Kühles Nass
Alles vergammelt

Salzwasser setzt der Technik an Bord des U-Boots zu. Aber wenigstens hat der Regen aufgehört, schreibt Grade in seinem Tagebuch. Kriegsberichterstatter Buchheim will sich einem seiner Hobbys zuwenden.

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Dienstag, 11. November 1941 Endlich kann man heute die Brücke betreten, ohne gleich wieder naß zu werden. Es ist nur kühl, sehr kühl sogar, geworden. Auch heute keine Sichtmeldungen über den Geleitzug von den 4 Condors. Es ist zum Verzweifeln so.

Lesen Sie auch:Weitere Hintergrundartikel im „Das Boot“-Spezial von NWZonline.de

Friedrich Grade mit Fotoapparat auf U 96. (Foto: privat)
Friedrich Grade mit Fotoapparat auf U 96. (Foto: privat)

Die zum x-ten Male von mir reparierte Contax (Buchheims Fotoapparat) ist seit heute früh, seit sie nun von innen schön naß geworden ist, ganz ausgefallen. Nehme den Apparat auseinander: Alles vergammelt und verrostet. Gebe den Kampf nunmehr auf. – Buchheim will morgen nun anfangen zu malen.

Einordnung des Tagebucheintrags von NWZ-Mitarbeiter Gerrit Reichert

Was genau malte Lothar-Günther Buchheim? Sowohl an Bord des U-Boots U 96 bei seiner Teilnahme an der 7. Feindfahrt als auch in den Kriegsjahren 1940 bis 1945?

Eine systematische Aufstellung aller im Krieg von ihm veröffentlichten Bilder, Artikel und Fotos existiert nicht. Einen ersten Hinweis geben die 22 Bilder, die Buchheim bei den von der nationalsozialistischen Reichsregierung inszenierten „Großen Deutschen Kunstausstellungen“ 1941 bis 1943 ausstellte und verkaufte.

Mit 28 direkten oder indirekten U-Boot-Motiven dominiert dieses Thema eindeutig die Malerei des Kriegsberichters, der einer Propaganda-Kompanie der Kriegsmarine angehörte. Die Mehrzahl dieser Bilder stellte Buchheim im Sommer 1942 aus, ein halbes Jahr nach seiner Teilnahme an der 7. Feindfahrt von U 96, die später als Grundlage seines Bestsellers „Das Boot“ diente.

Das Kommandanten-Porträt Heinrich Lehmann-Willenbrocks oder die Motive „Brückenwache“ sowie „Ausguck“ dürften mit hoher Wahrscheinlichkeit ihre Vorlage in der Fahrt mit U 96 gehabt haben. Mutmaßlich auch das Bildchen von der U-Boot-Begegnung im Atlantik, die am 6. November 1941 stattfand und als Abfotografie im Privatalbum der Familie Lehmann-Willenbrock erhalten ist.

Mit absoluter Sicherheit lässt sich derzeit nur ein Bildmotiv identifizieren, das der Leutnant zur See (PK) ganz sicher an Bord von U 96 gemalt hat. Es ist ein persönliches Porträt, ein Geschenk an den Kommandanten, das Buchheim dem Bremer Heinrich Lehmann-Willenbrock überreichte. Friedrich Grade berichtet am 4. Dezember 1941 in seinem Tagebuch kurz vor der Wiederankunft in St. Nazaire über dieses Porträt, das diese Zeitung dann exklusiv und erstmalig veröffentlichen wird.

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