Goldenstedt Nach Bekanntwerden eines Listerien-Verdachts in Fertig-Frikadellen steht die Produktion in der betroffenen Fleischfirma in Goldenstedt im Kreis Vechta still. Auch der Standort im oldenburgischen Essen wird kontrolliert.

Das Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit in Niedersachsen ordnete das Ruhen der Zulassung für den betroffenen Betrieb an. Dort wurden Listerien nachgewiesen. Noch ist unklar, wie die Erreger in den Betrieb gelangt sind. Am Wochenende wurde unabhängig davon bekannt, dass es in Deutschland einen mittelschweren Listerioseausbruch mit 13 Erkrankten und zwei Toten seit 2017 gibt.

In Niedersachsen hatte die Firma Fleisch-Krone-Feinkost GmbH am Freitagabend abgepackte Fertig-Frikadellen zurückgerufen. Vom Verzehr der Produkte werde dringend abgeraten, hieß es. Um wie viele Packungen genau es sich handelt, konnte ein Vertreter der Firma auch am Sonntag nicht sagen.

Die Lebensmittelkontrolleure untersuchen nun auch einen weiteren Betrieb des Unternehmens. Am Montagvormittag seien Mitarbeiter des Landkreises für Kontrollen an den Unternehmenssitz im oldenburgischen Essen gefahren, sagte ein Sprecher des Kreises Cloppenburg. Erste Ergebnisse sollen gegen Mittag veröffentlicht werden.

Der Listerienfall ist bei einer Routinekontrolle der Behörden aufgefallen. Der Kreis und das Landesamt für Verbraucherschutz entdeckten die mit den Bakterien belasteten Rückstellproben am Freitag bei einem Besuch, bei dem die Zulassungsvoraussetzungen für das Unternehmen überprüft werden sollten. Das sagte der Sprecher des Landkreises Vechta, Jochen Steinkamp, am Montag. Die Produktion in dem Betrieb ruht derzeit. Der Kreis sei dabei, den Rückruf der belasteten Fleisch-Frikadellen zu überprüfen, sagte der Kreissprecher.Die Fleisch-Krone Feinkost GmbH hatte Frikadellen wegen des Verdachts auf Listerien zurückgerufen und erklärt, Grund für den Rückruf seien Ergebnisse eigener Kontrollen gewesen.

Betroffen sind „ja! Frikadellenbällchen“ (500 Gramm-Packung) mit den Mindesthaltbarkeitsdaten 05.11.2019 und 20.11.2019, die bei Rewe verkauft werden und die in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen ausgeliefert wurden. Außerdem betroffen sind die Artikel „Gut Bartenhof Frikadelle Klassik“ und „Gut Bartenhof Frikadellenbällchen“ mit den Chargen-Nummern 97812 und 97813 und dem Mindesthaltbarkeitsdatum 05.11.2019. Die Ware mit der Bezeichnung „Gut Bartenhof“ sei an die Filialen der Niederlassungen in Aichach (Bayern), Rossau (Sachsen), Ahrensfelde (Brandenburg), Dettingen (Baden-Württemberg), Rheinböllen (Rheinland-Pfalz) und Kerpen (Nordrhein-Westfalen) geliefert worden.

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Listerien (Listeria monocytogenes) sind in der Natur vorkommende Bakterien, sie können der Auslöser für Listeriose sein - daran erkranken aber nur wenige Menschen. Bei gesunden Erwachsenen verläuft die Infektionskrankheit meist unauffällig oder nimmt einen harmlosen Verlauf mit grippeähnlichen Symptomen. Gefährlich ist die Infektion für abwehrgeschwächte Menschen und Schwangere.

Der Gesamtbetriebsleiter für Produktion der Firma Fleisch-Krone-Feinkost GmbH, Thomas Rolf, sagte der Nachrichtenagentur dpa: „Wir haben am Freitag gemeinsam entschieden, die Produktion dort einzustellen, bis klar ist, über welchen Weg die Listerien in den Betrieb gelangt sind.“ Dabei werde eng mit den Behörden zusammengearbeitet.

Die Zahl der Fälle an invasiver Listeriose schwankt nach Angaben des Robert Koch-Instituts und lag zwischen 2005 und 2014 bei mehreren Hundert Fällen jährlich. Im Durchschnitt enden sieben Prozent der Erkrankungen tödlich.

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Bei dem am Wochenende bekannt gewordenen mittelschweren Listeriose-Ausbruch waren seit 2017 in Deutschland insgesamt 15 Menschen erkrankt und zwei davon gestorben. Das teilte das baden-württembergische Verbraucherschutzministerium mit Verweis auf einen nicht-öffentlichen Situationsbericht des Robert Koch-Instituts (RKI) mit. Allein in den vergangenen drei Monaten seien dem RKI zufolge vier Neu-Erkrankungen nach dem Infektionsschutzgesetz gemeldet worden, berichtet die „Bild am Sonntag“ (BamS).

Solche Ausbrüche kommen immer mal wieder vor. Noch ist unklar, wie es zu dem Listerioseausbruch kam.

In Laboruntersuchungen konnte den Angaben zufolge gezeigt werden, dass die 15 Fälle auf denselben Listerientyp zurückgehen. Zudem ist laut Ministerium mitgeteilt worden, dass Listerien, die Anfang 2019 in der Produktionsanlage und im Jahr 2017 in einem Lebensmittel eines fleischverarbeitenden Betriebs in Baden-Württemberg gefunden wurden, zum selben Typ gehören.

Als Reaktion auf den Bericht wurden in dem baden-württembergischen Betrieb erneut Ermittlungen und Untersuchungen durchgeführt - Listerien konnten dabei bislang nicht nachgewiesen werden.

Bereits am Freitag war bekannt geworden, dass hessische Behörden im Zusammenhang mit dem Lebensmittelskandal um den Wurst-Hersteller Wilke 1,6 Tonnen sogenannte Grillfackeln und Fleischspieße sichergestellt haben. Die Ware müsse vernichtet werden, da nicht ausgeschlossen werden könne, dass sie von Wilke stammt, teilte das Verbraucherschutzministerium in Wiesbaden mit.

Auslöser sei eine anonyme Anzeige gewesen. Die Firma, bei der die Ware gefunden wurde, habe zwar nachweisen können, dass sie seit Oktober 2019 Fleisch von anderen Betrieben bezieht. Es sei jedoch nicht absolut sicher, dass keine Wilke-Wurst mehr in den Beständen war. Anfang Oktober hatten Behörden den nordhessischen Fleischhersteller Wilke geschlossen. Zuvor waren wiederholt Listerien-Keime nachgewiesen worden, drei Todes- und 37 Krankheitsfälle werden mit Wilke-Produkten in Verbindung gebracht.

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