Berlin Deutschland ist ein Land von Honigliebhabern. Pro Jahr vernascht jeder Bürger im Schnitt rund 1,1 Kilogramm – weltweit ein Spitzenwert. Doch die Testergebnisse könnten die Stimmung an den Frühstückstischen trüben, berichtet die Zeitschrift „test“ (2/19).

36 Produkte hat die Stiftung Warentest geprüft: Mischblüten-, Akazien-, Linden-, Raps-, Wildblüten- und Waldhonig. Lang ist die Liste der Schwächen: darunter Wärmeschäden, kritische Stoffe, untypischer Geschmack und zu wenig Pollen der angegebenen Honigsorte.

Empfindliche Enzyme

Was macht guten Honig aus? Vor allem muss er reif sein. Der Imker erkennt das an verdeckelten Waben. Die Bienen schließen sie, wenn sie den Nektar oder Honigtau mit körpereigenen Enzymen angereichert und genügend Wasser aus dem Honig gefächelt haben. Der Imker darf ihm nichts entziehen und nichts außer Honig selbst hinzufügen, schreibt die deutsche Honigverordnung vor, Der Wassergehalt darf maximal 20 Prozent betragen.

Die Leitsätze für Honig des Deutschen Lebensmittelbuchs beschreiben unter anderem, wie Sortenhonige, etwa Akazien- oder Lindenhonig, typischerweise aussehen und schmecken und wie hoch der Mindestanteil an Pollen der jeweiligen Sorte ist.

Zehn Produkte im Test erfüllen eine oder mehrere dieser Anforderungen nicht. Sie sind mangelhaft, darunter viele Akazien-und Wildblütenhonige. Jeder dritte Honig schneidet befriedigend ab, elf verdienen ein Gut.

Zu den Siegern zählen die Mischblütenhonige Lidi Maribel, NektarQuell, Dr. Krieger’s und Langnese. Von den Sortenhonigen empfiehlt die Stiftung Warentest sieben, darunter der Rapshonig von Dreyer – der einzige gute unter den sechs heimischen im Test.

Honig darf nicht „so stark erhitzt worden sein, dass die Enzyme erheblich oder vollständig inaktiviert wurden“, fordert die Honigverordnung. Bei sieben Honigen im Test war das aber der Fall. Das lässt sich im Labor anhand mehrerer Merkmale feststellen. Vor allem nimmt die Aktivität des hitzeempfindlichen Enzyms Invertase ab.

Gar keine Aktivität wiesen die Prüfer bei den Akazienhonigen von Allos, Bio Zentrale, dm, Penny und dem Wildblütenhonig Bihophar nach.

Warum der Honig zu warm wurde, kann vielfältige Ursachen haben. Vier der sieben geschädigten Honige kommen laut Pollenanalyse aus China, dem wichtigsten Honiglieferanten der EU.

Kaum Kontrollen

Sortenhonig herzustellen, ist anspruchsvoll. „Von der anvisierten Pflanze muss eingrößeres Angebot im Umfeld der Bienenstöcke sein und kein großes Angebot anderer Pflanzen“, sagt Werner von der Ohe, Direktor des Laves Instituts für Bienenkunde in Celle. „Oder der Imker muss seine Bienenvölker dorthin bringen.“ Einmal erfolgreich in der Nektarsuche, seien Bienen aber „blüten- und ortsstet“. Bringen sie Nektar anderer Pflanzen mit, hat der Imker wenig Chancen, das zu merken. Kontrollen auf Sortenreinheit finden selten statt.

Nur eine Analyse unter dem Mikroskop bringt Klarheit. Dabei werden die Pollen der verschiedenen Pflanzen ausgezählt. So stellten die Prüfer fest, dass drei Wildblüten-, zwei Linden- und ein Akazienhonig im Test ein untypisches Pollenspektrum aufwiesen.

Unabhängig von der Herkunft wurden auch kritische Stoffe nachgewiesen: etwa das Pflanzenschutzmittel Glyphosat – zwar in jedem dritten Honig, aber meist geringe Gehalte.

Auch Pollen gentechnisch veränderter Pflanzen können in Honig landen. Im Test wurden sie in zehn Produkten nachgewiesen – bei allen jedoch nur in Spuren.

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