Berlin Wann und vor allem wie viele Fans dürfen bald in die Stadien und Hallen in Deutschland zurückehren? Diese Frage beschäftigt Sportbegeisterte, Clubs und Politiker gleichermaßen. Zwei Monate vor der geplanten Saisoneröffnung in der Fußball-Bundesliga sendet die Politik zunehmend starke Signale für eine Rückkehr der Fans und befeuert damit zugleich die Hoffnungen der anderen großen Ligen im Handball, Basketball und Eishockey.

Wie sieht es mit dem Verbot von Großevents aus?

Zwar gilt dieses noch bis Ende Oktober, doch Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) stellte Ausnahmen in Aussicht. „Wenn ein gutes Hygienekonzept vorliegt und Abstand zwischen den Besuchern gewährleistet ist, können Veranstaltungen stattfinden – auch mit einer größeren Zahl an Zuschauern“, sagte der 47-Jährige. Dies gelte sowohl für kulturelle Events wie Oper, Theater und Konzerte als auch für den Sport. Die Bundesliga und die 2. Bundesliga starten am 18. September in die Spielzeit 2020/21. Eine Woche zuvor findet die erste Runde im DFB-Pokal statt. Sollten Fans dann live dabei sein dürfen, müsse ein zu großes Gedränge aber noch vermieden werden, schränkte Braun ein. „Die Stadien werden also nicht ausverkauft sein können und das muss gut organisiert und kontrolliert werden“, sagte er. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hatte am vergangenen Mittwoch einen Leitfaden an die 36 Profivereine verschickt. Dieser soll aber nicht nur den Erst- und Zweitligisten bei der Erarbeitung standort-individueller Konzepte helfen, sondern auch das Vorgehen in der 3. Liga, im DFB-Pokal, bei der Nationalmannschaft und in der Frauen-Bundesliga regeln.

Wie sieht dieser Leitfaden der DFL aus?

„Der Leitfaden dient als Orientierung für die Grundstruktur der zu erstellenden Konzepte und beinhaltet zahlreiche zu berücksichtigende Aspekte“, teilte die DFL mit. Das Bundesgesundheitsministerium urteilte nach der Prüfung, es seien „wesentliche Aspekte des Infektionsschutzes“ berücksichtigt worden. Neben den Regelungen für die An- und Abreise und das Verhalten in den Arenen geht es unter anderem auch um die Bestimmung der „realisierbaren Gesamtkapazität“ in den einzelnen Bundesligastadien. So dürften nach Informationen des „Kicker“ gemäß des DFL-Plans vorerst maximal 29 230 Zuschauer die Heimspiele von Rekordmeister Bayern München (Kapazität: 70 305 Zuschauer) besuchen. Bei Werder Bremen dürften gemäß der DFL-Pläne bis zu 17 075 Anhänger die Heimpartien verfolgen (42 100). Hertha BSC (81 293) könnte sogar bis zu 37 238 Fans Einlass gewähren – und wäre somit Zuschauerkrösus. Der Stadtrivale 1. FC Union Berlin (22 012) dürfte höchstens 4108 Fans ins Stadion an der Alten Försterei lassen und steht damit ganz am Ende der Tabelle.

Welche Einschränkungen wird es geben?

Wer letztlich in den Genuss des seit Mitte März wegen der Coronavirus-Pandemie untersagten Stadionerlebnisses kommt, entscheiden die Vereine. Sie müssen zuvor ihr individuelles Konzept von den Behörden vor Ort absegnen lassen – so wie RB Leipzig dies unlängst bereits erfolgreich getan hat. Die Sachsen erhielten Anfang Juli bereits vom Gesundheitsamt der Stadt grünes Licht für die Rückkehr der Zuschauer. Dennoch werden sich die Fans weiter auf Einschränkungen einstellen müssen. Es gibt keine Stehplätze und kein Bier, es muss der Mindestabstand eingehalten und eine Atemmaske getragen werden. Die DFL rät zudem von der Öffnung der Tageskassen ab – Eintrittskarten sollten zunächst nur online verkauft werden. Noch umfangreicher ist das gemeinsam erarbeitete Konzept der Hallensportarten Handball, Basketball und Eishockey, wo die Vereine die Ticketeinnahmen noch viel dringender benötigen als im Fußball und der Saisonstart deshalb in den Herbst verschoben wurde. „Wir brauchen Zuschauer“, sagte Franz Reindl, Präsident des Deutschen Eishockey-Bunds (DEB), jüngst. Die Hoffnung darauf ist nun wieder ein bisschen größer geworden.

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