Kiel (dpa) - Einst galt er als Enfant terrible der Liberalen, jetzt hat sich Wolfgang Kubicki einmal mehr als Erfolgsgarant für die Liberalen erwiesen.

Zweistellig in Schleswig-Holstein und von zwei Seiten umworben bei der Regierungsbildung in Kiel, der 65-Jährige sendet laute Hoffnungssignale an die Parteifreunde in Nordrhein-Westfalen, die in einer Woche noch besser abschneiden wollen.

Sollte die FDP im Herbst wieder in den Bundestag kommen, will Kubicki den Landtag verlassen und als Bundestagsabgeordneter nach Berlin wechseln. Vor Jahren hatte er noch gesagt, in der Hauptstadt könnte er zum Hurenbock und Trinker werden. Mittlerweile ist er sich sicher: "Jetzt bin ich sittlich und moralisch gefestigt für Berlin."

Der Spitzengrüne Robert Habeck wollte vor der Bundestagswahl die Grünen aufmischen, jetzt hat er sie zumindest in Schleswig-Holstein an der Seite von Spitzenkandidatin Monika Heinold mit zum Erfolg geführt. Zweistellig vor der FDP wurde seine Partei im Norden, davon können die Grünen in NRW nur träumen. "Mit Habeck fürs Land" hieß es auf Wahlplakaten, obwohl der Umweltminister gar nicht zur Wahl stand. Der 47-Jährige, der das Rennen um die Spitzenkandidatur zur Bundestagswahl nur extrem knapp gegen Parteichef Cem Özdemir verloren hatte, ist im Norden populär wie wenige Grüne in einem Bundesland.

Seine Bewerbung um die Spitzenkandidatur zur Bundestagswahl hatte Habeck mit der Zusage verknüpft, im Falle eines Scheiterns weder für das Parlament in Berlin noch für das in Kiel zu kandidieren. "All in", gab er als Motto aus - aber die Tür für eine zweite Amtszeit als Landesminister stand ihm immer offen, und das gilt weiter. Habeck würde mit Kubicki trotz aller Rivalität regieren, aber lieber unter Führung der SPD und nicht der CDU.

"Wollen reicht nicht. Man muss es auch können", hieß es im Norden auf FDP-Wahlplakaten. Aus Sicht des Großteils der Nord-Liberalen verkörpert Kubicki das Können wie kein anderer. Er steht klar für "Jamaika", also eine CDU-geführte Regierung. Vor Abschluss eines Koalitionsvertrages soll es eine FDP-Mitgliederumfrage geben.

Der Philosoph und Schriftsteller Habeck wirkt immer noch jungenhaft, hat in fünf Ministerjahren aber mannhaft einen Konflikt nach dem anderen ausgetragen. Habeck ist leidenschaftlicher Grüner, doch sein Amt zwang ihn zu viel Pragmatismus. Landwirtschaft, Naturschutz, Ausbau der Windenergie, Tierschutz, Fischerei, Reaktorsicherheit, Atommüll-Entsorgung - das Konfliktpotenzial war enorm.

"Ich halte ihn für einen - nicht nur persönlich - sehr tollen Typen, sondern auch für einen politischen Kopf, auf den die Grünen nicht verzichten sollten", sagte Kubicki, als Habeck um die Spitzenkandidatur kämpfte.

Mit dem Umfragetief der Bundesgrünen waren auch Spekulationen aufgeflammt, Habeck könnte Cem Özdemir noch vor der Bundestagswahl als Parteichef ablösen. Als "Tüünkraam", Unsinn, tat Habeck das ab. Ob er dabei bleibt, sollten die Grünen am nächsten Sonntag in NRW scheitern?

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