Vechta Zur Verabschiedung aus dem Museum im Zeughaus packte Axel Fahl-Dreger (63) einen Koffer. Behutsam legte er Gegenstände hinein, die er immer mit der Forschungs- und Museumsarbeit in Vechta verbinden wird. Der Leiter überreichte den Koffer schließlich symbolisch an seinen Nachfolger Kai Jansen. An seine Wegbegleiter, darunter viele Förderer und ehrenamtliche Helfer, appellierte Fahl-Dreger: „Vergessen Sie Ihre Geschichte nicht. Tun Sie dies auch in dem Bewusstsein, dass Sie eine Verantwortung für die Geschichte haben, damit die Menschen nicht in Vergessenheit geraten.“

Mit der offiziellen Verabschiedung in den Ruhestand endete für Fahl-Dreger fast ein Vierteljahrhundert „gewissenhafter, kreativer und aufklärender Forschungs- und Museumsarbeit“ in Vechta, wie Bürgermeister Helmut Gels sagte: „Dank dieser Arbeit und der Erforschung der Stadtgeschichte wissen viele Vechtaerinnen und Vechtaer sowie unsere Gäste heute sehr viel über die Entwicklung der Stadt in den vergangenen Jahrhunderten.“ Gels würdigte die großen Verdienste Fahl-Dregers um das Museum: „Von der Eröffnung im Jahr 1997 an haben Sie und Ihr Team die Menschen immer wieder mit vielen spannenden und ansprechenden Angeboten erreicht.“

Die beeindruckende Bilanz: In 21 Jahren sahen mehr als 700 000 Besucher mehr als 100 Ausstellungen und nahmen an gut 1000 Veranstaltungen teil. Die Besucherzahl stieg auf mittlerweile 50 000 pro Jahr. Rund 3000 Schulgruppen machten beim museumspädagogischen Angebot mit. Das abwechslungsreiche Programm des Museums haben viele Ehrenamtliche gemeinsam mit Fahl-Dreger immer weiterentwickelt und gestaltet. Dazu gehören feste Veranstaltungen wie die Burgmannentage und der Stadtgarten ebenso wie das längerfristig angelegte Projekt Castrum Vechtense, die Rekonstruktion der mittelalterlichen Burg Vechta.

Mit akribischer Forschungsarbeit gewann Fahl-Dreger auch viele Erkenntnisse über die Geschichte der Stadt und brachte etliche Publikationen darüber heraus. Christian Bitter, stellvertretender Vorsitzender des Vereins Freunde des Museums im Zeughaus, formulierte es so: „Ohne Axel würden wir nur so ungefähr wissen, wie die Burg einmal ausgesehen hat und über die Zitadelle fast gar nichts.“

Fahl-Dreger selbst beschrieb seine Philosophie so: „Museumsarbeit ist Akribie. Genauigkeit. Es ist der ständige Anspruch an sich selbst: Guck genau hin“, erklärte er. Fahl-Dreger dankte Gels, dass Rat und Verwaltung die Museums- und Forschungsarbeit unterstützt hätten.

Der Koffer trägt übrigens die Initialen „E.G.“ und wurde auf dem Dachboden einer Synagoge in Hamburg gefunden. Jener Synagoge, in welcher der von den Nazis vertriebene, aus Vechta stammende Jude Emanuel Gerson in den letzten Lebenstagen Zeit verbracht habe, berichtete Fahl-Dreger den Gästen der Feier.

Peter Linkert Redaktionsleitung Cloppenburg / Redaktion Münsterland
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