VECHTA VECHTA/EB/PL - „Brinkmanns Zorn“, so der Titel eines Films, der in Deutschland für Furore sorgen wird. Das jedenfalls prognostizieren die Macher um Regisseur Harald Bergmann. „Brinkmann“ ist kein geringerer als der 1940 in Vechta geborene Rolf Dieter Brinkmann, der in Fachkreisen als Dichter-Legende bezeichnet wird.

Brinkmann war nach dem Besuch des Gymnasiums in Vechta nach Essen und später nach Köln gegangen. Aus der Kölner Zeit stammt das Material für den Film, der ab heute in der Vechtaer „Schauburg“ zu sehen ist. Morgen Abend beginnt um 20 Uhr eine Vorstellung mit geladenen Gästen, zu der auch Bergmann und sein Hauptdarsteller Eckhard Rohde kommen. Bundesweit kommt der Film am 11. Januar in die Kinos.

Der Film beruhe auf dem medialen Nachlass Brinkmanns und sei das Außergewöhnlichste, was in den vergangenen Jahren im Kino gezeigt wurde, so der Filmverleih „Neue Visionen“ aus Berlin. Auf der Grundlage der 1973 aufgenommenen Original-Tonbänder sei ein „Meisterwerk an Authentizität, Präzision und Genauigkeit“ entstanden. „Brinkmanns Zorn“ porträtiere einen Dichter, der alles auf einmal begehrt – Liebe, Tod, Pop, Hass, Kunst. Der Film begleite Brinkmann auf dessen „medialen Streif- und sprachlichen Raubzügen durch die hassgeliebte Kölner Innenstadt“. Den Original-Tonband- und Super8-Aufnahmen Brinkmanns habe Regisseur Bergmann eine Welt hinzugefügt, die das sprachliche und soziale Universum Brinkmanns nachzeichne.

Während Brinkmanns grenzenlos-wütende und aufschäumend-leidenschaftliche Stimme über den Zuschauer hereinbreche, folge man den lippensynchron agierenden Schauspielern durch Köln. Bei Brinkmanns Stadtbeschimpfung müsse sich nicht nur der „faulig-gelbe Himmel“, sondern auch Gebäude und Straßen den Beschwerden des Dichters stellen. In „furiosen Wortkaskaden und lustvoller Verweigerung“ berausche sich der „wütende Flaneur“ am Alltagshass.

Bergmann wage einen nie da gewesenen filmischen Versuch, lasse Dokumentarfilm und Dichterbiographie verschmelzen und schaffe eine an Authentizität und faszinierender Perfektion kaum zu überbietende Literaturverfilmung.

Brinkmann starb am 23. April 1975 bei einem Autounfall in London.

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