Ofenerfeld Besonders beeindruckt hat Karin Janßen in all den Jahren jener 24. Dezember, an dem eine Frau aus Wiefelstede eine irakische Familie mit ins Heinrich-Kunst-Haus brachte. „Die Familie hat dann erzählt, warum sie vor Saddam Hussein geflüchtet war“, berichtet die Metjendorferin. Irgendwie passte dieser außergewöhnliche Besuch ins Bild: Schließlich öffnet das Haus in Ofenerfeld jeweils am 24. Dezember seine Türen für Menschen, die nicht allein sein wollen oder aber nicht zu Hause sein können.

Idee schon 1996

Seit gut 20 Jahren sind so auch Karin und Frerich Janßen und Dr. Dieter Thierfeld vom Verein Begegnungsstätte Heinrich Kunst Heiligabend nicht zu Hause, sondern organisieren und gestalten den Abend für die, die kommen wollen. „Sonst bietet hier ja niemand so etwas an“, begründet die 74-Jährige das Engagement der drei. Die Idee hatte Thierfeld schon im Jahr der Einweihung des Heinrich-Kunst-Hauses. Das war 1996. Im Ehepaar Janßen fand er die richtigen Mitstreiter.

Die werfen alljährlich an Heiligabend den Kamin im Heinrich-Kunst-Haus an, kochen Tee, bereiten alles für die abendlichen Bratäpfel vor und schmücken den Weihnachtsbaum, unter dem auch eine Weihnachtskrippe steht. Der Baum kam bis vor wenigen Jahren stets aus der Grundschule Metjendorf, die ihn mit Beginn der Weihnachtsferien nicht mehr benötigte. Lachend erinnert sich Dr. Dieter Thierfeld an das erste Mal, als der Baum geholt wurde – „mit Weihnachtsschmuck und allem Drum und Dran kam der auf einen Hänger und wurde quasi mit wehenden Fahnen nach Ofenerfeld gefahren.“

Tee zur Begrüßung

Wenn dann der Abend um 19 Uhr beginnt, dann werden die Gäste mit Tee begrüßt – die Aufgabe übernimmt stets Frerich Janßen. „Da können erst einmal alle ins Gespräch kommen“, sagt der 77-Jährige. Schließlich gibt es bei einigen Menschen schon Hemmschwellen, weiß auch Thierfeld. Er erinnert sich an eine Frau, die einmal ständig mit ihrem Fahrrad vor dem Haus hin und hergefahren war – und fast nicht hereingekommen wäre.

Warum die Menschen kommen, das wollen die Helfer gar nicht wissen. „Wir frage auch nicht“, sagt Thierfeld. Manchmal allerdings erzählen die Menschen doch – vom Verlust eines geliebten Menschen etwa. „Einmal hatten wir eine Familie dabei, die hatte einfach genau an Heiligabend einen Wasserschaden im eigenen Haus und konnte dort nicht feiern“, nennt Thierfeld einen ganz anderen Beweggrund. Gemeinsam verbringen stets rund 15 Personen diesen gemütlichen, zwanglosen Abend in Ofenerfeld und klönen, singen, hören Geschichten.

Zweimal Weihnachten

Dass sie Heiligabend nie zu Hause feiern, stört auch Karin und Frerich Janßen nicht. Beide laden ihre Familie bereits seit sieben Jahren schon vor Weihnachten ein – in den Harz. „In diesem Jahr werden wir 22 Leute sein“, sagt Karin Janßen: „So feiern wir zweimal Weihnachten.“

Heiligabend bestimmen stets die Gäste, wann Schluss ist im Heinrich-Kunst-Haus. Bis dann aufgeräumt ist, kann es schon mal 1.30 Uhr morgens werden, sagt Karin Janßen.

Die Weihnachtsgeschichte fehlt an keinem dieser besonderen Abende. Thierfeld wird sie auch in diesem Jahr aus seiner Bibel von 1610 vorlesen. „Und alle Kerzen im Haus werden an dem Abend mit dem Friedenslicht aus Bethlehem angezündet“, sagt der 75-Jährige.

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