Berlin Rund 6,4 Milliarden Euro gaben private Haushalte 2017 für zahnärztliche Leistungen aus. Damit kommt jeder vierte Euro, den Zahnarztpraxen einnehmen, direkt von den Patienten. Grund: Die Krankenversicherung trägt die Kosten für Kronen, Brücken und Implantate nicht komplett.

In der Mai-Ausgabe macht die Zeitschrift „Finanztest“ darauf aufmerksam: Bei einer sehr teuren Implantatversorgung deckt der Anteil der Krankenkasse noch nicht einmal zwölf Prozent der Kosten. Die anderen 88 Prozent zahlen Patienten aus eigener Tasche – es sei denn, sie haben eine gute private Zahnzusatzversicherung.

Große Preisspannen

Im aktuellen Test erhielten fast zwei Drittel der 234 Policen das Qualitätsurteil Sehr gut oder Gut. Beurteilt hat die Stiftung Warentest dabei, was ein Versicherer für Zahnersatz leistet. Je mehr er auch für teure Versorgungen zahlt und je weniger er die Kunden einschränkt, desto besser das Qualitätsurteil.

Die Preisspanne für 43-jährige Modellkunden reicht von drei Euro bis 66 Euro im Monat. Teurer ist dabei nicht automatisch besser: Der sehr gute Tarif Hallesche DentZE.100 kostet 43-jährigen Kunden 18 Euro im Monat, während für den exakt gleich bewerteten Arag Dent100 stolze 53 Euro monatlich zu zahlen sind.

Hilfreich ist eine Versicherung, wenn der Zahnersatz über die Standardversorgung für Kassenpatienten, die sogenannte Regelversorgung, hinausgehen soll. Wer eine Krone aus zahnfarbener Keramik wünscht anstelle einer Metalllegierung ohne Goldanteil, oder wer sich statt einer Brücke ein Implantat einsetzen lässt, zahlt den Aufpreis selbst. Der Zahnarzt rechnet sein Honorar dann nach der Gebührenordnung für Privatleistungen ab. Auch die zahntechnischen Labore berechnen höhere Preise.

Ein Muss ist eine Zusatzversicherung aber nicht, betont die Stiftung Warentest. Wer mit der Regelversorgung zufrieden ist, kommt eigentlich auch ohne zurecht. Es ist möglich, für Zahnersatz ebenso Geld beiseitezulegen wie für Autoreparaturen oder für eine neue Waschmaschine. Manchen fällt es aber leichter, jeden Monat die Versicherungsbeiträge abbuchen zu lassen, als selbst Geld anzusparen.

Solche Versicherten brauchen keine Hochleistungspolice, sondern eine, die ihnen den Eigenanteil der Regelversorgung abnimmt. So stellen sie sicher, dass im Fall des Falles Geld für die Zähne verfügbar ist. Solche Verträge gibt es schon für unter zehn Euro im Monat.

Wartezeit einkalkulieren

Ist das Einkommen sehr gering, benötigen Kunden keine Zusatzpolice. Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt die Kosten für die Regelversorgung komplett. Alleinstehende, die 1246 Euro brutto oder weniger im Monat verdienen, oder ein Paar mit einem Kind mit 2025 Euro Monatseinkommen, können dies bei ihrer Kasse beantragen. Wer etwas über diesen Grenzen liegt, hat das Recht auf einen erhöhten Festzuschuss.

Die meisten Menschen interessieren sich für eine Zusatzversicherung, wenn sie das erste Mal einen größeren Betrag beim Zahnarzt selbst bezahlen mussten. Besser ist es aber, die Zahnzusatzversicherung abzuschließen, bevor die ersten „Zahnbaustellen“ beginnen, also bereits mit Mitte 30. Denn es dauert in der Regel drei bis fünf Jahre, bis Kunden die vertraglichen Leistungen in vollem Umfang erhalten. Zu Beginn sind die Summen auf jährliche Höchstwerte begrenzt.

Zusätzlich müssen Versicherungskunden bei vielen Gesellschaften nach Vertragsbeginn eine ganze Zeit warten, bis sie Zahnersatzrechnungen einreichen können. Bei etwa der Hälfte der Tarife im Test beträgt die Wartezeit acht Monate, bei den anderen ist sie auf sechs oder drei Monate reduziert oder sie entfällt ganz.

Selbst bei einem Tarif ohne Wartezeit gehen Versicherte unter Umständen leer aus, wenn sie kurz nach Vertragsabschluss beginnen, ihre Zähne umfangreich sanieren zu lassen. Manche Versicherer fordern die Patientenakte beim Zahnarzt an. Wenn dort vermerkt ist, dass der Zahnarzt den Patienten bei einer früheren Untersuchung schon einmal auf eine Schwachstelle im Gebiss hingewiesen oder sogar eine Behandlung empfohlen hat, sehen die Versicherer dies als deren Beginn an. Und laufende Behandlungen sind vom Versicherungsschutz ausgeschlossen.

Die Vorgeschichte vor dem Versicherer zu verheimlichen, ist keine gute Idee. Denn mit dem Versicherungsantrag erhalten die Unternehmen die Erlaubnis, sich beim Zahnarzt zu erkundigen. Versicherte müssen die behandelnden Mediziner von der ärztlichen Schweigepflicht entbinden.

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