Vechta Die „Arbeitsstelle Rolf Dieter Brinkmann“ an der Universität Vechta hat mehr als 1000 Seiten mit handschriftlichen literarischen Texten und weiteren Materialien des Autors Rolf Dieter Brinkmann (1940 bis 75) aus der Zeit von 1957 bis 75 erworben. Mit dem Ankauf wird nun das Frühwerk Brinkmanns vollständig in Vechta zusammengeführt und präsentiert.

„Das ist ein Gewinn für die Stadt Vechta“, erklärten Bürgermeister Kristian Kater, Uwe Bartels, Vorsitzender der Universitätsgesellschaft, und Josef Kleier von der Bürgerstiftung Vechta am Freitag bei einem Pressetermin.

Das Konvolut stammt von Elisabeth Zöller, der Jugendfreundin des Schriftstellers. Die Osnabrückerin, die in Vechta die Liebfrauenschule besuchte und bei einer Theateraufführung Brinkmann kennenlernte, hatte einen Karton voller Texte und Briefe (auch Liebesbriefe) ihres Jugendfreundes trotz einiger Umzüge aufbewahrt und dem Literaturwissenschaftler Professor Dr. Markus Fauser von der Uni Vechta, der auch in Osnabrück wohnhaft ist, zur Verfügung gestellt. Die Kulturstiftung der Länder fördert den Ankauf anteilig mit rund 16 666 Euro.

„Rolf Dieter Brinkmann zählt zu den prägenden Schriftstellern der Nachkriegszeit“, so Professor Dr. Markus Hilgert, Generalsekretär der Kulturstiftung der Länder. Einige der mit der Sammlung Zöllner erworbenen Schriftstücke seien von Brinkmann bereits vor 1959 in Vechta verfasst worden. Diese Schriften aus dem Frühwerk des Autors stünden in direktem Bezug zu seiner Zeit in Vechta und der umliegenden Region. Sie seien daher von großem Wert für die Literaturlandschaft Niedersachsens. Alle handschriftlichen Texte des Konvoluts seien bislang unbekannt gewesen.

Neben den handschriftlichen literarischen Texten umfasst das Konvolut mehr als 100 Briefe und Postkarten sowie weitere Materialien. Darunter Notizen, Dramenentwürfe und Hörspiele sowie Widmungsexemplare seiner Bücher. Auf einigen Briefumschlägen und Postkarten finden sich auch Zeichnungen und Aquarelle des Autors. In den vergangenen Jahren konnte die „Arbeitsstelle Rolf Dieter Brinkmann“ bereits Zeugnisse seiner frühen Schaffensphase erwerben. Damit ist nun das gesamte Frühwerk in Vechta versammelt, das als Grundlage für eine geplante Biografie zu Brinkmann dient. Einige Arbeiten sollen künftig zudem in einer Dauerausstellung in Vechta präsentiert werden.

Der in Vechta aufgewachsene Rolf Dieter Brinkmann hatte 1960 erstmals Gedichte in Zeitungen und Zeitschriften veröffentlicht. Es folgten eigene Gedichtbände sowie Prosaarbeiten. Mit neuem lyrischen Stil – inspiriert durch amerikanische Pop- und Undergroundliteratur, die er zeitweise übersetzte und herausgab – gewann er vor allem jugendliche Leserinnen und Leser für sich. Weitere Veröffentlichungen in den Jahren 1967/68, zur Zeit der Studentenrevolte, machten ihn schließlich einer breiteren Öffentlichkeit bekannt.

Von 1957 bis zu seinem Tod 1975 pflegte er eine intensive Freundschaft zu Elisabeth Zöller (geborene Piefke). In dieser Zeit erhielt sie von ihm immer wieder Schriften und weitere Arbeiten, die zum angekauften Konvolut gehören. Noch kurz vor seinem tödlichen Unfall im April 1975 in London besuchte er die Familie Zöller im Februar/März 1975.

Brinkmann wäre in diesem Jahr 80 Jahre alt geworden. Die Stadt Vechta will am Datum des Geburtstages im April 2020 zu Ehren des Schriftstellers besondere Veranstaltungen anbieten.

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