Rostock An diesem Samstag könnte für Phil Ofosu-Ayeh eine lange Leidenszeit zu Ende gehen. Wenn der Verteidiger an seinem 27. Geburtstag in der Drittliga-Partie zwischen seinem neuen Verein Hansa Rostock und 1860 München mitwirkt, wäre es für den Fußballprofi das erste Mal seit mehr als einem Jahr, dass er in einem Punktspiel der ersten Mannschaft seines Clubs zum Einsatz kommt.

„Ich will wieder Spielpraxis sammeln“, sagt der 26-Jährige, der in Wilhelmshaven aufwuchs und in der Jugend beim VfB Oldenburg spielte: „Dass das bei Hansa Rostock möglich ist, freut mich sehr. Der Verein hat sich intensiv um mich bemüht.“

Karriere begann in Wilhelmshaven

Geboren wurde Phil Ofosu-Ayeh in Moers (Nordrhein-Westfalen). Im Alter von zwei Jahren zog seine Familie mit ihm nach Wilhelmshaven. Er spielte in der Jugend des SV Wilhelmshaven und von 2007 bis 2009 in der Jugend des VfB Oldenburg. Ofosu-Ayeh war danach im Herrenbereich zunächst für den SV Wilhelmshaven aktiv. Über die Stationen Rot-Weiß Erfurt, MSV Duisburg und VfR Aalen kam er 2015 zu Eintracht Braunschweig. Die Wolverhampton Wanderers, bei denen er während der Leihe nach Rostock weiter unter Vertrag steht, sind als Aufsteiger in der Premier League nach vier Spieltagen Tabellenelfter.

In der Saison 2016/17 hatte Ofosu-Ayeh beim damaligen Zweitligisten Eintracht Braunschweig gespielt. Die Eintracht mischte oben mit und verpasste am Saisonende in den Relegationsspielen gegen den VfL Wolfsburg nur knapp den Aufstieg in die Bundesliga. Der englische Zweitligist Wolverhampton Wanderers wurde auf den im Saisonverlauf stark aufspielenden Ofosu-Ayeh aufmerksam, der Abwehrspieler wechselte daher im Sommer 2017 auf die Insel.

„In der zweiten Woche der Vorbereitung habe ich mich dann verletzt“, sagt der Sohn einer Deutschen und eines Ghanaers rückblickend: „Ich fiel acht Monate aus. Und als ich wieder fit war, brauchte ich drei Monate Training, um wieder den Stand der anderen Spieler zu erreichen. Und da war die Saison schon vorbei.“

Eine heftige Entzündung der Sehnen im Wadenbeinmuskel samt Operation verhinderte daher, dass Ofosu-Ayeh am Höhenflug von Wolverhampton beteiligt war. Die Mannschaft schloss die Zweitliga-Saison 2017/18 als Meister ab und stieg in die Premier League auf. Der Zugang aus Deutschland kam kurz vor Saisonende ein paarmal in der zweiten Mannschaft der Wanderers zum Einsatz, für die erste Mannschaft bestritt er aber kein einziges Punktspiel. „In diesem Sommer hat mir der Trainer dann gesagt, dass er für die Saison in der Premier League nicht mit mir plant“, sagt Ofosu-Ayeh: „Daher bin ich froh, dass ich jetzt in Rostock zeigen darf, was ich kann.“

Das Ende August ausgemachte Leihgeschäft mit Hansa läuft über ein Jahr. „Abgemacht ist, dass ich dann nach Wolverhampton zurückkehre. Vielleicht klappt es dann mit Einsätzen in der ersten Mannschaft. Vielleicht läuft es aber auch in Rostock so gut, dass ich bleibe – man wird sehen“, erklärt der Rechtsverteidiger. Sein Vertrag beim aktuellen Premier-League-Team läuft noch bis Mitte 2020.

Als verlorenes Jahr will Ofosu-Ayeh das England-Abenteuer nicht abtun. „In sportlicher Hinsicht war es natürlich katastrophal“, sagt er: „In jedem Fall war es eine wichtige Erfahrung. Es hat mir gezeigt, dass es nicht immer nur bergauf gehen kann.“

Einen solchen Weg bergauf war Ofosu-Ayeh in den Jahren zuvor gegangen. Im Herbst 2015, kurz nach seinem Wechsel vom VfR Aalen nach Braunschweig, wurde er in die ghanaische Nationalmannschaft berufen. In einem Testspiel gegen Kanada (1:1) wurde er eingewechselt und feierte somit sein Debüt. „Das war schon klasse“, erinnert er sich heute: „Ich wäre in den Monaten danach noch mehrmals eingeladen worden. Aber es kamen immer Verletzungen dazwischen.“ Derzeit sei das Thema Nationalmannschaft natürlich „sehr weit weg“. Sein Ziel sei es aber, so Ofosu-Ayeh, möglichst schnell wieder auf einem Niveau zu spielen, dass ihn für die Nationalmannschaft interessant mache: „Wenn dann wieder eine Einladung kommt, wäre es das i-Tüpfelchen.“

Sein Debüt für Hansa hat der Abwehrspieler bereits erfolgreich absolviert. Als die Rostocker am Wochenende in der zweiten Runde des Landespokals von Mecklenburg-Vorpommern mit 14:0 gegen die SG Warnow Papendorf gewannen, stand Ofosu-Ayeh 90 Minuten auf dem Platz.

Hauke Richters
Leitung
Sportredaktion

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