Berlin Als Maxi Vierheller ihr erstes Kind erwartete, bekam sie ein teures Vitaminpräparat von ihrer Gynäkologin empfohlen. Bezahlen musste sie es selbst. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen nur verschriebene Medikamente. Jetzt ist die Berlinerin wieder schwanger und nimmt ein günstigeres Mittel. „Vom gesparten Geld gönne ich mir Massagen und Yoga“, sagt die 36-Jährige.

Ein Test der Stiftung Warentest bestätigt: Viel Geld müssen werdende Mütter für Nahrungsergänzung nicht ausgeben. Von 17 geprüften Präparaten ist fast jedes zweite für sie geeignet: Das günstigste von Avitale kostet 7 Cent pro Tag („test“, 6/19). Für das teuerste Produkt im Test, Orthomol Natal, zahlen Frauen 27-mal mehr.

Dabei ist Orthomol – wie sieben weitere Mittel – nur mit Einschränkung geeignet, weil es Eisen enthält. Das Spurenelement sollten Schwangere nicht in Eigenregie ergänzen, sondern nur, wenn eine Blutuntersuchung ergibt, dass sie unterversorgt sind. Zu viel Eisen kann zu Nebenwirkungen wie Verstopfung, Bauchschmerzen und Übelkeit führen.

Das zweitteuerste Mittel im Test, Pukka Mutterzauber, enthält weniger Folsäure als für Schwangere empfohlen und ist deshalb wenig geeignet.

Mit Ausnahme von Pukka entsprechen die Dosierungen der Kapseln und Tabletten den wissenschaftlichen Empfehlungen. Und die Angaben auf den Verpackungen sind auch korrekt.

An vielen Vitaminen und Mineralstoffen haben Schwangere einen erhöhten Bedarf. Den können sie in der Regel durch sorgfältig ausgewählte Lebensmittel decken – mit Ausnahme von Folsäure und Jod. Ernährungsfachleute und Mediziner empfehlen werdenden Müttern, beides täglich in Pillenform zu sich zu nehmen – zusätzlich zu folatreicher Ernährung. Folat, das in der Natur vorkommende Pendant zu synthetischer Folsäure, kommt in Hülsenfrüchten, grünem Blattgemüse und Vollkornprodukten vor. Das B-Vitamin ist wichtig für Zellteilung und Wachstumsprozesse. Folsäure zu ergänzen, ist uneingeschränkt ratsam. Studien zeigen: Frauen können damit das Risiko für einen Neuralrohrdefekt – einen offenen Rücken – des Kindes senken.

An Jod herrscht in Deutschland generell ein leichter Mangel. Bei Schwangeren kann eine Unterversorgung die geistige und körperliche Entwicklung des Embryos beeinträchtigen. Über zusätzliches Jod sollten Schwangere jedoch mit ihrem Arzt oder ihrer Ärztin sprechen: Bei bestimmten Schilddrüsenerkrankungen etwa sollten sie es nicht zusätzlich einnehmen.

In der Schwangerschaft wollen Frauen alles richtig machen und nur das Beste für das Kind, das in ihnen wächst. Viele greifen daher zu Kombipräparaten, die neben Folsäure und Jod weitere Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente enthalten. Notwendig ist so ein Nährstoffmix aber nur selten. Vitamin E etwa steckt in Sonnenblumenöl, Vitamin B1 in Getreide, Kalzium in Milchprodukten. An den Vitaminen B5 oder K haben Schwangere nicht mal einen Mehrbedarf. Besonders viele Nährstoffe enthält Orthomol – und die auch noch verteilt auf fünf Tabletten und drei Kapseln pro Tag.

Manche Nährstoffe können individuell sinnvoll sein: Wer nicht regelmäßig fetten Seefisch wie Hering oder Lachs isst, sollte Omega-3-Fettsäuren ergänzen. Die sind für die Entwicklung der Sehfunktion des Kindes und des Gehirns wichtig. Studien deuten darauf hin, dass eine erhöhte Zufuhr auch das Risiko für Frühgeburten senkt.

Einige Frauen bilden eventuell nicht ausreichend Vitamin D durch Sonnenlicht über die Haut. Für Veganerinnen ist Vitamin B12 ein Muss. Eine vegane Ernährung in der Schwangerschaft sollte in jedem Fall gut ärztlich begleitet werden.

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