DELMENHORST Für Timo Fuchs ist die Schauspielerei mehr als nur ein großes Hobby. Der 31-Jährige kehrt nach zweieinhalb Jahren Auszeit mit dem Ensemble „Theater zwischen den Stühlen“ zurück nach Delmenhorst. Ein letztes Mal. Danach ist endgültig Schluss für die junge Delmenhorster Schauspielgruppe, die mittlerweile verstreut in ganz Deutschland lebt, arbeitet oder studiert.

Auch Fuchs steht derzeit bei einem Hörfunksender in Saarbrücken mitten im Berufsleben. Dass sich der Ganderkeseer für die Proben zum Stück „Baumeister Solness“ von Henrik Ibsen einen Monat lang unbezahlten Urlaub nahm, deutet bereits daraufhin, dass in der kurzzeitigen Wiedervereinigung der Gruppe mehr als nur ein wenig Herzblut steckt: „Für mich ist das Theater und die Rückkehr ins Kleine Haus nach Delmenhorst so etwas wie ein Kleinod in meinem Leben“, sagt Fuchs. Zur Premiere von „Baumeister Solness“ am 14. September wird der 31-Jährige in die Rolle der Hauptfigur, dem Architekten Halvard Solness, schlüpfen. Auf der Bühne werden ihm dann Annabell Neuhof, Katharina Siebers, Fabian Schütze, Daniel Schulz, Patrick Kunisch und Jana Meier zur Seite stehen. Initiator des Projektes ist Jan Friedrich Eggers. Dem 30-Jährigen, der sich für die Inszenierung verantwortlich zeichnet, kommt dabei ein privater Arbeitsplatzwechsel zugute: „Beim Theater hat man vier Wochen Sommerpause. Das ist für

die Proben zu so einem Stück normalerweise viel zu wenig. Da ich nun aber von Hagen nach Augsburg wechseln werde und dort das Programm später startet, lässt es sich noch einmal einrichten, nach Delmenhorst zurückzukehren.“

Seit Ende Juli proben die Delmenhorster, die bis 2006 regelmäßig im Kleinen Haus aufgetreten sind, nun schon für die Premierenvorstellung am Sonntag, 14. September. „Irgendwie haben wir dieses Wiedersehen doch einrichten können, obwohl wir mittlerweile in Hannover, Hildesheim, Augsburg, Hamburg oder Lüneburg leben. Uns Studenten kommen die Semesterferien da natürlich recht“, sagt die Lehramtsstudentin Jana Meier.

Als Ferien würde den Aufwand, den das Ensemble seit rund einem Monat betreibt, wohl kaum einer bezeichnen. An sieben Tagen die Woche probt das Theater zwischen den Stühlen nun schon in der Aula der Realschule an der Holbeinstraße. Auch sonntags. „Dann stören wir den Schulbetrieb nicht so“, lacht die 23-jährige Annabell Neuhof. Geübt wird morgens und abends, jeweils gut drei bis vier Stunden. „Die Charaktere sind eine irre Herausforderung für uns Schauspieler“, sagt Timo Fuchs. „Wir kommen während der Proben oft an Punkte, wo wir über den Charakter ganz neu nachdenken müssen und folglich auch untereinander diskutieren“, ergänzt Jan Friedrich Eggers. Für die jungen Schauspieler stand schnell fest, dass man sich dem eher unbekannten Werk Ibsens in der letzten gemeinsamen Aufführung in Delmenhorst widmen wollte. Angetan von der Sprachgewalt der Charaktere, von der Dramatik der Situation. Noch – so sagen die jungen Schauspieler unisono – noch hat kein Wehmut oder Abschiedsschmerz ob der

baldigen erneuten Trennung eingesetzt. Spätestens aber wenn der Vorhang beim letzten der drei Auftritte am 18. Oktober fällt, erwartet das Ensemble Emotionen pur: „Hier in Delmenhorst ist alles entstanden, Hier haben wir unsere Heimat. Wir haben jetzt mit all unseren Kräften an diesem Stück gearbeitet. Natürlich werden wir dann einen Kloß im Hals verspüren, schließlich geht eine Ära zu Ende“, erklärt Timo Fuchs.

Über die Publikumsgröße indes gehen die Meinungen in der Gruppe auseinander: „Wir waren im Kleinen Haus mit 500 Plätzen schon einmal ausverkauft. Warum soll uns das beim Abschied nicht noch einmal gelingen“, so Annabell Neuhof. Initiator Jan Friedrich Eggers wäre bereits glücklich, „wenn sich die Zuschauer, egal in welcher Größenordnung, bei uns nicht verloren vorkommen.““

Theater zwischen den Stühlen: „Baumeister Solness“

Das Theaterstück „Baumeister Solness“ ist für das Theater zwischen den Stühlen bereits das zweite Werk aus der Feder des norwegischen Autors Henrik Ibsen. Bereits 2003 spielte das Ensemble Ibsens „Nora“. Die Aufführung wurde zu einem Publikumserfolg. Ibsen, dessen Charaktere spannend wie Krimi-Helden sind, hebt auch in seinem „Baumeister Solness“ mit psychologischem Feingespür und bühnensicherem Instinkt für Theaterdramatik die Welt seiner Titelfigur aus den Angeln: Der erfolgreiche Architekt Halvard Solness (Timo Fuchs) fürchtet nichts so sehr wie die jungen, aufstrebenden Berufseinsteiger, die ihm den Rang ablaufen könnten. Und plötzlich steht niemand geringeres als Hilde Wangel (Annabell Neuhof) vor seiner Tür, die ein Kindheitsversprechen einlösen möchte...

Aufführungen: Sonntag, 14. September, 19.30 Uhr, Sonntag, 5. Oktober, 18 Uhr und Sonnabend, 18. Oktober um 19 Uhr.

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