Oldenburg-Osternburg Jeden Dienstag um halb acht treffen sie sich bei der Freien Waldorfschule am Blumenhof 9 im Stadtteil Osternburg und proben. Sie schlüpfen in eine ausgedachte Rolle und spielen – eigentlich sich selbst. Deshalb braucht es während der Proben auch nur einen kleinen Koffer mit Requisiten. Um Carl Hehmsoth, der die neue Theatergruppe für Laien eingerichtet hat, versammelt sich etwa eine Handvoll Männer und Frauen ab Ende 50. Alle haben die  -Kleinanzeige gelesen und sind aus unterschiedlichen Motiven hergekommen.

„Ich wollte nach meiner Pensionierung etwas tun, das mir Spaß macht und Theaterspielen war immer schon in meinem Kopf“, verrät Vera. „Deshalb war ich ganz begeistert, als ich die Anzeige in der Nordwest-Zeitung gelesen habe und bin seit dem ersten Treffen dabei. Es macht total viel Spaß“, strahlt die Oldenburgerin.

„Ich stand beruflich immer hinter der Kamera, jetzt möchte ich die Bühne einmal selbst kennenlernen“, erklärt Siggi aus Oldenburg, der vor seiner Pensionierung als Requisiteur im Film und Fernsehen gearbeitet hat.

Lothar hatte schon vor vielen Jahren das Vergnügen, im Landkreis Oldenburg im plattdeutschen Theater mitzuwirken und freut sich, dass sein Hobby in Oldenburg wieder aufleben kann. Er hofft, dass Humor und Anspruch sich dabei vereinen lassen.

Traute träumte schon als Schülerin vom Theaterspielen, jetzt will die Wildeshauserin ihren Traum endlich wahr machen.

Wie das gesamte Team hat auch Marion aus Oldenburg sich auf die  -Kleinanzeige bei Carl Hehmsoth gemeldet und war von seiner Aussage fasziniert: „Ich möchte euch eine Stimme geben!“ Denn das Stück „Die Bewerber“ handelt vom Älterwerden. Ist das dann gar nicht lustig? Doch! „Wir wollen beide Seiten vom Alter zeigen“, erklärt der 41-Jährige, der bereits einige Theatererfahrung aus pädagogischen Einrichtungen mitbringt. Sowohl Lebensfreude als auch Nachdenkliches will das Bühnenstück aufzeigen, bei dem auch Teilnehmer Szenen beigesteuert haben. Die erste Leseprobe ist für den 28. Mai geplant.

Das zunächst ungewohnte Improvisationstheater macht allen Spaß, die Atmosphäre ist locker und gelöst, jeder bringt sich mit seinem Talent ein und der Leiter setzt immer wieder neue Impulse für eine Szene, die mit den Stichworten „Watch“ und „Freeze“ klar abgesteckt wird.

Seine Mutter Margret hat Erfahrung im Bremer Seniorentheater gemacht und freut sich darüber, dass ihr theatererfahrener Sohn es wagt, in Oldenburg eine neue Gruppe für interessierte Laienschauspieler ab etwa 58 Jahre aufwärts zu eröffnen. Es gibt keine Voraussetzungen außer der Lust und dem Mut, sich selbst beim Rollenspiel neu zu entdecken.

Wenn Carl Hehmsoth „Watch“ ruft, versuchen sich alle in ihre Rolle zu finden mit Bewegung, Sprache, Gestik und Mimik. Ausgedachte Szenen im imaginären Fahrstuhl finden sich ebenso wie die spontane Umsetzung eigener Lebenskapitel. Denn genau vom Leben wird das selbst geschriebene Theaterstück für Ältere handeln; die Aufführung in der Aula ist für Herbst 2019 geplant.

„Gerne möchten wir danach eine größere Theatergruppe bilden“, verrät Carl Hehmsoth seine Pläne – und damit sprichwörtlich die Chance für weitere Neueinsteiger auf die Bretter, die die Welt bedeuten.

Swantje Sagcob Redakteurin / Sonderthemen Redaktion
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