Vechta In Europa ist der Klimawandel erst seit wenigen Jahren Thema, in den bolivianischen Anden dagegen schon lange Alltag. Seit den 1970er Jahren ändere sich die Umwelt spürbar, erzählt Ricardo Crespo Torrico bei seinem Besuch im Bischöflich Münsterschen Offizialat Vechta. Die Regenzeiten würden immer kürzer und wenn das Wasser käme, dann immer öfter als Starkregen oder Hagel, der an den Hängen die Ernte vernichte und Felder zerstöre. Torrico weiß, wovon er spricht. Seit 35 Jahren setzt sich der 57-jährige Agrarökonom in Tapacari, 80 Kilometer westlich der Großstadt Cochabamba, im Auftrag der katholischen Kirche für nachhaltige Landwirtschaft ein. Die Bauern lehrt er alternative und ökologische Anbaumethoden.

Der Besuch von Torrico und der Katechetin Rosalie Choque in Schulen und Einrichtungen des Oldenburger Landes steht im Zeichen der diesjährigen Adveniataktion. Als Partner des Lateinamerika-Hilfswerks berichten sie in den Bistümern Essen, Münster und Dresden über ihre Erfahrungen. Der Adveniatsonntag am 1. Advent steht unter dem Motto „Friede! Mit Dir!“. Der Aktionsschwerpunkt liegt auf den Themen Einsatz für Gerechtigkeit, Umwelt- und Klimaschutz.

„Wir wollen mit unserer Arbeit den Hunger bekämpfen“, erklärt Torrico. Fast die Hälfte der Bolivianer lebt auf dem Land, fast jeder fünfte in absoluter Armut. Torrico bringt den Bauern bei, wie sie ihren kargen Boden mit Terrassenfeldern besser bewirtschaften, Wasserspeicher anlegen und Brachflächen wieder aufforsten können. Torrico möchte ein Bewusstsein dafür schaffen, was es heißt, „die Wunder von Mutter Erde zu schützen“. Seine Arbeit zeigt Erfolge. Auf ehemals kargen Hängen in einer Region, die lange vom Bergbau schwer belastet war, wachsen jetzt Äpfel, Kartoffeln, Mais, Gemüse und Bäume. Trotz aller Erfolge – in der ausreichenden Produktion von Lebensmitteln sieht er seine größte Herausforderung. Das wirke auch der Landflucht entgegen, weiß er.

„Wir müssen glauben an das, was wir tun. Wo es genug zu essen gibt, herrscht Frieden“, sagt Torrico. Als Mitglied des Seelsorgeteams seiner Pfarrei kümmert er sich vor allem um junge Erwachsene. Die katholische Kirche, der 78 Prozent der Bevölkerung Boliviens angehören, sei für diese Arbeit eine gute Adresse. Im 2016 abgeschlossenen Friedensprozess habe sie sich sehr viel Vertrauen in der Bevölkerung erworben.

Wie kirchliche Gemeindearbeit in einer dünn besiedelten Region aussieht, die zwischen 2700 und 4000 Metern Höhe liegt und sich auf 40 kleine Dorfgemeinschaften erstreckt, erzählt die 24-jährige Katechetin und Bäuerin Rosalie Choque. In viele Siedlungen käme nur zweimal im Jahr ein Priester. In ihrer Pfarrei ist es ein deutscher Priester, der akzentfrei Quechua, eine indigene Sprache, beherrscht. Die Basisarbeit liege bei den Katecheten. Taufen oder Eheschließungen müssten bis zu zentralen Glaubensfesten an Ostern, Pfingsten, Erntedank oder Weihnachten warten. Dann kämen viele Menschen von weit her zusammen, um ihren Glauben zu teilen, sagt Choque.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.