Berlin Wenn Stillen nicht klappt oder reicht, versorgen Fläsch­chen mit Säuglings­nahrung Babys mit wichtigen Nähr­stoffen. Die meisten geprüften Produkte sind erfreulich gut.

Schon im Alter von zwei Wochen trinkt jedes vierte Baby zumindest teil­weise industriell hergestellte Säug­lings­nahrung aus dem Fläsch­chen. Sie wird meist aus Pulver mit Wasser zubereitet. An Muttermilch reicht keine sogenannte Pre-Nahrung heran. Aber die meisten Produkte sind gut zusammengesetzt. Sie versorgen das Baby mit allem, was es für eine gesunde Entwick­lung braucht, wie der Test zeigt:

14 gute Produkte

Von 21 Produkten schneiden 14 gut ab. Der Rest ist befriedigend. Bekannte Marken wie Aptamil, Beba und Hipp sind mehr­fach im Test vertreten. Nicht alle ihre Produkte sind gut. Das liegt zum Beispiel an Schad­stoffen oder der Verpackung. Auch in der Nähr­stoff-Zusammenset­zung – der ernährungs­physiologischen Qualität – zeigten sich Unterschiede. Keime und Krank­heits­erreger geben bei keinem Produkt Grund zur Sorge.

Grenzwerte eingehalten

Schad­stoffe lassen sich selbst bei sorgfältiger Herstellung nicht ganz vermeiden. Sie kommen teils in der Umwelt vor oder bilden sich bei der Produktion, etwa wenn Öle raffiniert werden. 16 Produkte sind im Prüf­punkt Schad­stoffe befriedigend. Die Funde sind nicht besorgnis­erregend: Grenz­werte werden klar einge­halten.

HA-Milch nicht aktuell

Eltern von allergiegefähr­deten Babys können die Tester leider keinen konkreten Kauf­tipp geben: Die Anbieter haben alle geprüften hydrolysierten Anfangs­nahrungen (HA) inzwischen wegen neuer gesetzlicher Anforderungen geändert. Nach einer EU-Verordnung muss Säuglings­nahrung seit gut zwei Jahren eine Mindest­menge Docosa­hexa­ensäure (DHA) – etwa aus Fisch- oder Mikroalgenöl – enthalten. Seit Februar gilt das auch für HA-Milch. Im Einkaufs­zeitraum bis März fanden die Tester nur Produkte alter Chargen. Sie dürfen zwar abver­kauft werden. Doch die Verordnung ist seit Jahren bekannt; Aptamil, Beba, Bebivita und Hipp haben die Umsetzung weit ausgereizt. Darum waren keine HA-Produkte im Test, die die neuen Anforderungen erfüllen.

Milcheiweiß gespalten

In HA-Anfangs­nahrung ist das potenziell all­ergen wirkende Kuhmilcheiweiß nicht mehr intakt, sondern gespalten (hydrolysiert). Das soll zu weniger allergischen Erkrankungen führen. Ob dies tatsäch­lich so ist, prüft die Europäische Behörde für Lebens­mittel­sicherheit (Efsa) für einzelne Produkte. Derzeit hat sie keinem ihren Segen dazu erteilt. Berthold Koletzko, Professor für Kinder- und Jugend­medizin am Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München, rät dennoch dazu.

Wichtige Zusätze

Die Nähr­stoff-Zusam­menset­zung von drei bis März gekauften HA-Produkten – Aptamil, Bebivita und Hipp – ist nur befriedigend, ebenso die der Milasan-Pre-Milch. Sie bieten wenig oder keine der mehr­fach ungesättigten Fett­säuren, die auch in Muttermilch vorkommen: Docosa­hexa­ensäure (DHA) und Arachidonsäure (ARA). In Kombination sind sie für die kindliche Entwick­lung etwa des Gehirns wichtig. Anders als DHA ist die Fett­säure ARA in Säuglings­nahrung nicht vorgeschrieben. Die Ernährungs­kommis­sion der Deutschen Gesell­schaft für Kinder- und Jugend­medizin empfiehlt, beide Fett­säuren gemein­sam zuzu­setzen. Im Test wurde Produkten, die wenig oder keine ARA enthalten, Punkte abge­zogen.

 Tipp: Produkte mit Arachidonsäure sind auf der Verpackung an der Zutat „Öl aus Mortierella Alpina“ erkenn­bar.

Spitzenreiter

  Testsieger: Die Löwenzahn Organ­ics Bio Pre Anfangs­milch liegt knapp vorn. Wenn Eltern ihr Baby komplett damit ernähren, zahlen sie circa 92 Euro im Monat.

  Preistipp: dmBio und Little Steps gehören zu den Besten und kosten nur rund ein Drittel (etwa 33 Euro).

  Umwelt­tipp: Möglichst auf trink­fertige Milch in Flaschen verzichten. Sie verursacht viel Müll.

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