Sonntag, 16. November 1941 Operieren wieder SO-wärts (Südost), genau dorthin, wo wir herkommen! Ein B-Geleitzug ist gemeldet. 5 Condor klären heute ab 13 Uhr auf.

Zum Frühstück gibt es erstmalig 3 Brötchen! Herrlich!

Einordnung des Tagebucheintrags von NWZ-Mitarbeiter Gerrit Reichert

Ließ der Seegang es zu, wurde an Bord der U-Boote dreimal am Tag warm gegessen. Ein Zweiplattenherd und ein kleiner Backofen standen dem Schiffskoch, dem „Smut“ oder „Smutje“, dazu zur Verfügung.

Bild aus dem Film „Das Boot“: Besatzungsmitglieder im Bugraum von U 96. (Foto: dpa)

In den ersten zehn Tagen der Fahrt gab es noch frisches Fleisch, Brot und Gemüse, danach dann Lebensmittel aus der Konserve. Für die rund 45 Mann Besatzung mussten für vier bis sechs Wochen rund 800 Kilo Milch, 200 Liter Fruchtsäfte, 180 Kilo Tee und Kakao, 54 Kilo Schokolade und vieles mehr, insgesamt rund zehn Tonnen Proviant, verstaut werden.

Dazu war in der 2,5 Quadratmeter großen Kombüse kein Platz. Als Stauraum diente die gesamte Bootsröhre, jeder Winkel. Dabei galt: nichts durfte im Weg liegen. So schaukelte Konservenbrot über aufgespannten Hängematten und Hartwürste hingen zwischen den Rohren. In den Winkeln des 67 Meter langen Boots vom Typ VII C musste der „Smut“ Tag für Tag die Lebensmittel für die Mahlzeiten suchen.

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Der aus Graz stammende Franz Katter war seit Indienststellung von U 96 Smutje an Bord. Im Buch „Das Boot“ von Lothar-Günther Buchheim sagt der „Alte“ zum Kriegsberichter: „Den Schmutt haben wir schon dreimal per Fernschreiben aus Gefängnissen holen müssen.“

Friedrich Grade war Leitender Ingenieur an Bord von U 96. Durch Lothar-Günther Buchheims Buch und den Film „Das Boot“ wurde die 7. Feindfahrt des U-Boots im Zweiten Weltkrieg weltbekannt. Heimlich schrieb der Oberleutnant zur See und Herzens“-Oldenburger Tagebuch. Exklusiv veröffentlicht diese Zeitung nach 75 Jahren das Tagebuch des Einsatzes vom 27.Oktober bis zum 6. Dezember 1941. Der heute 100-jährige Friedrich Grade ist der letzte Augenzeuge von U 96.

In einem Interview nach der Kino-Premiere des Films (1981) ärgerte sich Franz Katter über diese Passage. „Wenn Buchheim sein Werk nicht als Roman tituliert hätte, wären ihm Millionenklagen nicht erspart geblieben. Er hat unsere Namen verändert, bis auf meinen. Ich frage mich, wie ich zu der Anschuldigung komme, dass mich der Alte dreimal aus dem Gefängnis hat holen müssen. Aber was nützt es, wenn ich Pensionist den schwerreichen Autor verklage?“

Im Roman rettet Franz Katter das U-Boot, als er beim Angriff vor Gibraltar das Kombüsenluk, das durch die Bombendetonation aufgesprungen war, gegen den mächtigen Wasserschwall geistesgegenwärtig und blitzschnell wieder schloss. Nach der achten Feindfahrt auf U 96 überlebte er auch die Fahrten mit den U-Booten 71 und 2508 und wurde nach dem Krieg Polizeibeamter in Graz. <

Die Konstrukteure der deutschen U-Boote hatten Waffensysteme geplant, in denen die Bedürfnisse der Besatzung kaum Beachtung fanden. So wurde auf den Torpedorohren geschlafen. Es existierten keine Duschen. Da eine der beiden Bordtoiletten zudem häufig als Kühlraum für Lebensmittel genutzt wurde, gab es meistens auch nur eine Toilette.

Pro Mann und Tag standen in den Frischwassertanks drei Liter Trinkwasser und 20 Liter Waschwasser zur Verfügung. Die Kombination von warmen Mahlzeiten und Kaltverpflegung, Bewegungsmangel und oft extrem unruhigen Seeverhältnissen setzte der Gesundheit zu. Dazu kamen Nässe, wechselnde Temperaturen, Abgase und Gestank.

In englischen und US-amerikanischen U-Booten war sehr viel mehr Platz für Besatzung und Proviant vorgesehen, gerade die US-Boote galten als vergleichsweise komfortabel. Da sich das auch auf die Größe der Schiffe auswirkte, waren sie den kleineren und gut manövrierbaren Booten vom Typ VII C der deutschen Kriegsmarine allerdings unterlegen.