„erprobung Einer Neuen Waffe“
Tod eines Kampffliegers

Der Kampfflieger Ernst Udet stirbt und Hitler ordnet ein Staatsbegräbnis an. Die wahren Hintergründe des Todes bleiben der Besatzung der U96 jedoch verborgen.

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Dienstag, 18. November 1941 Gestern verunglückte Udet (Kampfflieger Ernst Udet, siehe Einordnung) bei der „Erprobung einer neuen Waffe“ tödlich! Der Führer ordnete für den Generalzeugmeister das Staatsbegräbnis an! Das Jagdgeschwader Nr. 3 wird nach seinem Namen benannt.

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USA lässt eigene Schiffe mit Bewaffnung fahren!

Können das Oberdeck erstmalig heute betreten und stellen vorübergehend den Zustand A her, um die Bunker 2 u. 4 durchzuspülen. Mit 1 Masch KF schleichen wir auf dem Vorpostenstreifen herum.

Einordnung des Tagebucheintrags von NWZ-Mitarbeiter Gerrit Reichert

Am 18. November 1941 sind es noch drei Wochen bis zur Kriegserklärung des Deutschen Reiches an die USA am 11. Dezember 1941.

Militärisch spielen die USA zu diesem Zeitpunkt eine (noch) nachgeordnete Rolle. Frankreich als die zu Kriegsbeginn mit sieben Millionen Soldaten stärkste Armee der Welt ist von der 5,7 Millionen Soldaten zählenden deutschen Wehrmacht besiegt worden. Ein Jahr später, nach dem Angriff Nazi-Deutschlands auf die Sowjetunion, zählt die Wehrmacht 7,3 Millionen Soldaten. Dazu kommen Deutschlands Verbündete: Italien mit 3,2 Millionen Soldaten und Japan mit 2,4 Millionen Soldaten.

In den USA stehen am Vorabend der japanisch-deutschen Kriegserklärungen gerade einmal 1,6 Millionen Soldaten zur Verfügung.

Dennoch weiß Friedrich Grade um die Bedeutung der USA in einem Krieg. Mehrfach äußert er sich in seinen privaten Tagebüchern besorgt über einen möglichen Kriegseintritt der USA. So notiert er am 17. Mai 1941: „Die große Frage heute: Wann tritt Amerika in den Krieg ein?“

Der bangen Frage liegen Fakten zugrunde. So heißt es in einem Brief des Reichsfinanzministers Graf Schwerin von Krosigk am 1. September 1938 an Hitler zu einem eventuellen Kriegseintritt der USA: „Die jetzt nur zu 25 Prozent beschäftigte amerikanische Industrie würde sofort in ganz anderem Umfang als 1914/1918 in eine Kriegsindustrie von unvorstellbarer Leistungsfähigkeit umgewandelt werden.“

Seit dem Frühsommer 1940 findet auf dem Atlantik eine Art Katz-und-Maus-Spiel zwischen amerikanischen Schiffen und deutschen U-Booten statt. Zunächst unterstützen die USA England massiv mit Kriegs- und Handelsschaffen. Im Herbst 1941 sichern US-Kriegsschiffe englische Geleitzüge, US-Handelsschiffe werden bewaffnet.

Der Befehlshaber der deutschen U-Boote, Karl Dönitz, erlässt strikteste Anweisung, keinen Zwischenfall zu provozieren, der zu einem Kriegseintritt der USA führen könnte. Friedrich Grade notiert am 21. Juni 1941: „Noch immer kommen FT’s (Funktelegramme) mit Verhaltensmaßregeln gegenüber US-Kriegs- und Handelsschiffen. Es soll alles vermieden werden, was die USA zu einem Kriegseintritt animieren könnte. Den können wir gewiß nicht gebrauchen.“

Erstmals hatte am 4. September 1941 ein deutsches U-Boot auf einen US-Zerstörer geschossen, nachdem dieser den Standort des U-Bootes an englische Kriegsschiffe gemeldet hatte.

Am 6. November 1941, dem Zeitpunkt der 7. Feindfahrt von U 96 vor genau 75 Jahren, kaperten US-Kriegsschiffe ein getarntes deutsches Versorgungsschiff. Der Krieg zwischen Deutschland und den USA hatte faktisch begonnen, bevor er offiziell am 11. Dezember 1941 erklärt wurde.

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Die Prognose des Grafen Schwerin von Krosigk traf ein. Bis 1944 versiebenfachten die USA ihr militärisches Potenzial von 1,6 Millionen auf 11,5 Millionen Soldaten.

Generalluftzeugmeister Ernst Udet, über dessen Tod Friedrich Grade in seinem aktuellen Tagebuch-Eintrag schreibt, galt zunächst als Fliegerheld der Nazis, fiel dann aber angesichts deutscher Niederlagen im Luftkampf gegen England und die Sowjetunion in Ungnade. Er nahm sich am 17. November 1941 in Berlin das Leben.

Friedrich Grade setzte die damals offenbar offiziell verkündete Todesursache „bei der Erprobung einer neuen Waffe“ in Anführungszeichen. Ob er damals an Bord von U 96 die wahren Todesumstände Udets schon ahnte?

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