Oldenburg /Hamburg Ein Mensch allein auf einem Boot – in Zeiten, in denen die Zahl der sozialen Kontakte radikal heruntergefahren werden muss, erscheint ein solches Szenario doch ideal. „Bei einer Solo-Weltumseglung ist das Boot einer der sichersten Plätze der Welt. Man gefährdet weder sich noch andere“, sagt der aus Oldenburg stammende Profisegler Boris Herrmann mit Blick auf sein großes Ziel, die für November angesetzte Regatta „Vendée Globe“. Doch auch, wenn die Teilnehmer während des Wettkampfs gänzlich allein sind, wäre die Regatta nicht ohne viele soziale Kontakte möglich. „In der Vorbereitung arbeitet man mit seinem Team zusammen“, sagt Herrmann: „Außerdem muss man während der Regatta bei einem Notfall eventuell einen Hafen anlaufen. Und da ist die Frage, ob das dann möglich wäre.“

Und so ist auch die härteste Regatta der Welt, bei der ab 8. November vom französischen Atlantikort Les Sables d’Olonne aus nonstop um den Erdball gesegelt werden soll, von der Ausbreitung des Coronavirus betroffen. Denn die Vorbereitung ist ins Stocken geraten. Herrmann hat sein Boot, die „Malizia“, an der französischen Atlantikküste liegen. Und eigentlich sollte sein Team noch an der 18,3 Meter langen Yacht tätig sein. „Derzeit sind keine Arbeiten mehr am Boot möglich“, berichtet Herrmann von seiner Wohnung in Hamburg aus: „In Frankreich herrscht eine Ausgangssperre, zudem ist der Hafen in Lorient gesperrt.“

Wann er selbst wieder dorthin reisen kann? Völlig offen. Wann die Arbeiten am Boot weitergehen? Völlig offen. „Ich hatte geplant, vor der Vendée Globe noch an zwei Transatlantik-Regatten teilzunehmen. Derzeit ist sehr fraglich, ob diese überhaupt stattfinden“, erzählt Herrmann. Zwar sei es durchaus möglich, auch ohne diese Regatten die Vendée Globe mitzusegeln. Herrmann: „Aber es wäre eben besser, vorher noch ordentlich Meilen zu sammeln.“ Er wäre der erste Deutsche, der an dem Wettbewerb teilnimmt. Dieser findet nur alle vier Jahre statt. Die Bestzeit, aufgestellt durch den Franzosen Armel Le Cléac’h bei der Austragung 2016/17. liegt bei 74 Tagen und drei Stunden.

Die Vorbereitung auf die Vendée Globe ist so vielfältig, dass der 38-Jährige trotz der derzeit eingeschränkten Bewegungsfreiheit genug andere Aufgaben hat. „Mit dem Thema Wetter kann man sich mehr als einen Monat beschäftigen. Ich schaue mir an, welche Winde und Bedingungen während der Regatta in den verschiedenen Klimazonen, durch die die Teilnehmer segeln, herrschen könnten“, sagt der Profisegler, der im Sommer 2019 mit seiner Yacht die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg in die USA gebracht hatte: „Und dann legt man eine sogenannte Wetterstrategie fest. Welchen Kurs kann ich also nehmen, wenn diese oder jene Winde herrschen? Das Thema Wetter und Winde ist bei so einer Regatta ein sehr wichtiges, das viel Vorbereitung erfordert.“

Daran, dass alle Vorbereitung umsonst gewesen sein könnte, mag Herrmann (noch) nicht denken. Eine Verschiebung oder gar komplette Absage ist vonseiten der Veranstalter derzeit keine Option. „Ich vermute, dass sich die Organisatoren an den Olympischen Spielen orientieren. Wenn diese verlegt werden, halte ich es für möglich, dass auch die Vendée Globe verschoben wird“, sagt Herrmann. Das Internationale Olympische Komitee hält in diesen Tagen trotz des größer werdenden Drucks an der Ausrichtung der Sommerspiele in Tokio vom 24. Juli bis 9. August fest.

Hauke Richters Leitung / Sportredaktion
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.