Freitag, 21. November 1941 Heute „Großkampftag mit „Boje über Bord“ und häufigen Alarmen. Bin beim ersten Alarm in der E-Maschine und schalte, Dengel macht die Tiefensteuerung. Müssen noch mehr üben. Bei Neufundland werden Überraschungen veranstaltet. Amerikas Handelsschiffe wurden armiert. Wie lange wird es bis zur Kriegserklärung mit Amerika wohl noch dauern?!

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Dengel hat starke Zahnschmerzen und dicke Backe.

Wie geht es Dir heute, mein Deern!? Wenn man doch mit den Gedanken selbst sich auf den Sprung zu Dir machen könnte. Es braucht ja garnicht mal so furchtbar lange zu sein! Mit einem Viertelstündchen wär´ ich ja auch schon zufrieden!

Einordnung des Tagebucheintrags von NWZ-Mitarbeiter Gerrit Reichert

Schon am 12. November 1941 hatte Friedrich Grade in sein privates Tagebuch notiert, dass er und auch der Kommandant krank sind: „Kdt und ich sind erkältet, doch wir haben einen dicken Poller, fühlen uns nicht besonders gut und schlucken Chinin oder Antineuralgika.“

Friedrich Grade war Leitender Ingenieur an Bord von U 96. Durch Lothar-Günther Buchheims Buch und den Film „Das Boot“ wurde die 7. Feindfahrt des U-Boots im Zweiten Weltkrieg weltbekannt. Heimlich schrieb der Oberleutnant zur See und Herzens“-Oldenburger Tagebuch. Exklusiv veröffentlicht diese Zeitung nach 75 Jahren das Tagebuch des Einsatzes vom 27.Oktober bis zum 6. Dezember 1941. Der heute 100-jährige Friedrich Grade ist der letzte Augenzeuge von U 96.

Am 21. November 1941 hat es dann Grades Vertreter und Nachfolger als Leitender Ingenieur an Bord, Oberleutnant Dengel, erwischt. „Dengel hat starke Zahnschmerzen und dicke Backe“, schreibt Friedrich Grade vor genau 75 Jahren in sein Tagebuch.

Im Herbst 1941 gibt es noch keine Ärzte an Bord deutscher U-Boote. Sie gehören erst ab 1944 fest zur Besatzung, als es vielfach zu Schwerverletzten vor allem durch Flugzeugbeschuss kommt.

Im Bestseller „Das Boot“ von Lothar Günther Buchheim und im gleichnamigen Film ist der Funker Hinrich der „Sani“ an Bord. Unvergessen ist die Entlausungs-Szene im Bugraum von U 96.

Faktisch war damals der „LI“, Friedrich Grade, für alles Medizinische an Bord zuständig. So schreibt er am 10. Mai 1941 in sein Tagebuch: „Karbunkel und Furunkel florieren zZt an Bord. Habe jeden Tag ‚Revierstunde’ und habe allerhand dabei zu tun. Bin mit den Vorräten an Pflastern und Verbänden bald zuende. Katter (der Smutje) hat sogar eine Butvergiftung am Unterarm.“