VAREL Der 52-jährige Inhaber des Tabak-, Zeitschriften- und Lottogeschäftes „Raucherquelle“ in Varel hat zugegeben, die rund 70 000 Euro aus den 288 Sparfächern in seinem seit vier Wochen geschlossenen Geschäft am Schlossplatz für seinen privaten Lebensunterhalt verbraucht und in einer Spielbank „verzockt“ zu haben. Das bestätigte die Polizei Varel, die wegen Unterschlagung ermittelt. Bislang haben sich 130 Personen bei der Polizei gemeldet und Strafanzeige erstattet. Das ist aber erst die Hälfte der geschädigten Personen, die zum Teil seit 50 Jahren ihr „Kleingeld“ in den Fächern sparen. Die Polizei bittet auch die übrigen Opfer, sich bei ihr zu melden und Strafanzeige gegen den 52-Jährigen zu erstatten.

Die Strafanzeige hat aber keinen Einfluss darauf, ob die rund 270 geschädigten Personen zumindest einen Teil des sichergestellten Geldes wiederbekommen. Dieser Anspruch muss zivilrechtlich geltend gemacht werden, wie der Vareler Rechtsanwalt Jan-Focko Janssen erklärte. Er vertritt inzwischen eine ganze Reihe der Opfer. Seiner Darstellung nach können die betroffenen Personen selber den 52-jährigen Inhaber der „Raucherquelle“ auffordern, das eingezahlte Geld, über das Buch geführt wurde, zurückzuzahlen, oder einen Anwalt beauftragen, den Anspruch zu formulieren. „Der größte Schaden ist bei vielen armen, alten Leuten entstanden, die sich das Geld regelrecht vom Mund abgespart haben“, weiß Janssen. Sie könnten sich beim Amtsgericht einen Beratungshilfeschein holen, mit dem sie dann kostenlos zu einem Rechtsanwalt ihrer Wahl gehen und sich Hilfe holten könnten.

Bei den unterschlagenen 70 000 Euro handelt es sich um die Ersparnisse von 270 Personen aus diesem Jahr. Die jährlichen Sparsummen lagen zwischen 50 und 5000 Euro. Die letzte Leerung hat die Polizei selbst vorgenommen und dabei zirka 3000 Euro in den Sparfächern der „Raucherquelle“ gezählt. Darüber hinaus stellte die Polizei 5300 Euro im Hause des 52-Jährigen sicher, die sich aber nicht zuordnen lassen. Ferner beschlagnahmten die Ermittler Tabakwaren aus dem Geschäft. Sie sollen wahrscheinlich verkauft werden, um durch eine sogenannte Vermögensrückgewinnung den Schaden für die betroffenen Personen möglichst gering zu halten. Der Erlös sowie die 5300 Euro sollen laut Polizei anteilig an die Opfer ausgezahlt werden. Um das zu können, muss aber jeder Betroffene seinen Anspruch zivilrechtlich anmelden.

Christoph Koopmeiners Wildeshausen/Dötlingen / Redaktion Wildeshausen
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