Bremen Es ist gar nicht lange her, da trug sich Florian Kohfeldt in die Geschichtsbücher des SV Werder ein. In seinen ersten 16 Heimspielen als Cheftrainer des Fußball-Bundesligisten blieb er ungeschlagen, dadurch übertraf Kohfeldt den Rekord von Otto Rehhagel aus dem Jahr 1981 und hat einen Platz in den Club-Chroniken.

Es war im Oktober 2018, als Bayer Leverkusen diese beeindruckende Serie in der Vorsaison mit einem furiosen 6:2-Erfolg im Weserstadion beendete. Seitdem hat sich in Bremen vieles verändert – ins Negative. Denn wer sich die Heim-Tabelle der Bundesliga nach 18 Spieltagen anguckt, der findet Werder mit gerade einmal fünf geholten Punkten auf dem letzten Platz wieder.

Kein Team war also schlechter in der Hinrunde in seiner eigenen Arena – und so ist es Kohfeldts erster Auftrag, mit seiner Mannschaft in der Rückrunde die Festung Weserstadion neu aufzubauen. „Ganz ehrlich, mich wurmt das schon“, sagte Kohfeldt am Freitag angesprochen auf die traurige Heimbilanz: „Unser Vorteil im eigenen Stadion kam nicht zum Tragen. Das wurmt auch die Jungs.“

An diesem Sonntag (15.30 Uhr) soll gegen die TSG Hoffenheim, die vier ihrer fünf vergangenen Auswärtsspiele gewonnen hat, der zweite Heimerfolg der Saison nach dem 3:2 gegen den FC Augsburg (bereits am 3. Spieltag) gelingen. Das wäre in Werders prekärer Situation – daran ändert auch das 1:0 in Düsseldorf zum Start in die Rückrunde nichts – und mit einem Blick auf das Heim-Programm der Rückrunde durchaus von Bedeutung. Die großen Namen der Liga kommen nämlich (fast) alle noch ins Weserstadion, was Werders Ausbeute von nur einem Sieg, zwei Remis und fünf Niederlagen daheim in der ersten Saisonhälfte weiter schmälert.

In Bayern München, Borussia Dortmund, Borussia Mönchengladbach, Bayer Leverkusen, VfL Wolfsburg und Eintracht Frankfurt werden noch sechs Mannschaften, die in der Champions League oder der Europa League spielen oder spielten, in Bremen vorstellig. Nur Spitzenreiter RB Leipzig war von den deutschen Vertretern im Europapokal schon Werders Gast.

Zwar haben die Bremer auch erst acht Heimspiele bisher bestritten, dennoch sprechen die lediglich acht erzielten Heimtore, die ebenfalls den schwächsten Wert aller Bundesligisten bedeuten, eine deutliche Sprache. Der Respekt vieler Gegner vor der früheren Festung Weserstadion schwindet. „Sie wussten, heute wird es sehr schwer werden, hier etwas zu holen“, erinnerte sich Kohfeldt am Freitag an seine Erfolgsserie. In der Hinrunde sei die eine oder andere Mannschaft mutiger geworden: „Das wollen wir wieder eindämmen.“

Die Werder-Profis sollen wieder „mit einem Selbstverständnis“ einlaufen und zeigen, dass „hier niemand etwas mitnehmen wird“, forderte der Trainer. Die Lage ist mit Platz 16 und 17 Punkten weiter prekär. „Wir sind uns sehr bewusst, in welcher gefährlichen Situation wir uns befinden und wie instabil alles noch bei uns ist“, brachte der 37-Jährige zum Ausdruck und sprach von einem „sehr wichtigen Spiel. Wir können den ersten Sieg bestätigen und das zarte Pflänzchen bestärken.“

Wohl in der Startelf stehen wird wieder Kevin Vogt, der sich in Düsseldorf kurz vor Spielende eine Gehirnerschütterung zugezogen hatte. „Es gibt eine gute Chance, dass er spielt“, sagte Kohfeldt. Alle Tests unter der Woche seien gut verlaufen, der Verteidiger soll an diesem Samstag das Abschlusstraining mitmachen. „Wenn er einsatzbereit ist, wird er in der Startelf stehen“, meinte Kohfeldt und betonte, dass ein „Zwischending“ keinen Sinn ergebe. Werder fahre eine „Null-Toleranz-Politik“ bei Kopfverletzungen, wolle „nullkommanull Risiko“ eingehen.

Für Vogt birgt die Partie zudem eine persönliche Brisanz, ist der 28-Jährige doch nur bis zum Saisonende an Werder verliehen und steht eigentlich noch bei den Hoffenheimern unter Vertrag. Eventuell bringt der Zugang ja bei seinem Debüt an der Weser auch das Heim-Sieger-Gen mit. Mit der TSG hat Vogt in der Hinrunde schließlich immerhin vier Heimspiele gewonnen.

Lars Blancke Redakteur / Sportredaktion
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