Bremen Als das Spiel in Paderborn bereits beendet war, wechselte das Momentum die Seite. Während die Fußballer von Werder Bremen sich nach ihrem souveränen 5:1 (3:0) beim Aufsteiger und designierten Wiederabsteiger aus Ostwestfalen abklatschten, köpfte der Dortmunder Erling Haaland 170 Kilometer weiter westlich den Ball ins Tor.

Es war nicht irgendein Treffer, sondern das 1:0-Siegtor in der 95. Minute in Düsseldorf mit der letzten Aktion des Spiels – die anschließenden Bilder sprachen Bände. Die Fortuna-Profis knickten völlig platt und enttäuscht ein, knieten oder lagen auf dem Rasen, da erklärte Werder-Trainer Florian Kohfeldt schon im Interview, dass sein Team bewiesen habe, dass es Druck standhalten könne, dass es sehr entschlossen gewesen sei, dass es aber noch nichts gewonnen habe im Abstiegskampf.

Für Werder lief alles perfekt

Dennoch: Der 31. Spieltag hätte für Werder nicht besser laufen können. Der Eindruck, dass Bremen nun nicht nur punktuell gleich-, sondern psychologisch obenauf ist, war eindringlich. Die fünf Tore gegen Paderborn, die meisten in einem Spiel in dieser Saison, beendeten vorerst die Sturmflaute von der Weser. Einen so deutlichen und überzeugenden Sieg hatte es in dieser Spielzeit noch nicht gegeben. Das geglückte Comeback von Niclas Füllkrug sowie der späte Rückschlag für die Fortuna rundeten den Bremer Tag ab. Plötzlich trennt den Tabellenvorletzten Werder nur noch ein einziges Tor vom aktuell realistischen Saisonziel: Relegationsplatz 16. Dass Mainz 05 zudem am Sonntag verlor und auf Platz 15 liegend nur drei Zähler Vorsprung hat, erhält sogar die Chancen auf den direkten Ligaerhalt.

„Wir sind weiter im Spiel um den Klassenerhalt, aber wir sind heute auf einem Abstiegsplatz. Deshalb gibt’s keinen Grund, jetzt in irgendeiner Form in Euphorie zu verfallen oder zu glauben, man hätte irgendwas geschafft“, hielt Kohfeldt den Ball flach. Der Trainer ahnt, dass es auf ein dramatisches Rennen mit der Fortuna hinausläuft. Nicht nur, dass beide Teams nun 28 Punkte auf dem Konto haben, das jeweilige Restprogramm kommt nahezu identisch daher.

Jeder Treffer könnte wichtig sein

Werder ist an diesem Dienstag (20.30 Uhr) krasser Außenseiter gegen den FC Bayern, hat dann zwei schlagbare Gegner in Mainz und gegen Köln. Düsseldorf derweil gilt an diesem Mittwoch (20.30 Uhr) bei RB Leipzig als deutlicher Underdog, hat dann aber mit dem Heimspiel gegen den FC Augsburg und der Auswärtspartie bei Union Berlin ebenfalls lösbare Aufgaben. Da war es umso wichtiger, dass die Bremer durch die Treffer von Davy Klaassen (20./39. Minute), Yuya Osako (34.), dem lang erwarteten ersten Saisontor von Maximilian Eggestein (59.), und Füllkrugs Comeback-Treffer (90.+2) ordentlich am so miserablen Torverhältnis schraubten.Jeder Treffer könnte in den letzten 270 Minuten dieser Saison der Entscheidende sein.

Diesen Gedanken müssen die Bremer vor der schier unüberwindbare Hürde aus München verinnerlichen. Natürlich ist eine Niederlage von Werder gegen die Über-Bayern, die sich an der Weser zum achten Mal in Serie zum Meister küren könnten, der wahrscheinlichste Fall. Aber um das Momentum zu halten, darf Werder bei einem möglichen Rückstand nicht einbrechen, darf sich keine hohe Pleite leisten. Dann könnten die Bremer sogar trotz einer Niederlage an Düsseldorf vorbeiziehen, verliert die Fortuna 24 Stunden später höher in Leipzig als die Bremer gegen die Bayern. Das ist beileibe viel Konjunktiv, aber drei Spieltage vor Saisonende fangen die Rechenspiele an. Die fünf Treffer in Paderborn waren Bremer Wirkungstreffer, das Tor von Haaland sogar ein Volltreffer. Weitere werden folgen. Die Frage ist, wer sie verteilt.

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Lars Blancke Redakteur / Sportredaktion
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