Berlin /Vechta Mehr Tierwohl kostet jährlich drei bis fünf Milliarden Euro. Das rechnete Prof. Dr. Harald Grethe, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats für Agrarpolitik beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft in Berlin, in einem Pressegespräch des Agrar- und Ernährungsforums (AEF) in der Niedersächsischen Landesvertretung Berlin vor. Bisher würden jährlich nur rund 200 Millionen dafür ausgegeben. Der Handlungsbedarf zur Verbesserung des Tierwohls in der Nutztierhaltung sei nach wie vor erheblich. Grethe forderte eine Finanzierungs- und Steuerungsstrategie. Sonst seien die Herausforderungen nicht zu bewältigen.

Ein Jahr nach der bundesweiten Einstellung des Schnabelkürzens bei Legehennen und weiterer Maßnahmen zum Tierwohl haben Akteure der tierreichsten Region Deutschlands (Landkreise Vechta und Cloppenburg) in Berlin eine erste Bilanz gezogen. So seien zwar neue Produkte für eine ausreichende Beschäftigung und eine natürliche Abnutzung der Schnäbel entwickelt worden, sagte Dr. Ralf Kosch, Direktor Geflügelhaltungssysteme Europa bei Big Dutchman. Die Verkaufszahlen für Tierwohlprodukte bewegten sich gemessen am Entwicklungsaufwand aber noch auf einem sehr niedrigen Niveau. Untersuchungen zeigten, dass sich die Leistung der Tiere durch Tierwohlmaßnahmen nicht verschlechterten.

Bewegungsbuchten für Schweine

Über innovative Konzepte in der Schweinehaltung informierte Daniel Holling, Direktor Schweinehaltungssysteme in Europa bei Big Dutchman. Neben dem intakten Ringelschwanz ist die Bewegungsfreiheit für säugende Sauen eine weitere wichtige Forderung an die Tierhalter. Experten aus der Schweinebranche wissen, dass mehr Bewegungsmöglichkeiten für die Sau in den ersten Tagen nach der Abferkelung zu einer erhöhten Sterblichkeit der Ferkel führen kann. Ralf Meyer, Entwicklungsleiter bei WEDA, zeigte auf, wie es dennoch funktionieren könnte. Dazu stellte er unter anderem moderne Bewegungsbuchten vor.

So gebe es zum Beispiel automatisierte Spüleinrichtungen für Tränken, Geräte für die arttypische Wasseraufnahme sowie Wärmetauscher, die das Wohlbefinden der Tiere und die Tiergesundheit förderten.

Ähnlich wie beim Menschen können auch Lichtverhältnisse den Gesundheitsfaktor des Geflügels positiv beeinflussen. Insbesondere sei „Lichtflackerstress“ eine Ursache für mögliches Federpicken, berichtete Ulrich Wichmann von Fienhage Poultry Solutions.

Ein neues Projekt der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover und weiterer Partner aus Wissenschaft und Praxis unter dem Titel „Integhof – Geflügelhaltung neu strukturiert“ hat die Verbesserung des Tierwohls und der Tiergesundheit bei Lege- und Masthühnern zum Ziel. Prof. Dr. Silke Rautenschlein, Fachtierärztin für Geflügel und Mikrobiologie an der Tierärztlichen Hochschule Hannover, erläuterte, dass dieses durch die gemeinsame Haltung von Hahn, Junghenne und Legehenne auf einem Betrieb bei Einsatz eines Zweinutzungshuhns und eines neuen Haltungskonzepts erreicht werden soll. Durch einen interdisziplinären Forschungsansatz solle das „Integhof“-Konzept unter Berücksichtigung von tierbezogenen Parametern, Wünschen des Verbrauchers aber auch in Bezug auf die Machbarkeit im Betrieb getestet werden.

Die Region Oldenburger Münsterland, so AEF-Vorsitzender Uwe Bartels, sei Vordenker für die Herausforderungen der Branche und schon heute in der Lage, Komplettlösungen für die vorhandenen Zielkonflikte aufzuzeigen.

Peter Linkert Redaktionsleitung Cloppenburg / Redaktion Münsterland
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