VECHTA Gebratene Gambas an Reibekuchen aus frischen Kartoffeln mit Feldsalat, Radieschen und Knoblauchsauce, glasierter Wildschweinrücken an eigener Sauce, marmoriertes Schokoladen-Walnussparfait: Was sich wie ein Ausschnitt aus der Speisekarte eines Spitzenrestaurants liest, entsteht hinter vergitterten Fenstern. In der seit 1986 bestehenden Lehrküche der Vechtaer Justizvollzugsanstalt (JVA) für Frauen bildet „Chef“ Gerhard Siemers Umschüler zu Köchen aus. 120 von ihnen haben bereits das Haus mit einem Gesellenbrief der Industrie- und Handelskammer (IHK) Oldenburg in der Tasche verlassen.

Die zweijährige Lehrzeit unter Siemers Regie hat ihnen ebenso wie zahlreichen Frauen und Männern, die nach sechs Monaten ein Küchenhelfer-Zertifikat erwarben, zum überwiegenden Teil den Weg auf den ersten Arbeitsmarkt geebnet. Die „Eingliederungsquote“ liegt im Durchschnitt bei 70 Prozent und mehr. Zu diesem Ergebnis trägt sicher auch ein jeweils drei Monate dauerndes Praktikum bei. Das absolvieren die angehenden Herrscher über Töpfe und Pfannen außerhalb der JVA. Oft ergeben sich so auch bereits Perspektiven für eine spätere Anstellung

Eine Besonderheit dieser von der Agentur für Arbeit (AA) finanzierten und auf 20 Teilnehmer pro Durchgang begrenzten Maßnahmen in Trägerschaft des Lohner Ludgerus-Werkes und der Kreisvolkshochschule ist, dass sowohl Inhaftierte als auch Frauen und Männer von „draußen“ daran teilnehmen. Realitätsnähe in der Ausbildung bewirkt zudem die Funktion der Lehrküche als Kantine, beispielsweise für das Personal der Vechtaer Haftanstalten, und zahlreiche Bedienstete der umliegenden Ämter. Das bedeutet beispielsweise ein tägliches „Stoßzeitengeschäft“ – eben wie in einem richtigen Speiserestaurant.

Derzeit erlernen 13 Umschüler, die nicht nur aus dem Kreis Vechta oder aus der JVA kommen, den Beruf des Kochs. Zwei Frauen gehen am Mittwoch, 23. Januar, in die Prüfung. Fünf weitere Teilnehmer streben das Zertifikat der beiden Bildungsträger an.

Mehr Informationen auch unter www.ludgerus-werk.de

www.kvhs-vechta.de

Christoph Floren Cloppenburg / Redaktion Münsterland
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