Varel Die bislang heißeste Woche des Jahres lässt auch Friesland schwitzen. Pünktlich zu den Hundstagen dreht der Sommer richtig auf. Bis zu 34 Grad werden in dieser Woche erwartet. Vareler und andere Experten erzählen uns, wie sie in dieser Hitze ihren Arbeitsalltag bewältigen und geben Tipps, wie man seine Pflanzen und seinen Hund durch die Hitzewelle bringt und auch etwas für Wildtiere tun kann. Eine Ernährungsexpertin weiß, was man jetzt isst und trinkt – und was besser nicht. Und Annett Engels hat Tipps parat, wie man die Haut schützt und gut aussieht, auch wenn wenn der Schweiß nur so von der Stirn rinnt.

Heike Lameyer beim Gießen. (Bild: Langer)
Auch die Blumen lassen bei der Hitze die Köpfe hängen. Viele Hobbygärtner greifen da beherzt zur Gießkanne, um ihre Pflanzen zu retten. Doch das ist der falsche Ansatz, weiß Bernd Lameyer von der Lameyer Gärtnerei in Varel. „Bevor man anfängt zu gießen, sollte man erst prüfen, ob die Erde der Pflanzen wirklich trocken ist“, sagt er.

Wenn die Pflanzen die Köpfe hängen lassen, sei das kein Zeichen dafür, dass die Pflanzen vertrocknen, sagt Bernd Lameyer. „Die meisten Blumen können Temperaturen bis zu 60 Grad aushalten.“ Viele neigen dazu, ihre Blumen zu übergießen. Wenn die Pflanzen richtig gegossen werden, richten sich die Köpfe auch wieder auf, sagt der Gärtner.

Außerdem sei es wichtig, morgens früh zu gießen, wenn der Boden noch kalt ist, sagt er. Wenn die Pflanzen in der Mittagssonne gegossen werden, verdunstet das Wasser schneller. Beim Gießen sollten Hobbygärtner darauf achten, dass sie direkt die Erde treffen und nicht die Blätter oder Blüten.

In der Hauptsaison hat die Gärtnerei Lameyer in Varel 50 000 Blumen und Pflanzen im Gewächshaus stehen. „Wenn es so heiß ist, brauchen wir 5 000 bis 6 000 Liter Wasser am Tag zum Gießen“, sagt Heike Lameyer (Bild), während sie mit einem Schlauch von einem Topf zum nächsten geht.

Annett Engels. (Bild: Börjes-Meinardus)
Alles fließt und klebt: Haut und Haare leiden bei der Hitze. Neben einem adäquaten Sonnenschutz braucht die Haut bei diesen hohen Temperaturen eine andere Pflege. So sorgen allzu reichhaltige Anti-Aging-Cremes beispielsweise dafür, dass die feinen Schweißdrüsen der Haut verstopft werden können. Die Haut fühlt sich heiß an, Unreinheiten können als Folge auftreten. Im Sommer sollte die Haut nicht unnötig beschwert werden. Eine leichte Pflege, ein Hauch von Gloss und vielleicht ein wenig wasserfeste Wimperntusche – das ist im Hochsommer völlig ausreichend.

Wer sich ein Extra gönnen möchte, dem rät Annett Engels (Bild) von der Parfümerie Schubeck in Varel ein Feuchtigkeitsspray, das man sich mehrmals täglich ins Gesicht sprühen kann. Für eine duftende Abkühlung sorgt ein Körperduft. „Am besten legt man den Duft bei dieser Hitze ins Gemüsefach“, rät Annett Engels.

Der Renner in der Vareler Parfümerie ist in diesen Tagen ein neuartiges Gesichtspuder mit Sonnenschutz 50. Zudem absorbiere es überschüssigen Talg und sorge für einen matten Sommerteint.

Bei 30 Grad labt sich der Retriever "Gotha" am kühlen Wasser. (Foto: Waltraud Grubitzsch dpa)
Hunde haben mit der Hitze zu kämpfen. Vor allem an heißen Tagen sollte man seinen Hund nicht zu stark fordern, sagt Ariane Ullrich vom Berufsverband der Hundeerzieher und Verhaltensberater aus Hofheim: „Es reicht in der Regel, am Morgen und am Abend spazieren zu gehen.“ Ein dickes Fell sorge zusätzlich dafür, dass sich Wärme staut. „Es kann eine große Erleichterung sein, den Hund zu scheren“, sagt Ullrich. Das gelte insbesondere für alte und geschwächte Hunde. Wichtig: Den Hund niemals im Auto lassen. Der Hund sollte außerdem immer Zugang zu Trinkwasser haben.

Auch für Wildtiere wie Vögel, Eichhörnchen und Igel bedeuten Sommerhitze und Trockenheit Stress. Um den Tieren ein wenig Linderung zu verschaffen, können Menschen Vogeltränken im Garten, auf Fensterbank oder Balkon aufstellen, rät etwa der Nabu auf seiner Internetseite. Tierfreunde sollten aber darauf achten, das Wasser regelmäßig zu wechseln und die Tränke zu reinigen.

Keime und Bakterien wie Salmonellen oder Trichomonade könnten sich sonst vermehren und bei Vögeln im schlimmsten Fall zum Tod führen. Bei der Reinigung sollten allerdings keine Chemikalien zum Einsatz kommen. Kochendes Wasser reiche völlig aus, rät der Nabu.

Bäckerei Müller&Eggerer. (Bild: Börjes-Meinardus)
Hitzefrei am Arbeitsplatz gibt es nicht. Aber Chefs und Mitarbeiter können einiges tun, um die Situation in Büros, Werkstatt oder Küche angenehmer zu gestalten. 220 Grad ist der Backofen in der Filiale der Bäckerei Müller&Egerer in Varel heiß. Dass das Klima trotzdem angenehm ist, dafür sorgt eine Klimaanlage. „Und der Chef spendiert an diesen heißen Tagen Mineralwasser“, freuen sich Anke Schmidt und Jennifer Kostka (Bild).

Auch in der Bäckerei Jeddeloh in Langendamm wird bei hohen Temperaturen gebacken. Bäcker Ingo Jeddeloh steht morgens zwei Stunden früher am Ofen, um der Mittagshitze zu entgehen. „Zwischendurch setze ich mich auch in das sechs Grad kalte Kühlhaus, um mich abzukühlen“, sagt der Bäcker.

Generell gilt: Wenn das Thermometer am Arbeitsplatz Temperaturen von mehr als 30 Grad anzeigt, muss der Arbeitgeber handeln, erklärt die Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) mit Verweis auf die Technischen Regeln für Arbeitsstätten. Raumtemperaturen im Büro über 35 Grad seien unzulässig.

Viel Obst und Gemüse essen ist wichtig. (Foto: Christin Klose/dpa)
Nicht nur Wassertrinken ist bei diesen Temperaturen wichtig, sondern auch die richtige Ernährung. Ernährungsexpertin Elke Diekmann aus Varel empfiehlt, viel Obst und Gemüse zu essen. „Obst mit intensiver Farbe wie Aprikosen oder Beeren enthalten viele Antioxidantien“, sagt sie. Diese tragen dazu bei, die Körperzellen zu schützen, sagt die Ernährungsberaterin.

Vor allem grünes Gemüse wie Porree und Brokkoli enthält viel Folsäure, die der Körper zur Zellerneuerung beispielsweise nach einem Sonnenbrand benötigt. Durch das Schwitzen verliert der Körper viele Mineralstoffe. „Wer nicht nur Wasser trinken will, kann auch gelegentlich zu Fruchtschorlen greifen. Damit tut man seinem Mineralhaushalt auch was Gutes“, sagt die Ernährungsexpertin.

Sie empfiehlt ein Mischverhältnis von 3:1. Für Sportler, die viel schwitzen, kann es auch mal 1:1 gemischt sein. Auch wenn vielen bei der Hitze der Appetit vergeht, ist es wichtig, drei Mahlzeiten zu essen. Ein gutes Frühstück mit Vollkornprodukten und Obst sei ein guter Start in den Tag. „Die Hauptmahlzeit sollte allerdings eher abends gegessen werden, damit die Verdauung mittags nicht belastet wird“, rät Elke Diekmann

Nathalie Langer Kanalmanagement / Redakteurin
Traute Börjes-Meinardus Varel / Redaktion Friesland
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