Vechta Fehlende Lebenserfahrung oder der notwendige frische Wind im Rathaus? An politischer Erfahrung mangelt es Kristian Kater jedenfalls nicht. Seit nunmehr acht Jahren sitzt Kater für die SPD im Vechtaer Stadtrat. Der 36-jährige Diplom-Betriebswirt tritt bei der Bürgermeisterwahl am Sonntag (20. Oktober) in Vechta jedoch für ein überparteiliches Bürgerbündnis an. Neben der SPD unterstützt ihn auch die Wählergemeinschaft „Wir für Vechta“ (WfV) die FDP Vechta sowie die Grüne Jugend Vechta.

„Ich möchte, dass alle Kinder unserer Stadt eine so schöne Kindheit erleben wie ich“, sagt der als Büroleiter beim Vechtaer Reiseunternehmen Höffmann Reisen beschäftigte Kater. Für seine Bürgermeisterkandidatur zog sich der stellvertretende Bürgermeister und Vorsitzende der SPD/WfV-Stadtratsfraktion aus der Parteiarbeit zurück und legte seine Parteiämter, darunter auch den SPD-Vorsitz im Landkreis Vechta, nieder. „Der zukünftige Bürgermeister muss als erster Bürger der Stadt ein Bürgermeister für alle sein, daher gebe ich alle Parteiämter zurück, um mit voller Kraft das Amt des Bürgermeisters anzustreben“, begründete Kater sein Vorgehen.

Sein vergleichsweise junges Alter stellt für ihn kein Hindernis dar. „Wann ist schon der richtige Moment in die Politik zu gehen?“, so Kater. Wenn man überzeugt davon sei, es besser zu machen als andere, müsse man zwangsläufig auch kandidieren. „Jung zu sein, bietet zudem auch einige Vorteile“, glaubt Kater, der auch Mitglied des Kreistags ist.

Für Kater steht die Schaffung bezahlbaren Wohnraums in der wachsenden Universitätsstadt ganz oben auf der politischen Agenda. Staatlicher Wohnungsbau, etwa durch die Wohnungsbaugesellschaft Gewobau und langfristige Mietpreisbindung beim städtischen Verkauf von Grundstücken an Investoren, sollen Abhilfe schaffen. Er beabsichtigt, zukünftig eine Preisbindung für 20 bis 30 Jahre auszuhandeln. Üblich seien bisher zehn Jahre.

Auch die innerstädtische Verdichtung müsse weiter vorangetrieben werden. Bei allem Handlungsbedarf dürfe jedoch trotz veränderter Wohnverhältnisse nicht der „Südoldenburger Standortfaktor Eigenheim“ außer Acht gelassen werden. „Wir brauchen Flächen in Wohnbaugebieten, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Bei der Vergabe muss darauf geachtet werden, dass etwa zehn bis 20 Prozent der Grundstücke hierfür vorgehalten werden“, meint der langjährige Mitarbeiter im Wahlkreisbüro der ehemaligen Bundestagsabgeordneten Gabriele Groneberg.

Bei der Gestaltung des Neuen Markts steht Kater den Planungen eines potenziellen Investors, dort einen großflächigen Einzelhandel zu schaffen, aufgeschlossen gegenüber. Der zuletzt vorgestellten Größenordnung von rund 4000 Quadratmeter Ladenfläche könne er durchaus etwas abgewinnen. Den Europlatz möchte er beibehalten, und am Kaponier soll möglichst ein zusätzlicher Platz mit Wasserlauf geschaffen werden. Eine Tiefgarage unter dem Parkplatz am Neuen Markt sei dagegen aus statischen und finanziellen Gründen kaum zu realisieren.

Ausbauen möchte Kater auch den öffentlichen Nahverkehr. Der Stadtbus habe sich nach mehr als zehn Jahren etabliert und müsse um weitere Linien ergänzt und auch am Wochenende eingesetzt werden. Abschaffen möchte Kater außerdem die Straßenausbaubeiträge für Anlieger.

Die Diskussion um die mögliche Fusion des Lohner und des Vechtaer Krankenhauses empfindet Kater als zu „aufgekocht“. Schließlich sei dies ein sensibles, landkreisübergreifendes Thema, das vom Land und den Krankenhausträger entschieden wird und nicht vom zukünftigen Bürgermeister Vechtas. Er selbst befürworte eine Fusion und kann sich dafür auch den Ausbau der bisherigen Klinik in Vechta vorstellen. „Klar ist, dass wir zu einer Fusion kommen müssen. Welcher Standort und welches Modell dafür das Beste ist, muss demnächst entschieden werden.“

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