Hundsmühlen „Das muss alles picobello sein. Sonst will hier niemand einkehren. Vorsicht, Kopf einziehen.“ Sein wirres Lockenhaupt gebeugt, stapft Volker Moritz durch die Dunkelheit.

Schemenhaft, nachdem sich das Auge an die Finsternis gewöhnt hat, tauchen hinter und über dem Diplom-Biologen Steinklötze auf. „Hier wird geschlafen“, er klopft mit der flachen Hand auf einen der Betonquadrate und erntet andächtiges Staunen. Nicht von den künftigen Übernachtungsgästen, sondern den Vermietern – die dicht gedrängt auf wenigen Quadratmetern – das neue Fledermausquartier der Gemeinde einweihen wollen: Zu einem kurzen Besuch in dem alten Bunker aus Zeiten des zweiten Weltkriegs, der künftig den tierischen Nachtschwärmern Obhut bieten soll, haben sich am Donnerstagvormittag neben dem stellvertretenden Bürgermeister Detlef Sonnenberg Vertreter des Ortsvereins Tungeln und Hundsmühlen, des Hundsmühler Turnvereins und des Sportvereins Hundsmühlen ebenso eingefunden, wie Vorstandsmitglieder des Oldenburger Naturschutzbundes (Nabu) und der Nabu-Stiftung Oldenburgisches Naturerbe, die das Artenschutzprojekt zu unterschiedlichen Teilen finanziert haben. Nicht fehlen durften dabei auch die Besitzer der beiden renovierten Bunker, die die leerstehenden Rondelle zur Verfügung gestellt haben. Artgerecht wohnlich gemacht hat die Fledermausunterkunft eine Firma aus Hude.

Allzu lange wollte sich zur Eröffnung aber keiner der Förderer in der kühlen Betonenge aufhalten. Weniger aus Platzangst, als mehr aus Rücksicht: „Wenn’s hier nicht sauber und ungestört ist, kommen die Tiere nicht“, sagt Fledermausexperte Volker Moritz, der die kreiseigenen Quartiere des Oldenburger Landes betreut. Davon gibt es zu seiner Freude mittlerweile einige. Denn Fledermäuse bevorzugen Höhlen – Bäume, Dachstühle, Gemäuer – zum Ruhen. Was sie im Winter und zu warmen Zeiten nachts machen. Vornehmlich im Rudel, wie der Biologe erklärt. „Hier passt ein zwanzigköpfiger Junggesellentrupp rein“, sagt er und breitet die Arme im Bunker aus. „Und wie finden die hier rein?“, fragt Detlef Sonnenberg, der noch so grade eben dem Ellenbogen des Tierfreundes ausweichen kann. „Ultraschall“, antwortet der 61-Jährige. „Damit erkennen die Tagschläfer Höhlungen. Wenn sie einen sicheren Ort gefunden haben, spricht sich das rum. Da sind Fledermäuse sozial“, sagt er.

Und multilingual: denn die Winterquartiere bieten auch französischen Arten auf ihrer Durchreise Gelegenheit zum Ausruhen. Damit sich heimatliche und touristische Tiere wohl fühlen, wurden sogar die Spinnennetze vor dem briefkastenschlitzgroßem Fenster entfernt. „Sonst bleiben die an den Flügeln hängen“, sagt Volker Moritz und wackelt mit seinem Daumen: „So klein sind die.“

Die ausgewachsenen Menschen verlassen den Bunker durch die neueingebaute Metalltür. So bald werden sie nicht wiederkommen. Der Biologe schließt mehrmals ab. Außer ihm ist Jutta Weinemann im Besitz eines Schlüssels. Als Vorsitzende der Nabu-Stiftung und Fledermausfreundin hat sie das Gemeinschaftsprojekt mitinitiiert von Anfang an begleitet.

„Eigentlich müssten wir den Bunker jetzt mit einer Sektflasche taufen“, sagt Nabu-Mitarbeiter Bernd Ziesmer und schüttelt den Kopf, „hier soll’s sauber bleiben.“ Darin sind sich alle Beteiligten einig. Jetzt fehlen nur noch die Schlafgäste. Dann ist alles: picobello.

Lea von Deylen Redakteurin / Redaktion Oldenburg
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