Bremen Marco Friedl lief rückwärts. Weiter, immer weiter rückwärts. So weit rückwärts, bis sein ballführender Gegenspieler Patrick Herrmann derart dicht vor dem Tor angekommen war, dass er schießen konnte. Flach, an Friedl vorbei, ins Tornetz. Es war in der 59. Minute das 3:0 für Borussia Mönchengladbach gegen Werder Bremen und damit die Entscheidung in einer Partie, in der erneut deutlich wurde, dass der Fußball-Bundesligist aus Bremen in der Defensive enorm große Probleme hat. Friedls schwaches Zweikampfverhalten war stellvertretend dafür.

Statistik des Spiels

Gladbach: Sommer - Lainer, Ginter, Elvedi, Bensebaini - Kramer (34. Hofmann), Benes (59. Neuhaus), Zakaria - Thuram, Plea (81. Stindl), Herrmann. Bremen: Pavlenka - Gebre Selassie, Veljkovic, Langkamp, Friedl (81. Sargent) - Sahin (73. Goller) - M. Eggestein, Klaassen - Bittencourt, Rashica - Osako. Tore: 1:0 Bensebaini (20.), 2:0 Herrmann (22.), 3:0 Herrmann (59.), 3:1 Bittencourt (90.+3). Gelb-Rote Karte: Bensabaini wegen wiederholten Foulspiels (87.). Besonderes Vorkommnis: Sommer hält Foulelfmeter von Klaassen (53.).

Letztlich stand am Sonntagnachmittag für Werder eine 1:3 (0:2)-Niederlage, das siebte sieglose Ligaspiel in Serie und der Absturz auf Rang 14 fest. Lediglich zwei Punkte beträgt der Vorsprung auf Relegationsplatz 16. Das Ziel Europapokal ist nach elf Spielen in ganz weite Ferne gerückt, stattdessen haben die Bremer sich vorerst in der Abstiegsregion angemeldet.

„Ich glaube, wir haben aus dem Spiel heraus die deutlich besseren Torchancen als Gladbach, machen sie aber nicht. Und wir kriegen aus dem Nichts Gegentore“, haderte Werder-Trainer Florian Kohfeldt. Wieder einmal hatte seine Elf nach vorne einen guten Eindruck hinterlassen, aber erneut machte sie hinten viel zu leichte Fehler.

Beim 0:1 durch Ramy Bensebaini bekam Werder schon wieder ein Kopfball-Gegentor nach einer Standardsituation (20. Minute). Beim 0:2 durch Herrmann sah zum wiederholten Male in dieser Spielzeit Torwart Jiri Pavlenka schlecht aus (22.). Beim 0:3 patzte Friedl – auch bei Weitem nicht zum ersten Mal in dieser Saison. Da konnte das erste Tor von Leonardo Bittencourt im Bremer Trikot (90.+3) auch niemanden mehr erfreuen.

„Ich glaube, dass heute nicht die bessere Mannschaft gewonnen hat, aber die effektivere“, befand Kohfeldt, der zahlreiche Chancen seiner Elf gesehen hatte. Zweimal hatte der Spitzenreiter vom Niederrhein Glück: als der Treffer von Yuya Osako (28.) nach Videobeweis (zumindest zweifelhaft) aberkannt wurde und als Yann Sommer (53.) einen Strafstoß von Werders Davy Klaassen parierte. Es wäre das 1:2 gewesen. „Wir geben in der ersten Halbzeit zwei Tore zu einfach weg. Dann haben wir ein paar Chancen, um zurückzukommen, aber die verschießen wir“, kommentierte Werders Niederländer das 1:3.

„Es ist wieder ein Standard, das nervt maximal und das müssen wir besser verteidigen. Dann ist es ein Kettenverhalten beim zweiten Gegentor und beim dritten Gegentor verteidigen wir viel zu passiv“, analysierte indes Kohfeldt die Gegentore Nummer 22, 23 und 24 nach nur elf Partien. Werder stellt damit die drittschwächste Defensive der Bundesliga.

Einen Grund dafür machte der Coach im kurzfristigen Ausfall von Innenverteidiger Ömer Toprak aus, der eigentlich in der Startformation stehen sollte, dann aber aufgrund muskulärer Probleme in der Wade nicht spielen konnte und durch Sebastian Langkamp ersetzt wurde. „Die Defensivtaktik war heute stark darauf ausgelegt, mit Toprak einen Spieler im Zentrum zu haben, der mit sehr viel Geschwindigkeit die Querverschiebungsbälle noch abfängt, weil wir sehr mutig durchschieben wollten“, erklärte Kohfeldt, der Langkamp dennoch „ein tolles Spiel“ attestierte.

Insgesamt mache ihm die Leistung „Mut für die kommenden Wochen“, betonte der Bremer Coach. Diese halten ein knackiges Programm parat: Nach der Länderspielpause geht es gegen formstarke Schalker und dann zum VfL Wolfsburg. „Natürlich ist das eine gefährliche Situation und wir dürfen nicht den Gesamtzusammenhang aus den Augen verlieren. Aber das muss man klar davon trennen, dass wir uns nicht von unserer fußballerischen Überzeugung und dem Selbstverständnis, überall gewinnen zu können, abbringen lassen dürfen“, meinte Kohfeldt.

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Lars Blancke Redakteur / Sportredaktion
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