Berlin Viele Text­marker und Tinten­roller im Test sind stark schad­stoff­belastet und damit mangelhaft. Erfreulich dagegen: Die meisten Tinten­patronen können die Tester empfehlen.

Kaum naht das neue Schul­jahr, beginnt der Einkaufs­stress. Familien müssen viele Dinge besorgen, um Ranzen und Schreibmäpp­chen zu füllen. Stifte und Tinte zum Beispiel. Und Eltern wissen: Die Tinte landet nicht immer nur auf dem Papier. Auch Fingernägel und Arme werden von kreativen Schul­kindern gern verschönert, nicht selten knabbert der Nach­wuchs am Stiftende. Umso größer die Sorge, ob Kinder dadurch gesund­heits­gefähr­dende Stoffe aufnehmen können.

Über die Hälfte fällt durch

Die Bedenken sind nicht unbe­gründet, wie der Test zeigt. Stiftung Warentest hat 32 Sets auf Schad­stoffe geprüft: zwölf mit Text­markern, elf mit Tinten­rollern, neun mit Tinten­patronen. Das Resultat: Mehr als jedes zweite Set fällt durch, darunter fast alle Text­marker und etwa die Hälfte der Tinten­roller. Immerhin: Von den neun Tinten­patronen können die Tester sieben empfehlen.

Einige gute Güns­tige

Gesucht wurde in den Stiften und Tinten gezielt nach bekannten Problem­stoffen. In den mangelhaften Produkten fanden sich kritische Mengen an Substanzen, die etwa Krebs erzeugen, Allergien auslösen oder die Intelligenz­entwick­lung von Kindern beein­trächtigen können. Zwölf Sets schneiden sehr gut, gut oder befriedigend ab, darunter güns­tige Produkte sowie teure Marken. In ihnen fanden sich keine kritischen Mengen an den geprüften Stoffen.

Grund zur Panik besteht aber nicht. Kein Kind ist akut gefährdet, wenn es sich mit belasteten Produkten etwa die Haut bemalt hat.

 Tipp: Farbe auf der Haut möglichst bald mit Wasser und Seife abwaschen, am besten mit einer Hand­bürste.

Spielzeugnorm angelegt

Im Gegen­satz etwa zu Bunt­stiften gelten Text­marker, Tinten­roller und Tinten nicht als Spielzeug – werden aber von Schul­kindern oft ähnlich intensiv genutzt. Die Tester orientieren sich bei der Bewertung vieler gesund­heits­gefähr­dender Stoffe daher an EU-Grenz­werten, die in den Spiel­zeugnormen fest­gelegt sind. Teils ziehen sie auch weitere Grenz­werte heran.

Sehr schlecht fielen die Resultate bei den Stifte-Sets aus: 17 von 23 sind mangelhaft. In zwei Text­marker- und fünf Tinten­roller-Sets enthielten Farbtinten mehr Schwer­metalle, als die Spiel­zeugnorm erlaubt. Besonders kritisch: Blei in der Tinte des Pilot- Frixion-Tinten­rollers. Laut Bundes­institut für Risiko­bewertung (BfR) können sich schon geringe Mengen negativ auf die Intelligenz­entwick­lung von Kindern auswirken.

Nickel und Kobalt

So wenig wie möglich in Berührung kommen sollten Kinder auch mit Nickel und Kobalt. Nickel etwa gehört nach Angaben des BfR zu den häufigsten Auslösern von allergischen Kontaktekzemen. Auch Kobalt-Verbindungen können hautsensibilisierend wirken. Beide Metalle fanden sich einzeln oder in Kombination in Text­markertinten von Edding sowie in Tinten­rollern von weiteren bekannten Marken wie Schneider, Herlitz, Pelikan und Stabilo.

Form­aldehyd in drei Sets

Tinten in Stiften und Patronen basieren auf wäss­rigen Lösungen, was sie anfäl­lig macht für Bakterien und Schimmelpilze. Um sie zu schützen, setzen Hersteller Konservierungs­stoffe ein, etwa Formaldehyd. Die Substanz kann Krebs erzeugen. Text­marker von Jes Collection und Ross­mann sowie Kik-Tinten­roller enthalten so viel davon, dass die Funde mit Mangelhaft bewertet wurden.

Die meisten Stifte und auch zwei Tinten­patronen im Test enthalten als Konservierungs­mittel Isothiazolinone. Einige davon können Allergien auslösen, etwa Methylisothiazolinon. Es wurde früher als Konservierer in Cremes und Salben einge­setzt. Inzwischen ist es für auf der Haut verbleibende Kosmetika verboten.

In Schaft und Kappe des Schreiblern-Sets von Online wies der Test hohe Mengen Naphthalin nach. Der poly­zyklische aromatische Kohlen­wasser­stoff (PAK) steht unter Verdacht, Krebs zu erzeugen.

Tinten­patronen besser

Einen Licht­blick bietet diese Unter­suchung auch: Die Ergeb­nisse der Tinten­patronen haben sich gegen­über des Tests 2018 wesentlich verbessert. Waren damals fünf von sechs Patronen mangelhaft, ist es jetzt nur noch eine (Parker Quink Blau) von neun.

Spitzenreiter

  Sieger im Schad­stoff­test: Sehr gute Tinten­patronen kommen von Online (40 Cent je Patrone) und Ross­mann (15 Cent). Gut ist der nach­füll­bare Tinten­roller Lamy Safari Blue (14,50 Euro). Einziges befriedigendes Text­marker-Set ist das Schneider Job Neon (2,99 Euro).

  Preistipp: Der nach­füll­bare Eylo-Tinten­roller kostet nur 2,83 Euro, die Tinte von Stabilo nur 12 Cent je Patrone. Beide sind gut.

  Umwelttipp: grundsätzlich Stifte, die nachfüllbar sind.

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