Vechta Altkanzler Helmut Kohl habe ihn einst gefragt, woher er komme. „Aus dem Kreis Vechta“, antwortete der damalige Redakteur Dr. Thomas Bellut. „Die wählen doch alle die CDU – da ist bei dir aber nicht mehr viel übrig geblieben“, hatte Kohl damals gesagt. Was jedoch dem heutigen Generalintendanten des ZDF von seiner Heimat geblieben ist, das erzählte er am Freitag als Festredner im Gymnasium Antonianum. Hier feierten zahlreiche Gäste das 300-jährige Bestehen der Vechtaer Schule.

„Ich bin echt platt, wie lustig es hier ist – daran kann ich mich gar nicht mehr erinnern“, scherzte Bellut in seiner Festrede, die humoriger ausfiel, als so mancher geglaubt hatte. Bellut wuchs in Neuenkirchen-Vörden auf und machte 1974 sein Abitur am Gymnasium Antonianum in Vechta. Jeden Tag habe er mit einem Tross von Mitschülern aus dem Südkreis nach Vechta fahren müssen. Denn damals war das Antonianum noch das einzige staatliche Gymnasium im Kreis Vechta. Er habe viel mitgenommen, sagte Bellut vor zahlreichen Zuschauern, darunter Bürgermeister Helmut Gels, Weihbischof Wilfried Theising und die ehemaligen Schulleiter Peter Rörsch und Wolfgang Zapfe. Achtung, Respekt und natürlich Bildung – denn genau die schütze davor, zu einem zu schnellen Urteil zu kommen, so Bellut.

von der Lateinschule zum Vollgymnasium

Das Antonianum wurde am 5. Januar 1719 mit dem Vertrag zwischen dem Franziskanerorden und der Stadt Vechta von der seit 1640 bestehenden Lateinschule zum Vollgymnasium erhoben.

Als ältestes Gymnasium im Oldenburger Münsterland war das GAV Anlaufstelle für Schüler aus den Kreisen Vechta und Cloppenburg. Das ursprüngliche Gebäude der Schule stand direkt vor der Klosterkirche in Vechta. Mitte des 20. Jahrhundert wurde das heutige Gebäude an der Willohstraße gebaut.

Zahlreich waren die Besucher zur Feier zum Antonianum gekommen. So zahlreich, dass Schulleiterin Inge Wenzel, bevor sie auch nur die ersten Sätze ihrer Festrede sprechen konnte, zunächst einige Autofahrer zum Umparken ermutigen musste. „Der Bus kommt sonst nicht durch“, mahnte die Schulleiterin augenzwinkernd.

Ihr Dank kam kurze Zeit später dann auch nicht nur den umparkenden Besuchern zu, sondern vor allem den Gästen, Kollegen und auch ehemaligen Schulleitern, die das Antonianum über die Jahrzehnte begleitet haben. Dabei hätte das diesjährige Jubiläum eigentlich schon im Jahr 2014 stattfinden sollen, erzählte Wenzel. Damals habe aber der Geschichtslehrer Markus Instinksky herausgefunden, dass das Gymnasium nicht 1714 sondern erst 1719 gegründet wurde. Was damals einen ganzen Reigen von Jubiläumsvorbereitungen zum Einstürzen brachte, sieht Inge Wenzel heute mit Humor. Den Spagat zwischen Innovation und Tradition zu meistern, Werte zu erhalten und das gute Miteinander zu fördern, das mache das Antonianum auch noch heute aus, sagte Wenzel.

Grußworte kamen außerdem von Landrat Herbert Winkel, dem Schulelternratsvorsitzenden Prof. Dr. Gerald Eisenkopf, Oberstudienrat Christian Wendel, Dr. Elisabeth Hofmann als Vorsitzende des Fördervereins sowie von der Antoniuspreisträgerin und Schülervertreterin Massara Khidir. Für musikalische Unterhaltung zum Festakt sorgten das Vorblech und das Blech des Antonianums sowie die Jazz-Rockcombo „Fungafop blue“ – bestehend aus zahlreichen Schülern der unterschiedlichsten Klassen am Antonianum, die in einigen Jahren selbst ihr Abitur hier ablegen werden. So, wie vor 45 Jahren Dr. Thomas Bellut, der zum Abschied noch eine Geschichte aus seiner eigenen Schulzeit erzählte. „Bei meiner Abifeier fragte mein damaliger Lehrer mich, ob ich nicht auch noch zwei jüngere Brüder hätten und ob die auch noch zum GAV kommen würden. Nein, sagte ich und mein Lehrer entgegnete darauf nur ‚Dann gebe ich jetzt einen Sekt aus.’“

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