Düsseldorf /Berlin Von jetzt auf gleich sind sie da: Bauchschmerzen, die mit der Zeit stärker werden. Um den Bauchnabel oder in der Magengegend herum geht es los, von dort wandern die Schmerzen in Richtung des rechten Unterbauchs. Dem Kind vergeht der Appetit, vielleicht bekommt es Fieber, erbricht sich oder es wirkt schlapp. Sehen Eltern solche Symptome, sollten sie ihr Kind bald zum Kinderarzt oder in eine Klinik fahren. Denn Auslöser solcher Beschwerden könnte eine Blinddarmentzündung sein.

So ganz korrekt ist die Bezeichnung eigentlich nicht. Nicht der Blinddarm entzündet sich, sondern sein kleiner Wurmfortsatz, die Appendix. Ärzte sprechen daher von einer Appendizitis, der Wurmfortsatzentzündung.

Wie genau es zu der Entzündung kommt, ist unklar. Oft sind es im Wurmfortsatz feststeckende Kotreste, dessen Bakterien sich vermehren und Entzündungen auslösen. Auch Darmparasiten können eine Appendizitis begünstigen.

Da Bauchschmerzen viele Ursachen haben können, ist es gar nicht so einfach, eine Appendizitis zu erkennen. „Wenn Betroffene nicht oder nur unter deutlichen Schmerzen in der Lage sind, das rechte Bein auszustrecken oder anzuheben oder damit zu hüpfen, dann ist eine Appendizitis sehr wahrscheinlich“, sagt der Düsseldorfer Kinder- und Jugendarzt Hermann Josef Kahl, Sprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte.

Für die Diagnose kommt neben der klinischen Untersuchung und der Kontrolle der Entzündungswerte im Blut auch eine Ultraschalluntersuchung infrage. „Eine akute Appendizitis kann so mit einer Wahrscheinlichkeit von 90 Prozent diagnostiziert werden“, sagt Prof. Bernd Tillig, Chefarzt der Klinik für Kinderchirurgie am Vivantes Klinikum Neukölln in Berlin.

Betroffene Kinder müssen nicht immer sofort operiert werden. Bei unkomplizierten Entzündungen des Wurmfortsatzes könnte man es oft auch erstmal mit Antibiotika versuchen, sagt Tillig. Ins Krankenhaus müssen sie trotzdem, denn die Antibiotika-Therapie sollte in den ersten drei Tagen als Infusion direkt ins Blut erfolgen. So wirken Antibiotika schneller. Außerdem können die Ärzte sofort reagieren, falls die Medikamente nicht die gewünschte Wirkung erzielen.

Eine Antibiotika-Therapie wird laut Tillig von Kinderchirurgen nur dann befürwortet, wenn möglichst sicher die Diagnose unkomplizierte Appendizitis gestellt wurde. Liegt eine schwere Entzündung vor, muss nach wie vor operiert werden. „Bei Bauchschmerzen, deren Ursachen unklar sind, sofort Antibiotika einzusetzen, ist absolut kon­traproduktiv und würde unzulässig das Risiko einer Resistenzentwicklung begünstigen“, sagt Tillig, der auch stellvertretender Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie ist.

Klinische Studien legen nahe, dass Antibiotika zur Behandlung einer Blinddarmentzündung bei Kindern effektiv und sicher sind – allerdings nicht bei allen Patienten und nicht unbedingt auf Dauer. „Der behandelnde Arzt muss immer im Einzelfall entscheiden, ob er Antibiotika verordnet oder operiert“, sagt Tillig.

Zeigt sich nach drei Tagen Antibiotikabehandlung im Ultraschall und in den Laborbefunden eine signifikante Besserung, dann kann das Kind die Einnahme der Antibiotika zu Hause fortsetzen. Ist die Entzündung nach wie vor vorhanden, dann muss der Wurmfortsatz raus.

„Die große Sorge ist, dass bei einem weiteren Abwarten der Blinddarm durchbrechen könnte“, erläutert Prof. Tim Niehues, Chefarzt des Zen­trums für Kinder- und Jugendmedizin am Helios Klinikum Krefeld.

Die Entfernung des Wurmfortsatzes erfolgt überwiegend mittels „Schlüssellochchirurgie“ (Laparoskopie). Über den Nabel wird eine kleine Kamera in den Bauch eingeführt. Mit zwei Instrumenten, die über kleine Schnitte in den Bauch gesteckt werden, entfernt der Chirurg dann den Wurmfortsatz.

NWZonline.de/gesundheit
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