In Der Enge
Spekulationen unter Deck

Haben die Engländer ein deutsches U-Boot versenkt? An Bord von U96 brodelt die Gerüchteküche.

Bild:
Bild:
Keine Freiartikel mehr in diesem Monat.

Bereits NWZ-Abonnent?

Jetzt anmelden

Noch nicht registriert?

Als Abonnent der Nordwest-Zeitung und des NWZ-ePapers haben Sie den vollen Zugriff nach einmaliger Freischaltung bereits inklusive!

Zugang freischalten

Noch nicht registriert?

Als Abonnent der Nordwest-Zeitung und des NWZ-ePapers haben Sie den vollen Zugriff nach einmaliger Freischaltung bereits inklusive!

Zugang freischalten

Dienstag, 25. November 1941 Hoffentlich wird mein Mädchen von der Flottille benachrichtigt!

„Gibraltar“ meldet heute UBoot in der Enge. – Engl. Nachrichten melden von Vernichtung deutschen U-Bootes im Nordatlantik durch mehrere amerikanische Korvetten. Durch Wabos nach oben geholt, Leute ausgestiegen 47 Mann. Das müßte wohl ein großes Boot gewesen sein. Aber wer?

Einordnung des Tagebucheintrags von NWZ-Mitarbeiter Gerrit Reichert

„Englische Nachrichten melden“: Wie an Bord von U 96 üblich, werden auch an diesem 25. November 1941 Nachrichten „der anderen Seite“ gehört.

Lesen Sie auch:Weitere Hintergrundartikel im „Das Boot“-Spezial von NWZonline.de

Das „Reifezeugnis“ Friedrich Grades von der Städtischen Oberrealschule zu Oldenburg vom Februar 1934 weist für das Fach Englisch ein „genügend“ aus, die gleiche Note erhält er für Französisch. Weil der Flottillenstützpunkt der 7. U-Flottille, der U 96 im Herbst 1941 angehört, St. Nazaire an der französischen Nordwestküste ist, vertieft der „LI“ an Bord von U 96 fleißig seine Französischkenntnisse. Am 26. Juni 1941 notiert Friedrich Grade während seiner fünften Feindfahrt: „Betreibe in der Langeweile französische Sprachstudien.“

Für die am 25. November 1941 im Tagebuch erwähnte englische Nachricht von der Vernichtung eines deutschen U-Bootes durch mehrere amerikanische Korvetten gibt es keinen Beleg. Zwar mehren sich seit Sommer 1941 die kriegerischen Handlungen zwischen deutschen und US-amerikanischen Kriegs- und Handelsschiffen. Bis zur Kriegserklärung Deutschlands an die USA am 11. Dezember 1941 aber ist weder ein direkter noch indirekter Fall der Versenkung eines deutschen U-Bootes durch amerikanische Kriegsschiffe bekannt.

Die Frage Friedrich Grades „Aber wer?“ am Ende seines Tagebuch-Eintrags ist persönlich zu verstehen. Stets notiert der „LI“ in seinen Tagebüchern zunächst den Namen des Kommandanten, dann die entsprechende Bootsziffer.

Die Offiziere der U-Boot-Waffe kennen sich zu diesem Zeitpunkt meist persönlich. Im Herbst 1941 sind erst 80 deutsche U-Boote auf den Weltmeeren im Einsatz. Das bedeutet 80 Kommandanten und genauso viele Leitende Ingenieure – also eine sehr kleine Gruppe, die zum Großteil ihre Ausbildung in den Vorkriegsjahren begonnen hat – Grade kennzeichnet das jeweils mit dem Zusatz für den Offiziersjahrgang, zum Beispiel „34er“.

Möglicherweise reichten die Engländer an diesem 25. November die Nachricht über das deutsche U-Boot U 110 nach, das bereits am 9. Mai 1941 im Nordatlantik als erstes deutsches U-Boot gekapert wurde. Weil dabei die erste Enigma-M3-Verschlüsselungsmaschine erbeutet wurde, hielten die Engländer die Versenkung von U 110 lange Zeit geheim.

Durch die Erbeutung der Enigma M3 können die Engländer immer schneller die deutschen Funktelegramme entschlüsseln. Am 25. November 1941 gelingt das bereits binnen eines Tages.

Das könnte Sie auch interessieren