellen Bayern-Verfolger Borussia Dortmund und RB Leipzig im Rennen um die Meisterschaft.

Nicht nur in Bremen ist die Stimmung vor dem Wiederanpfiff der 1. und 2. Liga an diesem Samstag höchst angespannt. Scharfe Kritik begleitet den deutschen Profifußball seit Wochen. Die wirtschaftliche Existenz einiger Clubs steht auf dem Spiel, auch der schon beschädigte Ruf der Branche und nicht zuletzt die Gesundheit aller Beteiligten.

Apropos Gesundheit: Da gab es am Dienstagabend noch eine weitere Nachricht aus Bremen. Claudio Pizarro fällt mit einer Muskelverletzung wochenlang aus, der 41-jährigen Vereinslegende droht das vorzeitige Ende seiner außergewöhnlichen Karriere.

Es gibt eben Jahre, da läuft einfach nichts zusammen.

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Lars Blancke Redakteur / Sportredaktion
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