Berlin Ware kaputt oder doch nicht so schön wie angenommen? Wie sich ein Kauf rückabwickeln lässt und welche Rechte der Käufer hat, wissen viele nicht genau. „Finanztest“ räumt mit sechs häufigen Irrtümern auf.

Gilt ein grundsätzlichesRecht auf Umtausch?

Ein Recht auf Umtausch gibt es immer dann, wenn aus dem Internet oder einem Katalog online, telefonisch oder per Post bestellt wird. Beim Onlinehandel können Kunden innerhalb von 14 Tagen nach Erhalt der Ware den Kauf widerrufen und die Ware zurückschicken – ohne Angabe von Gründen. Ihr Geld bekommen sie zurück.

Anders sieht es bei Käufen in Ladengeschäften aus. Grundsätzlich sind solche Käufe verbindlich, und beide Seiten müssen sich daran halten. Viele Geschäfte bieten jedoch aus Kulanz die Möglichkeit, gekaufte Ware innerhalb einer bestimmten Zeit umzutauschen und geben oft sogar das Geld zurück. Das heißt: Ist die neue Jeans bei nochmaligem Anprobieren doch nicht bequem genug, können Kunden damit zurück ins Geschäft gehen. Einen Anspruch auf Umtausch haben sie aber nicht. Und selbst wenn Händler freiwillig ein Recht auf Umtausch einräumen, muss das nicht für sämtliche Waren gelten. Bei Unterwäsche etwa ist ein Umtausch meist ausgeschlossen – aus hygienischen Gründen. Ausgeschlossen ist ein Widerruf bei Reisen, Tickets für Veranstaltungen oder Sonderanfertigungen.

Gibt es das Geld zurück, wenn die Ware kaputt ist?

Nein, erst einmal nicht. Wenn die gekaufte Ware einen Mangel hat, also nicht in Ordnung ist, gelten die gesetzlich festgelegten Gewährleistungsrechte. Zunächst können Kunden vom Verkäufer nur fordern, dass er die mangelhafte Ware repariert oder eine neue liefert, die frei von Mängeln ist. Juristen sprechen vom Anspruch auf Nacherfüllung (Bürgerliches Gesetzbuch ab Paragraf 437). Ob die gekaufte Ware repariert oder ausgetauscht werden soll, dürfen die Käufer selbst entscheiden. Etwas anderes gilt allerdings, wenn die gewählte Form der Nacherfüllung unverhältnismäßig teuer für den Verkäufer wird – also wenn beispielsweise eine Reparatur günstiger für ihn wäre.

Den Kaufpreis mindern oder vom Vertrag zurücktreten können Kunden in der Regel erst, wenn die Reparatur zweimal scheitert oder die Ersatzlieferung fehlschlägt. Bei der Minderung behalten sie die mangelhafte Sache und bekommen einen angemessenen Teil des Kaufpreises zurückerstattet. Beim Rücktritt vom Kaufvertrag müssen Sie die Ware zurückgeben und erhalten im Gegenzug ihr Geld.

Ist ein Umtausch auch ohne Kassenbon möglich?

Können Käufer auf andere Art belegen, dass Sie die Ware im fraglichen Geschäft gekauft haben, ist ein Umtausch möglich. Das gilt allerdings nur, wenn überhaupt ein Umtausch gestattet ist. Neben dem Bon, der den Einkauf zweifelsfrei belegt, kann man zum Beispiel die Kreditkartenabrechnung oder einen Kontoauszug vorlegen. Möglich ist auch, dass ein Zeuge den Einkauf bestätigt. Klingt alles umständlich? Ein Umtausch mit Kassenbon bleibt aber der einfachste Weg.

Wie lange kann Ware reklamiert werden?

Zwei Jahre lang können Käufer von Ihren Gewährleistungsrechten Gebrauch machen. Tritt in dieser Zeitspanne ein Fehler auf, können sie Nacherfüllung verlangen, einen Teil des Geldes zurückfordern oder den Kauf rückgängig machen. Das gilt für Online- und Ladenkäufe gleichermaßen. Die Frist beginnt mit Kauf beziehungsweise Lieferung der Ware. Kauft ein Verbraucher gebrauchte Ware vom Händler, kann dieser die Gewährleistung auf ein Jahr verkürzen.

Obwohl die Gewährleistungsrechte zwei Jahre gelten, spielen die ersten sechs Monate nach Kauf eine wichtige Rolle, weil sich danach die sogenannte Beweislast ändert: Dann muss der Käufer beweisen, dass der Mangel tatsächlich von Beginn an bestanden hat. Das gestaltet sich natürlich oft als schwierig und hat zur Folge, dass sich die Gewährleistungsrechte nach Ablauf von sechs Monaten deutlich schwerer durchsetzen lassen.

Bei Verkäufen unter Privatleuten darf der Verkäufer die Gewährleistung für Mängel übrigens komplett ausschließen, muss also für Fehler nicht geradestehen.

Was tun, wenn die Anleitung falsch ist?

Gegen eine falsche Aufbauanleitung ist der Käufer nicht machtlos. Wer beispielsweise einen Schrank nicht zu Ende aufbauen kann, weil die Aufbauanleitung komplett unverständlich ist, muss nicht unbedingt an sich selbst zweifeln. Manchmal ist auch einfach die Anleitung schuld. Wenn diese nachweislich fehlerhaft ist, können Käufer eine neue und vor allem fehlerfreie verlangen und darüber hinaus vom Verkäufer, dass er die falsch montierten Teile auf eigene Kosten wieder auseinanderbaut. Dafür sorgt eine Regelung im deutschen Kaufrecht, die als Ikea-Klausel bezeichnet wird und in Paragraf 434 Absatz 2 Satz 2 des Bürgerlichen Gesetzbuchs zu finden ist. Danach wird eine falsche oder unverständliche Aufbauanleitung als Mangel angesehen – dass die Sache selbst vollkommen in Ordnung ist, spielt keine Rolle.

Gewährleistung und Garantie – gibt es da einen Unterschied?

Gewährleistung ist das, was das Gesetz für den Fall vorsieht, dass sich eine Sache nach dem Kauf als fehlerhaft herausstellt. Eine Garantie hingegen ist eine freiwillige Zusatzleistung, die meist vom Hersteller, nicht vom Händler, gegeben wird. Wer Ware mit einer Herstellergarantie gekauft hat, kann bei Mängeln wählen, ob er die Garantie des Herstellers in Anspruch nimmt oder gegenüber dem Händler die gesetzlichen Gewährleistungsansprüche geltend macht. Da es sich bei der Garantie um eine freiwillige Leistung handelt, ist der Hersteller auch frei darin, die Voraussetzungen für einen Garantiefall festzulegen.

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