Wangerooge Die Insel Wangerooge ist seit dem massiven Wintereinbruch vom Festland abgeschnitten, Obst und Gemüse sind knapp geworden. Dennoch sei die Stimmung auf der Insel „sehr entspannt“, Entspannung beim Wetter sei für die kommende Woche zu erwarten, sagte Inselbürgermeister Marcel Fangohr. Gute Seiten gewinnt er sogar dem Corona-Lockdown ab.

Frage: Wie ist die Lage auf der Insel?

Antwort: Die Fähren und der Frachtverkehr sind eingestellt, das ist seit Montag so. Das liegt einmal am Ostwind, der das Wasser aus der Fahrrinne drückt, und am Eisgang, der sich nachträglich gebildet hat, so dass keine Schiffe fahren können. Lebensmittel, besonders im Frischebereich, werden langsam knapp - das betrifft zum Großteil Obst und Gemüse, aber auch Milch und Eier werden irgendwann knapp. Auf jeden Fall Obst und Gemüse, da haben wir leere grüne Kisten. Aber die Lebensmittelmärkte sorgen vor, indem sie die Ware einfliegen lassen.

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Frage: Welche Folgen gibt es noch?

Marcel Fangohr, Bürgermeister von Wangerooge

Antwort: Der Ausfall der Fähren betrifft auch die Ärzteversorgung. Viele von der Bevölkerung fahren ans Festland zum Facharzt. Wenn die Fähren ausfallen, können natürlich monatelang geplante Facharzttermine nicht mehr wahrgenommen werden. Am Montag hätten viele einen Facharzttermin gehabt. Ein Teil kann es sich natürlich leisten, mit dem Flieger ans Festland zu fliegen. Es gibt aber auch Menschen, die sich einen Flug nicht leisten können. Für die ist es sehr ärgerlich. Das ist aber nicht nur jetzt so, sondern es kommt häufiger vor, dass wir vom Festland abgeschnitten sind - bei Nebel oder wenn die Wolkendecke sehr dicht und tief ist. Dann ist man eben auch mal wirklich ein, zwei Tage komplett von der Außenwelt abgeschottet.

Frage: Wirkliche Engpässe, auch bei Lebensmitteln, befürchten Sie aber nicht?

Antwort: Derzeit befürchten wir keine großen Engpässe. Wenn das natürlich länger anhalten sollte, dann führt das wirklich dazu, dass irgendwann auch andere Lebensmittel knapp werden könnten. Zum Glück sieht aber die Wetterlage derzeit so aus, dass nächste Woche wieder Entspannung kommt - mit Temperaturen bis plus acht Grad, das sollte ausreichen. Und wir haben dann entweder Südwind oder Westwind. Bei Ostwind führt die Deutsche Bucht weniger Wasser, weil das Wasser dann sozusagen aus der Deutschen Bucht herausgedrückt wird.

Frage: Wie ist die Stimmung der Inselbewohner?

Antwort: Wir sind es hier auf der Insel schon ein bisschen gewohnt, wir haben alle fünf bis sechs Jahre mal den Fall, dass die Insel für mehrere Tage vom Festland abgeschnitten ist. Dass wir das über einen längeren Zeitraum über sieben Tage oder zwei Wochen haben, das kommt höchstens alle 15 Jahre vor. Es ist natürlich ärgerlich, aber derzeit ist die Lage hier auf der Insel sehr entspannt.

Frage: Welche Rolle spielt bei allem die Corona-Pandemie?

Antwort: Man kann sagen, dass Corona derzeit wirklich ein Vorteil ist. Man muss dem auch mal was Positives abgewinnen. Normalerweise hätten wir jetzt die ganzen Karnevalsflüchtlinge auf der Insel. Das heißt, dann hätten wir hier nicht nur 1300 Menschen auf der Insel, sondern vielleicht sogar 2500, 3000 oder 3500. Dann hat das natürlich ganz andere Auswirkungen. Denn dann würden möglicherweise bestimmte Lebensmittel doch schneller knapp. Aber in diesem Jahr ist das nicht der Fall, da ist uns tatsächlich der Lockdown ein bisschen entgegengekommen.

Frage: Positives über den Lockdown zu hören, ist eher selten ...

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Antwort: Ich kann auch etwas Positives über den Ostwind sagen. Der Vorteil des Ostwindes ist, dass der Sand sogar an unserem Hauptstrand immer mehr wird. Im Normalfall haben wir zu dieser Jahreszeit eher Nordwestwind, der dazu führt, dass unser Strand weggespült wird. Zur Zeit sieht das sehr gut aus, wir müssen optimistisch bleiben, dass in den nächsten zwei Wochen auch keine Sturmfluten kommen. Dann bräuchten wir in diesem Jahr mal nicht Sand an unserem Hauptstrand auffahren. Wir haben mehr Sand am Strand als letztes Jahr im Sommer. Das liegt einfach daran, dass bei Ostwind wirklich sehr viel Sand in Richtung Westen gespült und natürlich geweht wird. Aber in zwei Wochen könnte ich auch wieder genau das Gegenteil sagen. Man steckt da nicht drin.

Zur Person: Marcel Fangohr (39, parteilos) ist Bürgermeister und Kurdirektor der Gemeinde Wangerooge. Zuvor arbeitete er unter anderem in der Bundesverwaltung und beim Land Niedersachsen.

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