Gesundheit
Vom Kinderwunsch zum Wunschkind

Ein Baby ist für viele die Krönung ihrer Beziehung. Doch nicht immer geht der Kinderwunsch in Erfüllung. Paare können sich helfen lassen – medizinisch und psychologisch.

Bild: Mascha Brichta
Zwei Striche bedeuten „schwanger“: Am aussagekräftigsten ist ein Schwangerschaftstest in der Regel morgens.Bild: Mascha Brichta
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München /Frankfurt Es gibt sie durchaus, die gesegneten Paare. Sie lassen die Verhütung weg – und schwupps, ist die Frau schwanger. Bei vielen aber dauert es, bis der Kinderwunsch in Erfüllung geht.

Ein Jahr sollten sich Paare Zeit geben, sagen Anne-Sophie Fleckenstein und Antje Mainka, Gynäkologinnen und Autorinnen des Buches „Endlich schwanger!“. „So banal es klingen mag – das Wichtigste ist, in dieser Zeit regelmäßig Sex zu haben“, sagt Fleckenstein. Entscheidend ist die Zeit um den Eisprung herum. Wann der stattfindet, hängt von der Länge des Zyklus ab. Im Schnitt ist er 28 Tage lang.

Ist das der Fall, bedeutet das: Ab dem zehnten Tag nach Beginn der Regelblutung sollte das Paar ungefähr jeden zweiten Tag miteinander schlafen. Der Eisprung findet irgendwann um den 14. Tag herum statt. Ab diesem Moment kann die Eizelle ungefähr 36 bis 72 Stunden lang befruchtet werden.

Den zweiten wichtigen Punkt haben viele Paare gar nicht auf dem Schirm, sagt Fleckenstein: ihren Lebensstil. „Wer schwanger werden möchte, der sollte sich gesund ernähren, an der frischen Luft Sport treiben und ein gesundes Gewicht halten.“ Außerdem trägt das allabendliche Gläschen Wein nicht unbedingt dazu bei, dass eine Eizelle befruchtet werden kann. Rauchen schadet sowieso. All das gilt ausdrücklich für beide Partner.

Hat es binnen eines Jahres nicht geklappt, lohnt sich ein Besuch beim Frauenarzt, sagt Fleckenstein. Er wird beispielsweise fragen, ob die Frau Vorerkrankungen hat oder schon einmal operiert wurde. Außerdem kann er den Hormonstatus überprüfen. Und er kann mittels Ultraschall nachsehen, ob und wann der Eisprung stattfindet. „Dafür muss die Frau etwa dreimal in einem Zyklus zum Frauenarzt gehen“, sagt Mainka. Allerdings übernimmt die Krankenkasse die Kosten für diese Untersuchungen in der Regel nicht.

Parallel kann der Mann ein Spermiogramm erstellen lassen. Er gibt eine Probe ab, ein Mediziner schaut dann unter dem Mikroskop, wie viele Spermien sich im Ejakulat befinden und wie schnell sie sich bewegen. Je nachdem, was sich bei den Untersuchungen herausstellt, können sich Paare für eine entsprechende Kinderwunschbehandlung entscheiden.

An diesem Punkt angekommen, haben die Betroffenen meist schon reichlich Nerven gelassen. Geht der Wunsch nach einem Kind vorerst nicht in Erfüllung, kann das für die Paare zur Zerreißprobe werden. „Es ist häufig schwer zu ertragen, dass andere Paare einfach so ein Kind bekommen können“, sagt Petra Thorn. Die Paar- und Familientherapeutin bietet ungewollt kinderlosen Paaren psychosoziale Beratung an und ist Vorsitzende des Beratungsnetzwerks Kinderwunsch Deutschland.

Beginnt der Kinderwunsch das eigene Leben zu beeinträchtigen, sei es sinnvoll, sich Hilfe zu suchen, sagt sie. „Das ist zum Beispiel der Fall, wenn ein Paar nur noch über das Thema Kind spricht, keine Freude mehr am Sex hat oder sich von Freunden abwendet, weil diese ein Kind bekommen haben.“

In der Beratung steht die Frage im Mittelpunkt, ob es eine Kinderwunschbehandlung geben soll oder nicht. Einige Paare entscheiden sich dagegen, sagt Thorn. „Dann kann zum Beispiel eine Adoption infrage kommen, in selteneren Fällen auch die Aufnahme eines Pflegekinds.“ Anderen Betroffenen gelinge es, ganz bewusst ein Leben ohne Kind zu führen.

Die Chancen durch eine künstliche Befruchtung schwanger zu werden, liegen bei Frauen unter 35 Jahres pro Zyklus bei ungefähr 30 Prozent, erklären die Gynäkologinnen Mainka und Fleckenstein. In höherem Alter sinken die Chancen rapide: Es gebe biologische Grenzen, die auch die moderne Kinderwunschmedizin nicht außer Kraft setzen kann, betont Ulrich Hilland, Vorsitzender des Bundesverbandes Reproduktionsmedizinischer Zentren.

Literatur:Anne-Sophie Fleckenstein, Antje Mainka: „Endlich schwanger. Alles über den Kinderwunsch und die Empfängnis“, Gräfe und Unzer Verlag, 256 S., 17,99 Euro.

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