Oldenburg Die Geschichte ist schon wieder zu schön, um wahr zu sein. In den Hauptrollen ein Hausmeister, ein Hoffnungsträger und ein altes Papierfoto. Als Happy End ist die wirtschaftliche Rettung des Handball-Bundesligisten VfL Oldenburg vorgesehen.

Der Mann, der dazu die entscheidenden Impulse beitragen soll, ist kein Geringerer als der frühere UN-Sonderberater Sport und langjährige Werder-Manager Willi Lemke. Der Hoffnungsträger. Und der 70-jährige Bremer enttäuschte seine Zuhörer nicht. „Ich will dem VfL Oldenburg helfen. Ich verspreche nicht, dass mir das gelingt. Ich verspreche aber, dass ich mir ganz, ganz große Mühe geben werde“, betonte Lemke, bis Dezember noch Aufsichtsratsmitglied bei Werder Bremen, bei seiner Vorstellung als neuer VfL-Berater beim Neujahresempfang des Europapokalteilnehmers am Mittwochabend in der Oldenburger LzO-Zentrale.

Dazu wählte Lemke sehr emotionale und launige Worte und verbreitete mit seiner Antrittsrede bei den 150 Gästen eine Aufbruchstimmung. „Sie können sich jetzt alle auf Hausbesuche einstellen. Ich werde in den kommenden Wochen mit jedem Sponsor Gespräche führen. Ich appelliere an alle: Wir müssen hier gemeinsam etwas bewegen.“

Wie aber nun kommt ein weitgereister Topfunktionär dazu, ausgerechnet einem Frauenhandball-Bundesligisten zukünftig mit Rat und Tat zur Seite stehen zu wollen? Bei der Antwort auf diese Frage kommt der Hausmeister ins Spiel. Jens Krey, das „Mädchen für alles“ im VfL, hatte zufällig ein Interview mit Willi Lemke im Radio verfolgt und aus den Worten der Bremer Manager-Legende herausgehört, dass dieser sich seit seinem Ausstieg bei Werder Ende des Jahres nicht ausgelastet fühlt.

Krey informierte den VfL-Bundesliga-Geschäftsführer Peter Görgen. Eine verrückte Idee entstand. Fragen kostet ja nichts, dachten sich die beiden. Görgen wiederum besprach sich mit seinem Cheftrainer Leszek Krowicki. Letzterer war gleich Feuer und Flamme, erinnerte sich an gemeinsame Bremer Jahre mit Lemke. Der Manager war einst erfolgreich beim Fußball-Bundesligisten, Krowicki beim Handball-Bundesligisten TuS Walle. Genau, das alte Foto: Es zeigt Krowicki im Mai 1994 im Bremer Rathaus Seite an Seite mit dem damaligen Werder-Präsidenten Franz Böhmert, Teamarzt Thomas Schulz (TuS Walle), Mario Basler, Willi Lemke, Dagmar Stelberg und dem früheren Bürgermeister Klaus Wedemeier. Fußballer und Handballer präsentieren ihre Trophäen. Werder gewann den DFB-Pokal, der TuS Walle den Europacup der Pokalsieger.

Kurzum, Krowicki rief Lemke an. Schnell war ein Termin in einem Bremer Hotel gefunden. Als Visitenkarte hatte Krowicki das alte Foto eingesteckt. Das Eis war gebrochen. Über zwei Stunden lang tauschten sich Görgen, Krowicki und Lemke intensiv über die Zukunftschancen des Frauenhandballs in Oldenburg aus. „Willi Lemke entwickelte sofort Ideen. So schnell hätte ich gar nicht mitschreiben können“, berichtet Görgen von dem Beginn der Zusammenarbeit.

Der Rest ist schnell erzählt. Lemke wurde am Mittwochabend im Kreise der Gönner, Sponsoren, Freunde und Spielerinnen des Clubs als neuer Berater offiziell der Öffentlichkeit präsentiert.

Der dreimalige deutsche Pokalsieger muss in den kommenden zwei Jahren den stufenweisen Ausstieg seines Hauptsponsors wirtschaftlich ausgleichen, wollen die Oldenburger auch über den Sommer 2018 hinaus Erstliga-Handball anbieten.

Der Energieversorger EWE reduziert bekanntlich sein finanzielles Engagement von derzeit 500 000 Euro am Saisonende um 150 000 Euro, bevor er die Unterstützung im Sommer 2018 nahezu gänzlich auf dann nur noch 50 000 Euro herunterfährt.

Otto-Ulrich Bals Autor
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