Berlin Wie viel Holz aus Raubbau steckt in unserer Grillkohle? Die Stiftung Warentest hat 17 Grillholzkohlen analysieren lassen, darunter Säcke von Aldi, Kaufland und Netto sowie Markenware von ProFagus und Weber. In fünf Säcken versteckte sich Tropenholz. Insgesamt gibt sich die Branche wenig transparent.

In den vergangenen Jahren häuften sich Berichte von Umweltverbänden und Medien, dass Urwälder hierzulande auf dem Grill landen. Und heute? Die Tester der Stiftung Warentest kauften 17 Säcke in Supermärkten, Baumärkten, im Getränkemarkt und an der Tankstelle ein und ließen den Inhalt mit Hilfe eines Spezialmikroskops analysieren. Zudem ermittelten sie, ob die Anbieter die Herkunft und Art des Holzes angeben und befragten sie, aus welchen Wäldern das Holz stammt.

Kunden erfahren es nicht

Das Ergebnis der Analyse zeigt: Nach wie vor verkaufen mehrere Händler Tropenholz, ohne dass Kunden es erfahren. Auf neun Säcken waren weder Holzarten noch Herkunft angegeben – in fünf davon steckte Kohle aus dem tropischen oder subtropischem Raum. Ein Produkt führt Verbraucher in die Irre: Max Grill & Barbecue trägt ein Siegel des Forest Stewardship Council (FSC), das die Kohle als nachhaltig und aus heimischen Wäldern ausweist. Tatsächlich besteht sie jedoch komplett aus Tropenholz.

Lediglich ein Anbieter benennt das Land, aus dem das Holz stammt. Hersteller sind dazu gesetzlich nicht verpflichtet, aber Transparenz wäre dringend nötig. Sobald Grillkohle auf dem deutschen Markt landet, kann sie legal verkauft werden – selbst wenn das Holz illegal geschlagen wurde. Denn die europäische Holzhandelsverordnung, die sicherstellen soll, dass nur legales Holz in die EU gelangt, gilt bislang nicht für Grillkohle und Briketts. Für sie müssen Importeure keine Legalitätsnachweise erbringen. Auch behördliche Kontrollen entfallen.

Die Analyse der fünf Tropenholz-Produkte ergab, dass die Bäume in Afrika oder Südamerika wuchsen. Dort sind Nigeria und Paraguay mit Abstand die größten Lieferanten für Kohle, die hierzulande Grills anheizt. In beiden Ländern begünstigen Korruption und Armut massenhafte Waldvernichtung.

In Paraguay werden riesige Flächen für Viehzucht oder Ackerbau gerodet, vor allem im Gran Chaco, einem tropischen Trockenwald. Der Verkauf der Kohle finanziert die Abholzung mit. Laut einem Bericht der britischen Umweltorganisation Earthsight wird kein anderes Waldgebiet so schnell zerstört wie der Gran Chaco. Nachhaltige Forstwirtschaft existiert in beiden Ländern kaum.

Häufiger als aus tropischen Gefilden werden Bäume aus unseren gemäßigten Breiten zu Grillkohle verarbeitet, vor allem aus der Ukraine. Unproblematisch ist auch das nicht. In dem Land sind Korruption und illegaler Holzeinschlag weit verbreitet und bedrohen die letzten Urwälder Europas.

Knapp die Hälfte der Anbieter teilte uns mit, dass sie ihre Kohle zumindest teilweise aus der Ukraine beziehen. Immerhin sind viele dieser Produkte FSC-zertifiziert. Wie der Sack mit dem falschen Siegel zeigt, bietet es zwar keine völlige Garantie, dennoch ist FSC-Holz besser überwacht als anderes.

Holz aus Deutschland

Um Grillkohle aus Raubbau zu meiden, sollte man ein Produkt wählen, auf dem Holzart und -herkunft angegeben sind, und das ein Siegel trägt (FSC, Naturland, PEFC). Im Test erfüllt die Flamenco Grill-Holzkohle (1,17 Euro pro Kilogramm) am ehesten diese Kriterien.

Gering ist das Raubbau-Risiko auch bei der Favorit Buchen Grillkohle (2 Euro) und der Buchen Grill-Holzkohle von Pro-Fagus (2,60 Euro). Für beide wurde laut Anbieter Holz aus Deutschland verkohlt.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.