Rückmarsch Angeordnet
Lustloser Kommandant

Am ausgefahrenen Seerohr kann die Crew von U96 eine merkwürdige Erscheinung ins Auge fassen.

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Donnerstag, 20. November 1941 Mit Tagesetmal (Tagesziel) 120 sm (Seemeilen) auf das neue Op.(Operations) Gebiet. Hoffnung, etwas zu sehen, besteht keineswegs. Während des Tages Aufenthalt auf Brücke möglich. Kommandant hat keine Lust mehr, weil Endrass Rückmarsch gemeldet hat.

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Gegen 22 Uhr, in einer starken Regenbö, am ausgefahrenen Seerohr St. Elmsfeuer! (durch elektrische Ladung erzeugte Lichterscheinung am Himmel) 3 schwachblaue Flämmchen strahlen waagerecht von der Optik aus. Die Erscheinung hält während 3-4 Minuten an. Nordlicht wurde in den letzten Nächten nicht beobachtet. Dagegen in dem südlichen Gebiet, in dem wir vor 3 Wochen operierten.

Einordnung des Tagebucheintrags von NWZ-Mitarbeiter Gerrit Reichert

„Endrass Rückmarsch gemeldet“: Der Tagebuch-Eintrag von Friedrich Grade klingt wie eine Randnotiz. Am 20. November 1941 aber erklärt sich die Wirkung, die diese Nachricht hatte, durch die Aura, die sich mit dem Namen „Endrass“ verband. Denn der Ritterkreuz-Träger Engelbert Endrass galt damals als einer der erfolgreichsten U-Boot-Kommandanten der Wehrmacht. Wie U 96 gehörte sein Boot zur 7. U-Flottille in St. Nazaire.

Der „Alte“ von U 96, Heinrich Lehmann-Willenbrock, und Endrass sind also Crewkameraden. Endrass, jetzt Kommandant von U 567, war ein „Ass“, wie die Kommandanten mit den höchsten Versenkungszahlen damals von der Nazi-Kriegspropaganda genannt wurden. Zudem war er 1. Wachoffizier auf U 47 unter dem Kommando von Günther Prien, der im Oktober 1939 in den stark gesicherten englischen Kriegshafen Scapa Flow eindrang. Priens Boot wurde im Frühjahr 1941 versenkt, Endrass ist im Herbst 1941 mit U 567 auf seiner zehnten Feindfahrt.

„Endrass hätte nicht mehr auslaufen dürfen“, sagt der „Alte“ in Lothar Günther Buchheims Bestseller „Das Boot“. Tatsächlich galt der Kommandant als nervlich angeschlagen. Sein Rückmarsch, den Friedrich Grade am 20. November 1941 in seinem privaten Tagebuch notierte, wird der letzte seines Lebens sein.

Sechs Tage später trifft U 567 er in St. Nazaire ein, am 18. Dezember sticht das Boot wieder in See. Zu diesem Zeitpunkt hat die englische Marine nicht nur den deutschen Enigma-Code entschlüsselt, sondern auch eine neue Taktik im U-Boot-Krieg ersonnen. Frederic John Walker leitet die erste „Hunter-Killer-Group“, die nun Jagd auf deutsche U-Boote macht.

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Zum einen sichern jetzt Zerstörer und Hilfskreuzer die Geleitzüge, zum anderen steht zusätzlich ein Jagdverband zur U-Boot-Bekämpfung bereit. Zwei Schiffe orten dabei das U-Boot mittels der Sonartechnik Asdic und Radar, bis zu fünf Schiffe beharken den so ermittelten Standort mit Wasserbomben.

Schon der erste Einsatz dieser „Hunter-Killer-Group“ führt zur Vernichtung von gleich fünf deutschen U-Booten – darunter am 21. Dezember 1941 das Boot U 567 unter dem Kommando von Engelbert Endrass.

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