Barsinghausen Lässig mit grauer Strickjacke und einem alten Bekannten im Windschatten traf Thomas Schaaf am Sonntagmittag im Sporthotel Fuchsbachtal in Barsinghausen ein. Er, die Clublegende, der Double-Trainer von 2004, soll das schaffen, was die Entscheider von Werder Bremen nun Florian Kohfeldt nicht mehr zugetraut haben: Den Club vor dem zweiten Abstieg der Vereinsgeschichte retten. Acht Jahre und einen Tag nach dem Ende seiner fast 14-jährigen Ära ist Schaaf (60) wieder Trainer des Fußball-Bundesligisten und hat sich in Wolfgang Rolff (von 2004 bis 2013 Schaafs Co-Trainer; arbeitete bis November 2020 als Trainer von Laval United in den Vereinigten Arabischen Emiraten) einen alten Bekannten als Helfer hinzugeholt.

Kohfeldt-Aus über Nacht

Nach dem 0:2 am Samstag beim FC Augsburg ging alles ganz schnell. Am späten Samstagabend vermied Sportchef Frank Baumann im ZDF-Sportstudio ein Bekenntnis zu Kohfeldt, um kurz vor Mitternacht soll er ihn bereits über sein Aus nach dreieinhalb Jahren als Cheftrainer informiert haben. Als Schaaf in Barsinghausen, wo die Grün-Weißen derzeit ihr Quarantäne-Trainingslager absolvieren, ankam, war Kohfeldt längst weg. Acht Niederlagen und ein Remis, der Absturz auf Platz 16 und der abermals schwache Auftritt trotz langer Überzahl in Augsburg sorgten für sein Aus.

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Das sagt Frank Baumann

„Leider hatten wir nach dem Spiel in Augsburg nicht mehr die Überzeugung, mit Florian den Klassenerhalt schaffen zu können“, sagte Baumann am Sonntag. Schon vor drei Wochen, nach dem 1:3 bei Union Berlin und der siebten Liga-Pleite in Folge, hatte er den Trainer infrage gestellt, ihm aber in Abstimmung mit dem Aufsichtsrat das Vertrauen ausgesprochen. Nun aber habe man den Eindruck gewonnen, „dass der Mannschaft der Glaube an diese Konstellation verloren gegangen ist.“ Obwohl der Zeitpunkt vor dem letzten Spieltag am Samstag (15.30 Uhr) gegen Borussia Mönchengladbach ungewöhnlich ist, sprach Baumann davon, dass die Entscheidung nicht schnell getroffen worden sei. Man habe nach dem Union-Spiel gemeinsam mit Kohfeldt einen Neustart gewagt, es sei anders trainiert worden und es habe auch eine Reaktion im Team gegeben. Die „Ratlosigkeit auf dem Platz“ in Augsburg sei aber enttäuschend gewesen. Letztes Jahr sei der Glaube an Kohfeldt und die Mannschaft noch größer gewesen. „Der größte Effekt eines Trainerwechsels ist dann vorhanden, wenn der Glaube an die jetzige Konstellation am Boden ist“, erhofft sich Baumann nun den berühmten Impuls im Team. Der Vorsprung auf den auf dem direkten Abstiegsplatz stehenden 1. FC Köln, der gegen das abgestiegene Schalke 04 spielt, beträgt nur noch einen Punkt, der Rückstand auf Arminia Bielefeld auf Rang 15 ebenfalls nur einen Zähler.

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Thomas Schaaf redet am Montag

Schaaf selbst wird sich erst an diesem Montag zu seiner Rettungsmission äußern, die auf das Spiel gegen Gladbach und die möglichen beiden Relegationspartien begrenzt ist. „Thomas kann mit seiner Erfahrung und seiner Art und Weise für Begeisterung sorgen und den Spielern Selbstvertrauen vermitteln“, versicherte Baumann. Es sei wichtig, einen Trainer zu haben, der keine lange Eingewöhnung brauche. Schaaf war zuletzt als Technischer Direktor bei Werder tätig. Nach seiner Rettungsmission soll ein neuer Chefcoach kommen – und das anders als zuletzt nicht aus den eigenen Reihen. „Im eigenen Stall haben wir dieses Mal niemanden, von daher werden wir uns intensiv mit dem externen Trainermarkt beschäftigen“, sagte Baumann.

Lars Blancke Redakteur / Sportredaktion
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