Bremen Florian Kohfeldt erinnerte sich am späten Samstagnachmittag an seine Jugend, in der er als Fan oftmals im Weserstadion gewesen war. „Wenn ich in Block 51 gesessen hätte, wäre ich jetzt auch nicht nach Hause gefahren und hätte gesagt: Yes, wie geil“, gab der Trainer von Werder Bremen nach 0:0 gegen den SC Freiburg unumwunden zu. Es war ein echter Langweiler, ein Spiel für Taktikfans am 21. Spieltag der Fußball-Bundesliga. So gut wie keine Torchancen, viele Querpässe, wenig Risiko. Dass aufgrund der Corona-Pandemie nach wie vor kein Fan ins Stadion durfte, ersparte den Teams in einigen Szenen wohl ein Pfeifkonzert. Und dennoch waren vor allem die Bremer zufrieden mit ihrer Leistung.

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Stabilität als Ziel

„Wir müssen den Weg in dieser Saison andersherum gehen. Wir müssen die defensive Stabilität erhöhen, um irgendwann wieder Offensivfußball spielen zu können“, erklärte Kohfeldt die geplante Langeweile an der Weser. Ein Blick auf die Aufstellung hatte erahnen lassen, dass es ein zähes Spiel werden könnte. Kohfeldt setzte erneut auf ein 5-3-2-System, ließ in der Fünferkette und im defensiven Mittelfeld alle seine erfahrenen Spieler ran und verzichtete gegen die formstarken Breisgauer auf Experimente mit jungen Spielern. Dass die Freiburger wiederum trotz sieben Siegen aus den vergangenen zehn Ligaspielen ebenfalls das Risiko scheuten, überraschte etwas, zeigt aber auch, dass Werder sich mit seiner unangenehmen Spielart einen Stellenwert in den vergangenen Wochen erarbeitet hat.

Ziel erreicht

Wiederholt schrie Kohfeldt die Zielsetzung „Stabil bleiben“ durch das leere Weserstadion seinen Spielern zu. Die überzeugenden Ömer Toprak, Marco Friedl und Milos Veljkovic im Zentrum sowie die zumindest defensiv auch guten Ludwig Augustinsson und Theodor Gebre Selassie auf den Außenbahnen setzten das konsequent um. Vor ihnen unterbanden Kevin Möhwald und Maximilian Eggestein viele Angriffe im Keim. So war Werder eben stabil – ohne nach vorne Glanzpunkte zu setzen. Milot Rashica setzte zumindest kleine Stiche, Joshua Sargent und Romano Schmid hingen dagegen völlig in der Luft und waren wirkungslos. „Es ist extrem schwierig, gegen dieses Bremer 5-3-2-System zu spielen“, stellte Freiburgs Kult-Trainer Christian Streich fest. „Gegen diese extrem schwierig zu bespielende Mannschaft wie Bremen, die alles zuschiebt, waren aber wir nicht sauber genug. Am Ende müssen wir zufrieden sein“, überwog auch bei dem SC-Coach die Genugtuung über einen gewonnenen Punkt.

Zahlen geben recht

Auch wenn Werders Spielstil wahrlich nicht attraktiv daherkommt, so geben Kohfeldt die Zahlen recht. Mit 23 Punkten hat Werder stabile sechs Zähler Vorsprung auf den Relegationsplatz (Bielefeld) und beruhigende neun Punkte Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz (Mainz). In der vergangenen Fast-Abstiegssaison stellte Werder mit 69 Gegentoren die zweitschwächste Defensive der Liga. Mit nur sechs Gegentreffern in sieben Spielen haben die Bremer nun im Jahr 2021 die beste Abwehr aller Clubs – kein Team hat weniger Gegentore kassiert. Hinzu kommt das Zu-Null-Pokalspiel gegen Greuther Fürth (2:0), durch das Werder ins Viertelfinale einzog. Die Freiburger schossen am Samstag nur zweimal aufs Bremer Tor – eine starke Leistung gegen ein Team, das letzte Woche noch 2:1 gegen Borussia Dortmund gewann. „Das war kein Riesenschritt, wir müssen weiter wachsam bleiben“, mahnte Kohfeldt, „aber die Leistung war wieder in Ordnung.“ Geplante Langeweile kann eben auch zufrieden stellen.

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Lars Blancke Redakteur / Sportredaktion
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