Regionalliga
Stadtderby wird zum Bruderduell

Am Sonntag steigt das Oldenburger Derby. Die Brüder trainieren mehrmals in der Woche zusammen und wollen sich den Traum vom Profifußball erfüllen.

Bild: Torsten von Reeken
Kämpfen im Stadtderby um den Ball: Efkan (links) und Okan ErdoganBild: Torsten von Reeken
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Oldenburg Ganz einig sind sich Efkan und Okan Erdogan nicht, wenn sie an diesen Sonntag, 15 Uhr, denken. „Es ist irgendwie ein witziges Gefühl“, sagt der eine, Efkan. „Bei mir ist es Vorfreude“, meint der andere, Okan. Beide lachen etwas verlegen, wissen nicht so richtig, wie sie das beschreiben sollen, was ihnen da bevorsteht – das erste Duell in einem Pflichtspiel der beiden Brüder, die aus Bremen stammen und in Oldenburg beim VfL (Efkan) und VfB (Okan) ihrem Traum vom Profifußball ein Stück näher kommen wollen.

Durch Vater zum Fußball

„Es ist ein besonderes Spiel für uns. Nicht nur, weil es ein Stadtderby ist und eine super Atmosphäre herrschen wird. Wir haben einfach noch nie gegeneinander gespielt“, erklärt Efkan, der mit seinem VfL den VfB im Hans-Prull-Stadion empfängt. Die Brüder gegeneinander? Das wird sicher auch eine Kopfsache werden. Denn wer die beiden zusammen erlebt, der merkt schnell: eigentlich passt da kein Ball zwischen die beiden Deutsch-Türken.

Im Bremer Viertel aufgewachsen kamen sie durch ihren Vater zum Fußball. „Er war Trainer beim BSC Hastedt und hat uns mitgenommen“, erzählen sie. Efkan war damals neun Jahre alt, Okan sieben. Durch den Altersunterschied kamen sie zwar in verschiedene Jugendteams, in Spielen oder Turnieren sah das jedoch anders aus. „Papa wollte Okan dabei haben, also hat er ihn öfters hochgezogen“, erzählt Efkan.

Im Fußball trennten sich die Wege der Brüder dann aber relativ schnell. Okan spielte von der U 9 bis zur U 12 beim SV Werder, später beim SC Weyhe, Blumenthaler SV und letztlich in der A-Jugend des JFV Nordwest. Seit dem Sommer vergangenen Jahres gehört er zum Regionalliga-Kader des VfB und dort in der Innenverteidigung mit erst 19 Jahren zum Stammpersonal.

Efkan wiederum verbrachte seine Jugend beim FC Oberneuland, „in einer ganz starken Mannschaft. Wir waren besser als Werder“, sagt er und erzählt, dass er beim FCO jahrelang mit dem heutigen A-Nationalspieler Julian Brandt (Bayer Leverkusen) zusammen kickte. „Nach der A-Jugend musste ich mich entscheiden, wie ernst ich weiter machen will. Viele Leute haben mich beeinflusst und dann habe ich mich leider erst einmal gegen den Fußball entschieden.“

Fortan spielte Efkan beim SC Borgfeld – Landesliga Bremen. „Aber ich habe dank meines Bruders schnell wieder Blut geleckt“, erzählt er. Okan nämlich spielte in dieser Zeit in der Junioren-Bundesliga, berichtete von tollen Anlagen und super Rasenplätzen: „Ich habe damals auf Schlacke gespielt. Da war mein Ehrgeiz wieder geweckt.“

Trainer Fossi als Faktor

Über die Oberligisten TB Uphusen und Heeslinger SC kam der inzwischen 21-jährige Efkan in diesem Sommer zum Regionalliga-Aufsteiger VfL. „Ich wollte den nächsten Schritt gehen. Mein früherer Trainer Benedetto Muzzicato (Uphusen) hat mir VfL-Coach Dario Fossi empfohlen. Da war mir klar: ich will zum VfL.“

Und so spielen die Bremer nun in Oldenburg. Beide fahren getrennt mit ihren Autos, die verschiedenen Trainingszeiten machen gemeinsame Touren unmöglich. Dennoch sind sie mehrmals pro Woche vereint. Dann, wenn sie gemeinsam auf einem Platz in Hemelingen trainieren, um sich als Fußballer weiter zu entwickeln. „Dreimal in der Woche treffen wir uns vormittags. Wir haben uns Bälle, Stangen und Hütchen gekauft, um richtig trainieren zu können. Wir setzen voll auf die Karte Fußball“, erzählen sie. Koordination, Schnelligkeit, Torschuss – alles wird trainiert. Dazu gehört auch, dass sie sich Videosequenzen angucken, wie sie sich in speziellen Spielsituationen verhalten haben, um es künftig besser zu machen.

An diesem Sonntag aber heißt es nun zum ersten Mal gegen- statt miteinander. VfLer Efkan fiel zwar zuletzt mit Fußproblemen aus, er glaube aber, am Donnerstag wieder voll trainieren zu können.

„Ich kenne ihn ja ein bisschen, ich weiß, was er macht und was auf mich zukommt“, sagt Okan schmunzelnd darauf angesprochen, dass er als VfB-Innenverteidiger sogar direkt auf den offensiven Mittelfeldspieler des VfL treffen könnte. Sein Bruder, sagt der „Blaue“, habe trotz seiner Größe (1,76 Meter) ein starkes Kopfballspiel, „sehr präzise. Efkan kommt über seine Dynamik sowie seinen guten Schuss“, meint Okan weiter – ein Kompliment, das der „Grün-Weiße“ natürlich nicht auf sich sitzen lassen kann. „Okan ist für mich der beste Innenverteidiger der Regionalliga. Seine Spieleröffnung, wie er mit dem Ball umgeht und seine Pässe in die Tiefe sind super“, sagt Efkan.

Unzufrieden mit Start

Zufrieden mit dem Saisonstart ihrer Teams sind die Brüder nicht. Der VfL steht als Aufsteiger mit fünf Punkten auf dem letzten Platz, verkaufte sich aber oft teuer. „Ich höre immer wieder, wir hätten keine Chance in der Regionalliga. Da ist die Motivation umso größer, es allen zu zeigen“, sagt Efkan. Gegen den VfB setze er auf den Heimvorteil mit dem eigenen Kunstrasen.

Okan, der mit dem VfB mit sieben Punkten aus sieben Partien „zu wenig Zähler für unsere Leistungen“ geholt hat, will indes Kampfansagen vorher vermeiden. „Das Spiel wird auf dem Platz entschieden. Wir wollen zeigen, dass wir die bessere Mannschaft sind. Wir sind erfahrener, und ich bin auch optimistisch, dass wir gewinnen werden.“

Der Traum vom Profifußball, der bereits ab der 3. Liga real wäre, ist für die Bremer Brüder in Oldenburg auf jeden Fall schon ein Stück näher gekommen. „Fußball ist momentan alles“, sagt Efkan, ohne dabei zu zögern. „Wir haben gemerkt: Es ist möglich“, meint auch Okan – da sind sich die Brüder dann wieder vollkommen einig.

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