Bremen Als Johannes Eggestein in der 82. Minute den Platz des Weserstadions betrat, wurde es am Samstagabend noch mal ganz laut. Just in einer Phase, in der Werder Bremen in seiner Zweitliga-Auftaktpartie gegen Hannover (1:1) um das zweite Gegentor bettelte, brachte Trainer Markus Anfang jenen Stürmer, mit dem er eigentlich gar nicht mehr plant, der bei den Fans aber nach wie vor einen Stein im Brett hat. Es wirkte geradezu so, als ob die 14 000 Zuschauer Eggesteins Nachnamen bei dessen Einwechslung noch ein Stückchen lauter schrien, um den Coach vielleicht doch davon zu überzeugen, dem einst vielversprechendsten Talent des Fußballvereins eine Chance zu geben.

Anfangs System

Die Realität aber sieht anders aus. Anfang will in einem 4-3-3-System spielen lassen, das hat der neue Coach mehrfach betont. Das tat er auch gegen Hannover, obwohl die dafür benötigten Flügelstürmer entweder verletzt (Leonardo Bittencourt, Eren Dinkci) oder auf dem Transfermarkt noch gar nicht gefunden sind. So setzte Anfang in der Offensive links außen auf Felix Agu, der eigentlich in der defensiven Viererkette zuhause ist, und rechts außen auf Joshua Sargent, der lieber zentraler spielt. Einen Platz für Johannes Eggestein hatte er nicht.

Johannes Eggestein

„Jojo ist ein Spieler, der um den Stürmer herumspielt. Die Position haben wir nicht so wirklich da“, hatte der Trainer in der Vorbereitung betont. Sportchef Frank Baumann hatte sogar nachgelegt, sprach davon, dass es das Thema Positionssuche bei „Jojo“ in der Vergangenheit immer wieder gegeben und Werder schon unter Florian Kohfeldt vieles mit ihm versucht hätte. Beide stießen damit die Tür für einen Abgang schon vor dem Saisonstart weit auf – was überrascht. Denn Johannes Eggestein, der in der U 17 vom TSV Havelse ins Bremer Internat wechselte, galt nicht nur jahrelang als größtes Talent im Verein. Bei seiner Leihe in der Vorsaison überzeugte er beim Linzer ASK in Österreich mit zwölf Toren und sieben Vorlagen in der Liga sowie sechs Treffern im Pokal derart, dass Stimmen laut wurden, den 23-Jährigen schneller nach Bremer zurückzuholen. Spätestens ab diesem Sommer sollte endlich der Durchbruch gelingen. Dass es ihm nun so an Akzeptanz fehlt, ist ein Rätsel.

Maximilian Eggestein

Ein ähnliches Rätsel ist auch der Fall seines Bruders Maximilian Eggestein, bei dem gleichwohl nicht sein Stellenwert im Verein oder beim Trainer Fragen aufwirft, sondern vielmehr seine Leistungen. Der 24-Jährige war auch beim Zweitliga-Auftakt ein Schatten seiner selbst, erhielt vom Fachmagazin „Kicker“ die Note 4,5. Eggestein lief als Sechser gewohnt viel, setzte aber keinerlei Akzente nach vorn und kam in den Zweikämpfen oft zu spät. Von seinen tiefen Läufen aus dem Mittelfeld in die Spitze, mit denen er sich einst in den Kreis der Nationalmannschaft gehievt hatte, ist schon lange nichts mehr zu sehen. Die Torgefahr ist komplett abhanden gekommen.

Wo liegt die Zukunft?

So ist der Verbleib in Bremen bei beiden Brüdern fraglicher denn je. Der eine (Johannes) soll weg, er könnte bei einem Marktwert von vier Millionen Euro zumindest noch eine solide Einnahme bringen. Der andere (Maximilian) will weg, hat seinen Berater gewechselt und hofft bis zum Transferschluss am 31. August auf ein Angebot eines Erstligisten oder aus dem Ausland. Er hat allerdings auch einen Marktwert von 7,5 Millionen Euro. Ob ein Verein in finanziell schwierigen Zeiten so eine Summe für einen Spieler außer Form auf den Tisch legt, bleibt vorerst auch ein Rätsel.

Lars Blancke Redakteur / Sportredaktion
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