Oldenburg Handball-Bundesligist VfL Oldenburg öffnete sein Schmuckkästchen und mehr als 100 Gäste schauten gern hinein. Der Ort der offiziellen Saisoneröffnung, die Sporthalle Wechloy, war bewusst gewählt worden, trainieren doch dort tagtäglich die Leistungsteams des Frauen-Erstligisten. Aus dieser Talentschmiede erwuchs nicht zuletzt der jüngste Erfolg des letztjährigen Bundesliga-Neunten im deutschen Pokal im Mai.

Und um diese Teams drehte sich letztlich alles am Montagabend. Marketingleiter Christoph Richter und VfL-Aufsichtsratsmitglied Jens Staschen führten am Rande einer Trainingseinheit durch ein launiges Programm. So erfuhr das interessierte Publikum, was Kim Birke (30) als Kapitänin in ihrer wohl letzten Saison so alles noch außerhalb des Spielfelds zu leisten hat. Dass Torfrau Julia Renner (30) ihren Beruf als Lehrerin mitunter als viel anstrengender wahrnimmt als die täglichen Übungseinheiten. Oder dass die erst 18-jährige Lisa-Marie Fragge als „Küchenchefin“ dafür zu sorgen hat, dass die Mannschaft bei Auswärtsfahrten auch verpflegungstechnisch bestens ausgerüstet ist.

Auch das erfuhren die Freunde, Gönner und Sponsoren des dreimaligen Pokalsiegers: Renner zur Seite im Tor steht zukünftig in der Ex-Dortmunderin Annamaria Ferenczi (24) ein echtes Sprachgenie. Vier Sprachen beherrscht die junge Frau, die sich beim VfL schon eine Woche vor dem offiziellen Trainingsstart (15. Juli) in die Arbeit stürzte.

Diesen Ehrgeiz erhofft sich Peter Görgen, Geschäftsführer der VfL-Bundesliga GmbH, selbstredend von jeder Spielerin. Denn wieder einmal steht ein Neuanfang an, erneut musste der Club im Sommer auf wichtigen Positionen personelle Veränderungen vornehmen. „Ich möchte der sportlichen Führung nicht vorgreifen“, betonte Görgen, „aber in der neuen Spielzeit den sechsten Platz in der Tabelle erreichen zu wollen, halte ich persönlich für ein sehr ehrgeiziges Ziel.“

In der Tat: Vereine wie Bietigheim, Thüringer HC, Dortmund, Metzingen und Leverkusen – allein schon wegen ihrer wirtschaftlichen Möglichkeiten – müssen stärker als der VfL eingeschätzt werden. Und auch Teams wie Buxtehude, Blomberg und Göppingen oder die neuen Halbstarken Neckarsulm und Nellingen richten ihre Blicke auf die vordere Tabellenhälfte.

„Wir haben eine gute Mannschaft, wenn dann alle fit sind und wir uns eingespielt haben“, sagte dann auch Cheftrainer Niels Bötel. Sein erstes Ziel ist es, erst einmal mit dem Tabellenende nichts zu tun zu haben. Eine Platzierung zwischen Rang sechs und acht sollte es am Ende dann aber schon sein.

Vorerst allerdings ist der Fokus von Bötel und Co-Trainer Andreas Lampe auf das Robert-Schumann-Turnier an diesem Wochenende (25./26. August) gerichtet. Die neue Spielmacherin Kristina Logvin (23) und Jane Martens (19) laborieren noch an den Folgen ihrer Schulterverletzungen. Isabelle Jongenelen (27) klagt nach dem jüngsten Testspielerfolg über Werder Bremen über Meniskusprobleme, ihr Einsatz ist zumindest fraglich.

Nationalspielerin Angie Geschke (33) wiederum fiel in der Vorbereitung eine Woche aus, während Neuverpflichtung Myrthe Schoenaker (26) wegen muskulärer Probleme erst seit 14 Tagen voll belastbar ist. „Das alles zusammen“, meinte Bötel, „führt dazu, dass uns bis dato etliche Einheiten zum Einspielen und zum Justieren der Abläufe fehlen.“

Gleichwohl wird Bötel nichts dagegen haben, wenn seine VfL-Frauen beim Wunderhorn-Turnier dann doch einmal die Trickkiste öffnen könnten.

Otto-Ulrich Bals
Redaktionsleitung
Sportredaktion

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